SZ + Freital
Merken

Landkreis SOE: Zahl der Covid-Patienten steigt

Die Krankenhäuser bereiten sich erneut auf Umstellungen im Klinik-Betrieb ein. In Freital würde man sich auch mal über einen Besuch von Jan Josef Liefers freuen.

Von Gunnar Klehm
 5 Min.
Teilen
Folgen
Jens Stoppok ist Pflegedirektor der Helios Weißeritztal-Klinik in Freital.
Jens Stoppok ist Pflegedirektor der Helios Weißeritztal-Klinik in Freital. © Egbert Kamprath

Erwartungsgemäß steigt im Herbst die Zahl der Virusinfektionen, das gilt auch für den Coronavirus. Die vom Robert-Koch-Institut veröffentlichten aktuellen Infektionszahlen für den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge befinden sich wieder auf dem Niveau der zweiten Corona-Welle aus dem Frühjahr dieses Jahres.

Mit etwas Verzögerung dazu ist inzwischen auch die Zahl der Covid-Patienten, die stationär in einem Krankenhaus im Landkreis behandelt werden, in den letzten Tagen angestiegen. Die Helios-Kliniken in Pirna, Freital und Dippoldiswalde meldeten am Donnerstag, 21. Oktober, 28 Covid-Patienten auf Normalstationen sowie weitere vier auf Intensivstationen. Bei den schwer Erkrankten handelt es sich fast ausschließlich um nicht Geimpfte. Insgesamt werden in den Kliniken im Landkreis nach Angaben des Zentrums für Medizinische Informatik an der TU Dresden 61 positiv auf SARS-CoV-2 getestete Personen stationär behandelt.

Sächsische.de sprach mit dem Pflegedirektor der Helios Weißeritztal-Kliniken, Jens Stoppok, welche Auswirkungen das auf den Klinik-Betrieb hat und warum das nicht nur für Pflegekräfte und Ärzte eine erhöhte Belastung darstellt.

Herr Stoppok, sind Covid-Erkrankte inzwischen zur Routine geworden und wie hat der Coronavirus den Klinik-Alltag verändert?

Das hat den Klinik-Betrieb komplett verändert, vom Empfang über die Küche bis hin zur Intensivstation. Inzwischen haben wir gelernt, mit der Erkrankung umzugehen. Die Kliniken haben feste Sicherheitskriterien, damit Patienten wie Beschäftigte den größtmöglichen Schutz haben. Seit März 2020 wird jeder Patient bei der Aufnahme getestet und es gibt eine Einstufung nach Risiko-Kriterien. Trotz allem müssen wir aber auch akzeptieren, dass Covid 19 eine ganz andere Dynamik haben kann, als alle anderen Infektionskrankheiten.

Was meinen Sie damit?

Der Krankheitsverlauf geht manchmal so schnell, dass man früh noch mit einem Patienten spricht und abends kann es schon aussichtslos sein. Damit umzugehen, macht Covid für Angehörige und auch fürs Personal so schwierig.

In den Krankenhäusern in Freital und Dippoldiswalde wurden seit Beginn der Pandemie etwas mehr als eintausend positiv getestete Patienten stationär behandelt. 182 davon sind gestorben. Gab es jemals so eine große Belastung für das Personal?

In der Größenordnung gab es das noch nicht, auch nicht zur verheerenden Grippewelle 2018/19. Das ist eine körperliche und psychische Belastung. Wegen der Isolation ist das in den extremen Fällen auch eine Sterbebegleitung. Das ist enorm, was von den Kolleginnen und Kollegen geleistet wird. Man darf auch die psychische Belastung nicht vergessen, möglicherweise die eigene Gesundheit zu gefährden. Man sieht ja genau, was Covid anrichten kann.

Gibt es jetzt mehr psychologische Angebote als früher?

Die Psychologen der eigenen Klinik stehen jederzeit zur Verfügung. Wir versuchen, viel miteinander zu sprechen. Das muss allerdings in den einzelnen Teamstrukturen passieren. Als Klinik klären wir ständig über aktuelle Entwicklungen auf. Da geht es nicht nur um Infektionszahlen sondern beispielsweise auch um Erkenntnisse zur dritten, der sogenannten Booster-Impfung. Yoga zur Entspannung wird angeboten. Fahrrad-Leasing gab es zwar vorher auch schon, aber das wird jetzt verstärkt genutzt. Was meist auch vergessen wird: Es sind ja alle Beschäftigten betroffen, nicht nur Pflegekräfte und Ärztinnen und Ärzte. Das geht an der Rezeption los, wo das Personal Besuchern viel mehr erklären und alles als Erste abfangen muss. Die Küche muss den Standard verändern und etwa Essen-Transporte anders zusammenstellen. Auch Physiotherapeuten gehen in Schutzkleidung mit zu Covid-Patienten und helfen beim Umbetten. Die Reinigung muss anders erfolgen. Selbst in der Verwaltung gibt es mehr zu tun. Wenn eine neue Isolierstation eingerichtet werden muss, müssen beispielsweise Evakuierungspläne angepasst werden. Umverlegungen werden organisiert.

