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Die lange Bremsspur der Corona-Pandemie

Die Inzidenz steigt wieder, die Kliniken sind entlastet, die Heime keine Hotspots mehr, aber fast täglich noch Tote: Im Kreis Görlitz bleibt die Lage unsicher.

In den Altenheimen im Kreis Görlitz hat Corona gewütet.
In den Altenheimen im Kreis Görlitz hat Corona gewütet. © Symbolfoto: dpa

Wieder ein Tag zum Durchatmen in der Corona-Pandemie im Kreis Görlitz.

Nur eine Neuinfektion wurde am Montag dem Kreis-Gesundheitsamt gemeldet, nachdem am Montag vor einer Woche sogar kein neuer Fall übermittelt wurde. Die 7-Tage-Inzidenz verharrt bei 73. Das Robert-Koch-Institut berechnet sie am Morgen mit 72. Doch die Görlitzer Amtsärztin Annegret Schynol warnt vor dem Gesundheitsausschuss des Kreises am Montagnachmittag: "Die Pandemie ist noch längst nicht überwunden".

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Tatsächlich sind zuletzt die Zahlen wieder gestiegen, die Inzidenz im Kreis Görlitz liegt so hoch wie zuletzt Mitte Februar. Wie passt das andererseits zusammen mit der Erwartung von weiteren Lockerungen an das Treffen von Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin am Mittwoch?

Um die Situation im Landkreis umfassend einschätzen zu können, reichen die Inzidenzangaben nicht mehr aus. Wie im gesamten Land rücken nun auch andere Daten wieder in den Vordergrund: die Auslastung der Kliniken, die Covidpatienten auf den Intensivstationen, das Hotspot-Geschehen, die Mutationen. Auch da ergibt sich ein sehr differenziertes Bild im Kreis.

Mutationen: Britische Variante selten bislang

Bislang wurde bei 18 Einwohnern die britische Variante des Coronavirus nachgewiesen, bei fünf ist sie noch aktuell. Wie schon Ministerpräsident Michael Kretschmer erklärte, tritt sie vergleichsweise selten bislang im Kreis auf. Das sagte auch Amtsärztin Annegret Schynol. Im Nachbarlandkreis Bautzen ist das schon nicht mehr der Fall. Dort finden an diesem Dienstag freiwillige Tests in Radeberg und Umgebung statt, wo am Wochenende zahlreiche Mutationen festgestellt oder vermutet wurden. Der Kreis Bautzen warnte daraufhin bereits davor, dass die Inzidenz über die 100 steigen könnte und damit auch wieder zusätzliche Auflagen wie nächtliche Ausgangssperre oder sogar Schließungen von Kitas und Schulen möglich seien, wenn die Inzidenz fünf oder mehr Tage so hoch liege.

Im Landkreis Görlitz sind derzeit 151 Personen mit einem positiven Corona-Test in Quarantäne zu Hause.

Kliniken: So wenige Patienten wie Anfang November

Auf den Stationen der Kliniken im Kreis liegen noch 61 Covid-19-Patienten. Zuletzt waren am 2. November weniger Patienten zu behandeln, damals waren es 56.

Von den 61 Patienten benötigen neun eine intensivmedizinische Betreuung, vier werden beatmet. Auch das sind so wenige wie zuletzt am 2. November, als acht Menschen auf den Intensivstationen lagen. Auf dem Höhepunkt der Pandemie im Dezember lagen 280 Patienten in den Krankenhäusern und 31 Patienten auf den Intensivstationen. Die Krankenhäuser gehen wieder zum Regelbetrieb über, die Lage hat sich in den Kliniken deutlich entspannt.

Allerdings: Zur Wahrheit gehört auch, dass bis Ende Dezember 40 schwerkranke Patienten verlegt werden mussten, teilweise bis nach Schleswig-Holstein. Eine riesige Belastung, wie Sozialbeigeordnete Martina Weber, vor den Kreisräten einschätzte.

