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Warum Neusalza ein Corona-Hotspot ist

Die Zahl der Infizierten in der Stadt ist stark gestiegen. Der Grund dafür ist nun klar. Auch viele andere Einrichtungen im Landkreis sind betroffen.

Das Pflegezentrum in Neusalza-Spremberg steht unter Quarantäne.
Das Pflegezentrum in Neusalza-Spremberg steht unter Quarantäne. © Matthias Weber

27 neue Corona-Infizierte sind in der Landkreisstatistik in Neusalza-Spremberg über das Wochenende hinzugekommen. Wie das Landratsamt auf Nachfrage der SZ bestätigt, ist eine Pflegeeinrichtung für Senioren betroffen. "Für das Heim hat der Landkreis Quarantäne verhängt", erklärt eine Kreissprecherin. 

Betroffen ist das Pflegezentrum "Am Spreepark". Das Pflegezentrum - direkt an der Spree gelegen - ist eine Kombination aus Betreutem Wohnen und stationärem Heim. Der Pflegeheimbereich mit 37 Plätzen ist im Erdgeschoss untergebracht. Betreiber ist die Bewo - Betreutes Wohnen gemeinnützige GmbH, die ihren Sitz in Dresden und auch dort ein Pflegezentrum hat. Geschäftsführer Holger Bayn bestätigt, dass es Infizierte gibt, wie viele könne er aber nicht genau sagen. "Uns sind nicht alle Ergebnisse der getesteten Personen bekannt." Der Geschäftsführer bestätigt auch, dass ebenso Pflegekräfte betroffen sind und sich infiziert haben. Einige der Betroffenen hätten Symptome, andere nicht. Ob Erkrankte im Krankenhaus behandelt werden müssen, dazu will der Geschäftsführer keine Auskunft geben. 

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Das Pflegezentrum “Am Spreepark“ ist laut Geschäftsführer Bayn seit Freitag unter Quarantäne gestellt und diese gilt noch bis 12. November. Für die Mitarbeiter gilt allerdings eingeschränkte Quarantäne, das heißt: Sie dürfen zur Arbeit und für den direkten Weg zurück nach Hause ihre Wohnung verlassen. Außerhalb der Wohnung und der Arbeitsstelle dürfen die Mitarbeiter sich aber nicht aufhalten. Wer sich nicht daran hält, kann mit einem Bußgeld oder sogar mit Freiheitsstrafe bestraft werden, so der Geschäftsführer. Diese Mitteilung habe man per Bescheid vom Görlitzer Landratsamt erhalten. 

Auch an Alte und Kranke denken

Beim Landkreis bestätigt man, dass die Pflegekräfte das Heim verlassen dürfen, um nach Hause zu fahren. In solchen Fällen gibt es eine Sonderform der Quarantäne, teilt Kreissprecherin Julia Bjar mit. Sie gelte für Mitarbeiter, die keine Symptome haben. Auch in anderen Fälle, wo Pflegeheime betroffen waren, wie zum Beispiel im Frühjahr in Niesky, wurde das so gehandhabt. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Pflegebedürftigen versorgt werden. Müssten die Pflegekräfte zu Hause in Quarantäne bleiben, würde es eng werden. 

Im gleichen Haus in Neusalza-Spremberg befinden sich Senioren-Wohnungen für Betreutes Wohnen. Dieser Bereich steht nicht unter Quarantäne, teilt das Landratsamt auf Nachfrage mit. Das Betreute Wohnen ist räumlich vom Pflegeheimbereich getrennt. 

Das Pflegezentrum in Neusalza-Spremberg ist aber nicht das einzige Heim, das von Corona-Fällen betroffen ist. Nach Angaben aus dem Landratsamt sind aktuell Heime in Boxberg, Rothenburg, Görlitz, Herrnhut, Oppach, Großschweidnitz, Zittau, Bertsdorf-Hörnitz und Neusalza-Spremberg betroffen. 

Das ASB-Heim "Schloß Friedersdorf" gehört nicht dazu. Es ist das zweite Pflegeheim in Neusalza-Spremberg. "Wir haben bei uns keine Infizierten", sagt Heimleiterin Ramona Schliebitz und klingt dabei geradezu erleichtert. Um die Bewohner zu schützen, habe der ASB Löbau, zu dem das Heim gehört, ein Besucherkonzept ausgearbeitet. Es gibt feste Regeln, wer wann zu Besuch kommen darf. Demnach dürfen Besucher nur zu begrenzten Zeiten ins Heim kommen und nur mit Termin. Sie müssen an der Tür klingeln und dürfen selbstverständlich nur mit Mundschutz ins Gebäude. Ihre Angehörigen treffen sie nicht auf deren Zimmern im Wohnbereich, sondern in einem separaten Raum. "Das gibt uns Sicherheit. Wir wollen aber auch etwas Normalität für die Bewohner erhalten", so die Heimleiterin. 

Was sie besonders umtreibt ist die Arglosigkeit und auch Rücksichtslosigkeit, die sie immer noch bei vielen Menschen spürt. Würden sich alle an die Regeln halten und soziale Kontakte einschränken, wäre das Problem nicht so groß, sagt sie. "Man sollte eben auch an Alte, Kranke und Pflegebedürftige denken." 

Bürgermeister wünscht sich mehr Info

Und auch Neusalza-Sprembergs Bürgermeister Matthias Lehmann (CDU) hat einen Wunsch, wie die Kommunikation in der aktuellen Lage etwas verbessert werden könnte: Er war nicht darüber informiert worden, dass in seiner Stadt ein Pflegeheim betroffen ist. "Wir bekommen auch nur die reinen Zahlen gemeldet", so Bürgermeister Lehmann. Wer betroffen ist, weiß auch das Rathaus also nicht von offizieller Seite. Wenn es um einzelne Privatpersonen gehe, sei das ja auch ganz selbstverständlich, so Matthias Lehmann. Wenn es solche Fälle gibt, wo Einrichtungen in größerem Umfang betroffen sind, sollten die Kommunen aber informiert werden, fordert er. "Es geht mir nicht darum, zu wissen wer krank ist." Vielmehr ginge es um solche Fragen wie: Wie kann die Stadt unter Umständen helfen  oder sind weitere Schutzmaßnahmen nötig?, sagt der Bürgermeister. Er wolle das auch selbst beim Landrat anregen. 

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