Wie gehen Sie persönlich mit der Belastung um?

Ich gehe viel wandern, nehme mir bewusst Auszeiten mit der Familie und plane gescheiten Urlaub, der Erholung verspricht.

Nachdem es im Sommer keinen einzigen Covid-Patienten gab, ging das im September in den Helios Weißeritztal-Kliniken wieder los. Jetzt sind es in Freital und Dippoldiswalde 17. Reichen die Isolierstationen aus?

Das ist noch nicht unsere Kapazitätsgrenze. Dennoch mussten wir schon einen Patienten nach Dresden verlegen. Seit Frühjahr 2020 tagt bei uns wöchentlich ein Krisenstab. Wir haben jetzt die Vorbereitungen getroffen, eine zweite Isolierstation einzurichten. Ob das tatsächlich nötig wird, muss sich noch zeigen. Die anderen Patienten sind ja trotzdem da. Das sind logistische Herausforderungen für alle.

Wie kommt diese Belastung bei Ihnen in der Klinikleitung an?

Also meine Bürotür ist mit Ausnahme von Personalgesprächen immer offen. Das ist auch nicht nur eine Floskel, sondern wird bei uns als eher kleine Klinik von allen so gelebt. Irgendwann sieht man eine Überlastungsreaktion auch an einer erhöhten Krank-Rate beim Personal.

In der aktuell anlaufenden Welle sind die Intensivpatienten in Freital alle ungeimpft gewesen. Kommt da nicht Frust auf bei Ihren Beschäftigten?

Der Impfstatus spielt für die Behandlung keine Rolle. Rauchende Lungenkranke oder extrem Übergewichtige darf man ja genauso wenig verurteilen. Darüber haben wir nicht zu richten oder das zu bewerten. Das ist die Freiheit, wo jeder selbst entscheidet. Ich persönlich und meine Familie sind gegen den Coronavirus geimpft. Das rate ich auch jedem.

Es gibt immer wieder Kampagnen wie etwa #allesdichtmachen, die kritisieren, dass der Staat zu viel Druck macht auf Ungeimpfte. Öffentlichkeitswirksam machte da auch Schauspieler Jan Josef Liefers mit. Nun war er auf einer Intensivstation und wirkt etwas geläutert. Würden Sie ihn auch mal nach Freital einladen?

Herr Liefers oder jemand anderes können auch gern mal bei uns als Hospitant vorbeikommen. Im Vergleich zur Größe unseres Hauses hat kaum ein anderes Krankenhaus so viele Covid-Patienten behandelt. Wenn diese Leistung mehr Aufmerksamkeit bekommt, dann wäre das doch gut. Bei Corona wird mir im allgemeinen Tenor sowieso viel zu viel über Zahlen gesprochen. Hinter jeder steht aber auch ein Schicksal. Jeder Tote hat auch Angehörige. Deshalb kann ich nur an alle appellieren: Lasst Euch impfen!

Impfangebote in Freital

Der Impfbus des DRK kommt am Montag, 1. November, von 10 bis 16 Uhr, an den Oberen Festplatz Burgker Straße in Freital, sowie am 2. und 3. November auf den Parkplatz am Rewe an der Dresdner Straße 250, ebenfalls von 10 bis 16 Uhr;

Alle impfberechtigten Personen ab 12 Jahren können sich dort kostenfrei und ohne Termin gegen den Coronavirus impfen lassen. Für Jugendliche unter 18 Jahre ist die Begleitung eines oder einer Erziehungsberechtigten notwendig. An allen Terminen sollte nach Möglichkeit der Impfausweis, die Krankenversicherungskarte und/oder der Ausweis/Reisepass mitgebracht werden.

Impftelefon Weißeritztal-Klinik Freital, Bürgerstraße 7: Über die Nummer 0351-6467395 ist wochentags von 9 bis 14 Uhr eine Terminvereinbarung möglich.

1 / 3