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Corona zeigt uns die Grenzen

In Freital stirbt eine 90-jährige mit dem Coronavirus infizierte Frau. Der Landrat erlässt eine neue Allgemeinverfügung.

Die Grenze nach Tschechien ist zwar noch offen, doch die Gaststätten bleiben wegen der Corona-Situation geschlossen.
Die Grenze nach Tschechien ist zwar noch offen, doch die Gaststätten bleiben wegen der Corona-Situation geschlossen. © Egbert Kamprath

Der Nebel zieht einsam über den Erzgebirgskamm. Die Bierwerbung hängt traurig an der Fassade, das Schnitzel steht nur noch an der Tafel. Zu haben ist in den Restaurants in Cinovec direkt hinter dem Grenzübergang Zinnwald nichts mehr. Lockdown in Tschechien. Tankstelle und Travel free haben zwar noch geöffnet, auch ein paar vietnamesische Händler bieten ihre Waren noch an, doch Kunden finden sie kaum. Nur wenige Autos mit deutschen Kennzeichen sind zu sehen.

Viele verzichten angesichts der Corona-Lage diesseits und jenseits der Grenze auf Einkaufsfahrten. Der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge meldet in seinem täglichen Bulletin mit 323 Infizierten einen neuen Höchstwert und eine weitere Verstorbene, die nachweislich mit dem Coronavirus infiziert gewesen ist. „Dabei handelt es sich um eine Frau, 90 Jahre alt. Diese war Bewohnerin einer Freitaler Pflegeeinrichtung“, teilt das Landratsamt mit.

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In der Tat sind einige Freitaler Pflegeheime zurzeit sehr stark betroffen. Das ist zum einen die Seniorenpflege Solarpark von Ina Feist mit den Häusern „Sonnengarten“ und „Sonnenblick“. Dort sind von den etwa 150 Bewohnern 69 positiv auf das Virus getestet worden, zudem 36 Mitarbeiter. Nach Aussage von Betreiberin Ina Feist seien darunter aber auch viele ohne Symptome oder mit leichten Verläufen.

Ähnlich ist es im Heim „Jochhöh“ der Sozialen Dienste Pesterwitz GmbH. Dort sind von etwa 80 Bewohnern 34 betroffen, ebenso wie zehn Mitarbeiter. Das Altenpflegeheim Freital „Bodelschwingh“ der Diakonie hat unter den circa 250 Bewohnern jetzt sechs positiv Getestete und vier Mitarbeiter, die sich angesteckt haben. Hier stehen allerdings die Ergebnisse der Tests vom Mittwoch noch aus.

„Die allgemeine Entwicklung sehen wir mit großer Sorge“, schreibt Landrat Michael Geisler dazu auf seiner Facebookseite. Die Nachverfolgung der Kontaktpersonen verursache aufgrund der Vielzahl an Fällen einen sehr hohen zeitlichen und personellen Aufwand, so Geisler weiter. Deshalb sei es wichtig, dass „die Bundeswehrsoldaten nun eingearbeitet sind und unsere Teams verstärken.“ Ab Montag sollen 30 weitere Mitarbeiter und Helfer in der Recherche arbeiten, teilt der Landrat mit. „Das Bürgertelefon werden wir weiter personell aufstocken. Wir müssen um Verständnis bitten, dass trotz dieser Maßnahmen ein längerer Verbleib in der telefonischen Warteschleife eintreten kann.“ Zudem hat der Landrat eine neue Allgemeinverfügung erlassen, die ab Sonnabend für die Sächsische Schweiz und das Osterzgebirge gilt. Überraschend kommt das dieses Mal nicht. Die Formulierungen stammen aus der Corona-Schutzverordnung, die der Freistaat bereits am Donnerstag bekannt gegeben hatte. Der wohl entscheidendste Einschnitt dabei: Private Feiern dürfen nur noch mit zehn Personen stattfinden. Wichtig dabei ist aber: Für dieses Wochenende gilt noch eine Ausnahmeregelung mit bis zu 50 Personen.

Allgemeine Besuchsverbote für Pflegeheime und Krankenhäuser sind in der Verfügung nicht verankert. Doch viele Einrichtungen wie die Helios-Kliniken in Pirna und Freital haben bereits selber gehandelt und ein Besuchsverbot erlassen. Die zwei stark betroffenen Freitaler Heime sind ebenfalls abgeriegelt.

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