Pflegeheime: Keins steht mehr komplett unter Quarantäne

Auch in den Pflegeheimen ist die Lage noch eine ganz andere als vor vier oder acht Wochen. In drei Heimen stehen noch einzelne Wohngruppen unter Quarantäne, weil Corona-Fälle aufgetreten sind. Aber kein Altenheim steht komplett unter Quarantäne. Seit Oktober sind 1.300 Heimbewohner positiv auf das Coronavirus getestet worden - das ist jeder Dritte in den Heimen. Auch 470 Mitarbeiter in den Heimen infizierten sich mit dem Virus. Über 70 Heime waren von einem Corona-Ausbruch betroffen.

Gestorben sind mindestens 250 Heimbewohner und ein Mitarbeiter. Allerdings sind diese Zahlen des Kreises vorläufig und auf die Zeit begrenzt, wo der Todesfall während der Quarantäne eintrat. Starb der Heimbewohner kurz darauf, dann ist er nicht unter den 250 gezählt. Es dürften also deutlich mehr sein.

Das führt nun dazu, dass einzelne Altenheime einen Leerstand von teilweise zehn bis 15 Prozent zu verzeichnen haben. Ja, dass Mitarbeiter sogar in Kurzarbeit geschickt wurden.

Impfungen: Am 10. März letzter Ersttermin in einem Heim

Seit November ist massiv dafür gearbeitet worden, um das Risiko für eine Ansteckung in den Altenheimen zu minimieren. Dazu zählt vor allem die Testpflicht für Mitarbeiter, Dienstleister wie Physiotherapeuten und Besucher. Der überaus große Teil halte sich daran, erklärte Sozialplaner Matthias Reuter vom Landkreis und brach auch eine Lanze für die Altenheim-Betreiber. Nach Reuters Ansicht sei es ein "Ding der Unmöglichkeit", dass den Heimen Bußgelder drohen, wenn sie die Testpflicht nicht minutiös durchsetzen. Ein Heimleiter hätte ihm gesagt, es sei unglaublich, wie schnell sie von Pflegehelden zu Buhmännern geworden seien.

Mehr Sicherheit in den Altenheimen bringt vor allem aber die Impfung. Am 10. März, so erklärte Reuter, sei der letzte Termin für eine Erstimpfung in einem Altenheim im Landkreis Görlitz. Der Kreis sei da spät dran. Reuter führte das auf die vielen Corona-Ausbrüche und Quarantäne-Festlegungen zurück, die Impfteams gehen aber erst in Heime, wenn keine Quarantäne mehr besteht. Bislang haben 17.000 Menschen im Landkreis eine Impfung erhalten, davon 2.650 bereits zum zweiten Mal. Wie viele darunter über 80 Jahre alt oder Mitarbeiter in Pflegeberufen sind, kann der Kreis derzeit nicht sagen.

Wenn die Heime durchgeimpft sind, gehen die mobilen Impfteams in die Behinderteneinrichtungen. Mit dem Rothenburger Martinshof und dem Großhennersdorfer Katharinenhof sowie den zahlreichen Behindertenheimen hat auch hier der Landkreis besonders viele.

Tote: Die Gesamtzahl steigt täglich weiter - auf jetzt 944

Trotz all dieser Bemühungen, gehen weiter jeden Tag Nachmeldungen von Todesfällen beim Kreis-Gesundheitsamt ein. Am Montag vermeldete die Behörde acht weitere Todesfälle, die teilweise bis zum 17. Dezember zurückreichen. Es handelt sich um sechs Frauen und zwei Männer im Alter von 59 bis 92 Jahren. Sie stammen aus Oderwitz (3), Seifhennersdorf (2) und Görlitz, Löbau sowie Schleife (je 1). Damit erhöht sich die Gesamtzahl der Verstorbenen im Landkreis Görlitz auf 944.

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