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„Eine Art Nachbarschaftshilfe“

Das „Bündnis Radeberger Land hilft“ unterstützt Menschen in der Pandemie: beim Einkaufen oder Gassigehen. Oft gibt es ungeahnte Herausforderungen.

Holger Wedemeyer ist Vorsitzender des „Bündnis Radeberger Land hilft“. 50 Menschen werden vom Verein derzeit betreut.
Holger Wedemeyer ist Vorsitzender des „Bündnis Radeberger Land hilft“. 50 Menschen werden vom Verein derzeit betreut. © Marion Doering

Radeberg. Das vermeintlich Einfache kann sich mitunter auch als unüberwindbare Hürde entpuppen. Etwa, wenn man einen Hund ausführen soll, den man a) nicht kennt und b) zu dem man möglicherweise nicht nur keinen Bezug hat, sondern vor dem man sich obendrein auch noch fürchtet. Da wird es dann selbst für Menschen mit einem ausgeprägten Helfersyndrom schwierig, ein Hilfsversprechen einzulösen.

Beim Verein „Bündnis Radeberger Land hilft“ wurden bisher selbst für derartige Fälle Lösungen gefunden, erzählt Holger Wedemeyer. Der 53-jährige Vereinsvorsitzende arbeitet im Epilepsiezentrum Kleinwachau, betreut dort Gruppen. Wie gut, dass sich da zuletzt jemand fand, der „ein Faible für Hunde hat“, so Wedemeyer. Und sich bereit erklärte, den Vierbeiner des Mannes spazieren zu führen, der sich an den Verein gewandt hatte. Durfte der ältere Herr doch für zwei Wochen seine Wohnung nicht verlassen. Quarantäne. Angesteckt mit Covid-19.

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Vereinsmitglieder erledigen für Ältere die Einkäufe

Betroffene müssen sich da mit Fragen auseinandersetzen, mit denen man sich vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie nicht ansatzweise auseinandergesetzt hätte. Etwa, wer für einen Einkäufe erledigt, Rezepte bei der Apotheke einlöst oder mit dem Hund Gassi gehen soll.

Als die Pandemie im vergangenen Frühjahr auch das Rödertal erreichte, hatte sich Holger Wedermeyer gefragt, wie der Verein, der seit der Gründung 2015 Asylbewerber und Flüchtlinge unterstützt, in dieser noch nie dagewesenen Situation helfen kann. Bedarf gab es ja genug. Vor allem die zur Hochrisikogruppe gehörenden älteren Menschen leiden ja in diesen Zeiten.

Gemeinsam mit dem Großerkmannsdorfer Pfarrer Johannes Schreiner stand für die beiden zu Beginn der Corona-Krise fest, dass „wir was unternehmen müssen“, so Wedemeyer. Am Anfang hätten die Vereinsmitglieder Masken genäht, rund 2.000 seien es gewesen, erinnert sich Wedemeyer.

Das Aufgabenspektrum des Vereines wurde mit dem Fortschreiten der Corona-Krise sukzessive erweitert, der Blick richtete sich zunehmend auf diejenigen, die unter der Pandemie besonders zu leiden hatten. Also auf die Alten und Kranken.

Ob in Radeberg, Wachau, Ullersdorf oder anderen Orten im Rödertal, Wedemeyers Verein engagierte sich, bekam auch Hilfe von der Stadt Radeberg, von den Kirchen, und natürlich von zahlreichen ehrenamtlichen Helfern.

„Das berührt einen sehr“

Der 53-jährige Vereinschef erzählt von der Zeit, als er im vergangenen Frühjahr für zwei Wochen in einem Radeberger Pflegeheim auf der Corona-Station aushalf. „Das war hart“, blickt er zurück. Was er dort sah und erlebte, prägt ihn in mittlerweile in seiner täglichen Arbeit mit hilfsbedürftigen Menschen. Wie viele der Bündnisverein seit Beginn der Pandemie im Rödertal bisher betreut hat, Wedemeyer weiß es nicht auf Anhieb. Es seien schon einige gewesen.

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Ständige Betreuung erfahren im Rödertal derzeit rund 50 Menschen. Dazu kommen hin und wieder „Quarantänefälle“, so der Vereinschef. Diese Menschen seien besonders dankbar, das hat der 53-Jährige schon häufiger erlebt. Weil sie froh seien, dass man ihnen in ihrer misslichen Lage Alltagsdinge abnehme.

Neulich habe er wieder so einen emotional-anrührenden Moment erfahren. Die Frau eines Rentners, der auf den Rollstuhl angewiesen sei, habe, als er den Einkauf vor der Türe abgestellt habe, sich mit Tränen in den Augen bei ihm bedankt.

„Das berührt einen sehr“, sagt Wedemeyer. Für ihn ist das auch ein deutliches Zeichen, dass die Hilfe des Vereines wertgeschätzt werde. Hilfe, die er als „eine Art Nachbarschaftshilfe“ bezeichnet. Im Übrigen sucht der Verein weitere Ehrenamtler. Vor allem Fachkräfte, die sich um Steuererklärungen kümmerten oder Elektriker. Denn das ist ihm klar: Das Helfen wird noch eine lange Weile weitergehen. Corona ist so schnell nicht aus der Welt, wenn überhaupt.

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