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Was treiben Sportvereine im Lockdown?

Wegen der Einschränkungen sorgen sich Sportler im Kreis Bautzen um die Zukunft. Um die Vereinsarbeit zu sichern, haben sie verschiedene Strategien entwickelt.

Der Kunstrasenplatz des SV Gnaschwitz-Doberschau bekommt einen neuen Zaun. Vereinsvorsitzender Jens Steinbeck (r.) und Bürgermeister Alexander Fischer sehen das auch als Zeichen, dass es nach dem Lockdown mit dem Vereinssport weitergeht.
Der Kunstrasenplatz des SV Gnaschwitz-Doberschau bekommt einen neuen Zaun. Vereinsvorsitzender Jens Steinbeck (r.) und Bürgermeister Alexander Fischer sehen das auch als Zeichen, dass es nach dem Lockdown mit dem Vereinssport weitergeht. © SZ/Uwe Soeder

Doberschau. Der Kunstrasenplatz des Sportvereins Gnaschwitz-Doberschau liegt im Winterschlaf. Die Kabinen im Sportlerheim wirken verlassen. Da Gemeinschaftssport per Schutzverordnung verboten ist, werden sie nicht genutzt - genau wie die Turnhalle in Schlungwitz. Kein schöner Zustand für die Sportler: "Wir alle vermissen das Gemeinschaftliche", sagt Vereinsvorsitzender Jens Steinbeck. Dass trotz Lockdown etwas vorangehen muss, darin ist sich der Vorstand einig - und holte mit Bürgermeister Alexander Fischer (CDU) einen Verbündeten ins Boot. Der sagt: "Wir bleiben trotz Stillstand nicht stehen."

Deshalb wird bald umgebaut: Für rund 57.000 Euro soll der wertvolle Kunstrasenplatz, der im Herbst 2018 eingeweiht wurde, einen neuen Schutzzaun erhalten. Auch weitere Parkplätze sollen entstehen. Nutzen können die nicht nur Vereinsmitglieder und Gäste, sondern auch die Patienten von Dr. Antje Thomas, die in einem Privathaus gegenüber ihre Landarztpraxis betreibt. Gefördert wird die Maßnahme durch das Leader-Programm, aus dem 80 Prozent der Gesamtsumme für das Projekt fließen. Den Eigenanteil von etwa 11.500 Euro übernimmt die Gemeinde als Zuschuss für den Verein. Und weil noch Geld übrig war, sind sogar zwei kleine Neubauten möglich, die künftig als Lager- und Verkaufsräume dienen.

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So schnell wie möglich wollen die Sportler dafür selbst mit Hand anlegen: Eine kleine Holzhütte muss für das Bauvorhaben weichen. Den Abriss wollen die Vereinsmitglieder selbst stemmen: "Sobald das Wetter es zulässt, wollen wir den Abriss corona-konform organisieren - etwa, indem wir Zweier-Teams oder Familien für den Arbeitseinsatz einteilen", sagt Steinbeck.

Auf einen neuen Zaun, einen neuen Ballfang und ein Lager können sich auch die Sportler in Gaußig freuen, wo ein weiterer Sportverein in der Gemeinde ansässig ist. Investiert werden sollen hier aus Mitteln des Leader-Programms und der Gemeinde reichlich 34.000 Euro.

Auch andere Sportvereine in der Region bemühen sich, trotz Trainingsverbots den Kontakt zu ihren Mitgliedern zu halten. Viele Fußballvereine nutzen dafür digitale Kanäle, weiß Gojko Sinde, Geschäftsführer des Westlausitzer Fußballverbandes: "Viele Trainer nehmen zu Hause in der Wohnstube Videos auf und schicken sie an ihre Mannschaften." Denn nicht nur individuelle Fitness, auch fußballerische Technik könne allein trainiert werden. "Dafür eignen sich vor allem Ballgewöhnungsübungen oder Tricks, bei denen der Ball in alle Richtungen bewegt werden muss," erklärt Sinde.

Mannschaftstraining per Videoschalte

Digital trainieren derzeit auch die Handballer aus Sohland. Während die männliche Jugend tägliche Aufgaben für das Solo-Training bekommt, trainieren die Herren einmal wöchentlich per Videokonferenz, berichtet Vereinsvorsitzender Klaus Böhme: "Trainer Peter Westerbeek hat dafür die Mannschaft in zwei Gruppen geteilt. So hat er die Möglichkeit, die Trainingsausführung von zu Hause aus zu kontrollieren."

An echten Gemeinschaftssport kommen am ehesten noch die Läufer des Bautzener Leichtathletikvereins heran. Normalerweise treffen sich jeden Mittwoch zwischen sechs und zwölf Personen für Gruppenläufe, berichtet Vereinsmitglied Wolfgang Strosny. Stattdessen würden sie sich jetzt privat in Zweiergruppen zum Training mit Abstand im Freien verabreden, denn: "Das ist ja immer noch erlaubt. Und alleine fehlen oft Motivation und Anreiz", so Strosny.

Sorge vor Mitgliederschwund ist groß

Besonders Motivationsverlust bei den Mitgliedern fürchten die angefragten Vereine nach der langen Zeit der Einschränkungen: "Die Sorge vor Mitgliederverlust ist riesig", hat Gojko Sinde von verschiedenen Vereinsvertretern erfahren. In etlichen Vereinen seien jetzt die Jahresbeiträge fällig - viele Familien zögerten derzeit jedoch mit der Überweisung.

Darüber hinaus sei fraglich, ob nach der Lockerung der Beschränkungen noch alle Ehrenamtler zur Ausführung ihrer Tätigkeit bereit seien. Außerdem sei im Kinder- und Jugendbereich die Gefahr groß, dass mit den ersten Austritten ein Domino-Effekt entstehe. Sindes Hoffnung: "Vereine sind so gute Orte für Sport in Gemeinschaft. Man kann nur hoffen, dass die Mitglieder nach all den Jahren, in denen so viel geleistet wurde, ihren Vereinen die Treue halten."

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