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"Alle Weihnachtsfeiern sind abgesagt"

Die Dresdner Gastronomen sind durch den zweiten Lockdown hart gebeutelt. Auch die Aussichten für Dezember sind düster. Gutscheine sollen helfen.

"Bei uns sind alle Weihnachtsfeiern abgesagt worden", sagt Stefan Flügge, der den "Trompeter" auf der Bautzner Landstraße in Dresden gemeinsam mit Alexandra Göllner betreibt.
"Bei uns sind alle Weihnachtsfeiern abgesagt worden", sagt Stefan Flügge, der den "Trompeter" auf der Bautzner Landstraße in Dresden gemeinsam mit Alexandra Göllner betreibt. © René Meinig

Dresden. Eigentlich ist der Dezember einer der Monate für die Dresdner Gastronomen. Viele Firmen laden ihre Mitarbeiter zur Weihnachtsfeier in ein Restaurant ein, zu den Feiertagen gehen viele Familien gerne essen. Doch in Coronazeiten müssen die Wirte viele Absagen verkraften.

Im Dresdner Traditionslokal Trompeter auf der Bautzner Landstraße kennt man das Problem. "Bei uns sind alle Weihnachtsfeiern abgesagt worden", so Stefan Flügge, der das Lokal gemeinsam mit Alexandra Göllner betreibt. Auch die Reservierungen für den Monat und bis in den Januar und Februar hinein sehen mau aus, sagen die beiden. Normalerweise hätten sie im Dezember pro Wochenende zwei bis drei größere Firmenevents. Noch nicht mitgerechnet seien kleine Feiern von etwa Zahnarztpraxen.

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"Bei uns sind Weihnachtsfeiern aufgrund unserer Lage und der Größe unserer Räume das Hauptgeschäft im November und Dezember", sagt Benjamin Hamm, Leiter des Wenzel auf der Königstraße. "Da feiern mal kleinere Firmen, aber oft auch 50 bis 60 Personen oder bis zu 120 Personen. Die fallen dieses Jahr alle weg. Für uns heißt das, dass wir 80 Prozent unseres Umsatzes auf jeden Fall einbüßen, egal, ob wir ab Punkt X wieder öffnen dürfen." Das sei auch für das ganze Team demotivierend, denn diese Zeit habe allen immer Spaß gemacht.

"Gutscheine verlagern das Problem nur"

Auch Luisenhof-Wirt Carsten Rühle blickt mit Sorgenfalten auf der Stirn Richtung Advent. "Coronabedingt wurden alle größeren Firmenweihnachtsfeiern im Luisenhof storniert. Sollten wir im Dezember wieder öffnen dürfen, haben wir noch einige Reservierungen von Privatleuten vorgemerkt. Geblieben sind uns im Vergleich zum Vorjahr aber höchstens 60 Prozent der Reservierungen."

Nur an den Weihnachtsfeiertagen und zu Silvester sei sein Restaurant theoretisch wieder ausgebucht und es gibt noch eine Warteliste." Auch deshalb hoffen wir sehr, dass wir im Dezember wieder Gäste empfangen können, auch wenn aktuell nicht auszuschließen ist, dass der Lockdown in der Gastronomie über den November hinaus verlängert wird", sagt er.

Auch wenn er aktuell geschlossen habe und im Restaurant keinen Umsatz machen könne, halte er nichts davon, jetzt vermehrt Gutscheine zu verkaufen. "Das verlagert das Problem nur auf einen späteren Zeitpunkt. Uns im Luisenhof hilft es mehr, wenn die Gäste unser Gänse-Taxi nutzen", so Rühle. Den Lieferservice für die Martinsgans bietet das Lokal bis einschließlich 23. Dezember an.

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Gastrogutscheine statt Weihnachtsfeiern

Die Gastronomen-Initiative "Leere Stühle" dagegen glaubt anders als Rühle an die Gutscheine als Hilfe. "Wir möchten mit einer Weihnachts-Gutscheinaktion Unternehmen animieren, das geplante Weihnachtsgeld der Firmen in Gastronomiegutscheine für Mitarbeiter und Kunden zu wandeln", so Kathleen Parma, Mitgründerin der Initiative. So könne das aktuelle To-Go-Geschäft befördert und der Neustart nach dem Lockdown ohne Vorleistungen unterstützt werden.

Der zweite Lockdown sei für viele Restaurants, Kneipen, Cafés und Bars existenzbedrohend. Die Initiative "Leere Stühle" will ihnen helfen, den Winter zu überstehen. "Mit dem Kauf der Wertgutscheine durch Unternehmen kommt das geplante Weihnachtsfeierbudget für die Mitarbeiter da an, wo es ankommen sollte – in der Gastronomie", so Parma.

Coronabedingt werden in diesem Jahr in öffentlichen Einrichtungen kaum Weihnachtsfeiern stattfinden. Ute Stöhr, Inhaberin des Restaurants zum Schießhaus: "Aktuell sind bei uns alle Weihnachtsfeiern abgesagt. Auch das To-Go-Geschäft kann dies nicht kompensieren. So sind die Gutscheine eine schöne Geste der Unternehmen und eine gute Idee für den Neustart."

Und so funktioniert es: Über die Internet-Plattform gutscheine.leere-stuehle.de ermöglicht die Initiative den Kauf von Gutscheinen für die urige Eckkneipe, das stilvolle Sterne-Lokal, das romantische Café, eine Übernachtung im Lieblingshotel oder den Besuch der nächsten Veranstaltung. Das Unternehmen bekommt die Gutscheine bequem per Post. Der Beschenkte kann nun selbst entscheiden, wo er später seinen Gutschein im Wert von 20 oder 40 Euro einlöst. Gültig sind die Gutscheine drei Jahre lang.

Transparenz-Hinweis: Die DDV Mediengruppe stellt die Gutschein-Plattform und die Abwicklung kostenlos zur Verfügung.

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