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Was, wenn der Dresdner Striezelmarkt ausfällt?

Nicht nur für Veranstalter, Händler und Besucher ist der Striezelmarkt wichtig. Was ein Aus für Gastronomen, Hoteliers und die Dresdner Innenstadt bedeuten würde.

Starker Wirtschaftsfaktor: Der Dresdner Striezelmarkt ist für Händler, Hoteliers, Dresdner und Touristen nur schwer zu ersetzen.
Starker Wirtschaftsfaktor: Der Dresdner Striezelmarkt ist für Händler, Hoteliers, Dresdner und Touristen nur schwer zu ersetzen. © Robert Michael (Archiv)

Dresden. Nürnberg hat sich am Montag entschieden: Der Christkindlesmarkt fällt aus. Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) geht einen anderen Weg.  Er will am Striezelmarkt festhalten, hat für die Absicherung der Hygienemaßnahmen 600.000 Euro bereitstellen lassen. Der beliebte Markt soll auf einem weit auseinandergezogenen Areal stattfinden, auf dem die Gastronomiebereiche abgegrenzt sind, damit dort kontrolliert werden kann, dass sich nur eine bestimmte Personenzahl aufhält. 

Für Hotelchef Thomas Gaier ist das der richtige Weg. "Es gibt ein Hygienekonzept, die Menschen können sich auf dem Striezelmarkt unter freiem Himmel sicher fühlen", sagt Gaier, der das Hotel Schloss Eckberg führt und Vorsitzender der Dresdner Hotel Allianz ist. "Ich wünsche mir, dass der Markt stattfindet. Denn dann hätte Dresden auch ein Alleinstellungsmerkmal, nachdem Nürnberg abgesagt hat. Immerhin sind die beiden Weihnachtsmärkte die beliebtesten in Deutschland." Gaier weiß aus Gesprächen mit seinen Gästen, dass der Wunsch nach Reisen zwar unterdrückt wurde, aber ungebrochen ist. "Ich bin sicher, dass viele Touristen nach Dresden kommen würden."

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Hotels leiden unter Unsicherheit

Hotelchef Gaier: "Wir haben kaum Buchungen für die Adventszeit."
Hotelchef Gaier: "Wir haben kaum Buchungen für die Adventszeit." © Sven Ellger

Bisher sind jedoch weder bei ihm noch den anderen Hotels die Zimmer gefüllt. Statt 40 bis 60 Prozent  Auslastung, die in den vergangene Jahren im November erzielt wurden, liege sie derzeit bei rund 20 Prozent. "Und das Schlimmste: Wir haben kaum Buchungen für die Adventszeit", sagt Gaier. Dabei ist das eine der besten Zeiten für die Dresdner Hotellerie, in denen zuletzt überdurchschnittliche Preise erzielt wurden. 

"Der Striezelmarkt hat in Dresden die Bedeutung wie das Oktoberfest in München, ein Ausfall würde uns essentiell treffen", sagt Gaier und zählt weitere Berufe und Bereiche auf, die unter ausbleibenden Gäste leiden würden. Darunter Taxifahrer, Stadtführer, Museen und Veranstalter. "Mich ärgert es, dass die SPD am Montag gefordert hat, die Weihnachtsmärkte abzusagen", sagt der Hotelchef. "Dafür wurde lange an einem umsetzbaren Hygienekonzept gearbeitet, das auch angesichts steigender Zahlen funktionieren würde.  Es ist gibt keinen Nachweis, dass sich jemand bei Freiluftveranstaltungen  angesteckt hat. " Hinzu komme, dass auch die Hotels alle ein speziell auf sie zugeschnittenes Hygienekonzept haben, was bisher gut funktioniert habe. 

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Angst hat Gaier vor einem Lockdown light, wie er in einige Medien bereits kursiert. "Das würde bedeuten, dass wir unser Restaurant schließen müssten. Wie soll ich die Gäste dann beherbergen, wenn die nirgendwo etwas essen könnten? Dann kommt doch keiner", schätzt er ein. Das könne sich betriebswirtschaftlich keiner leisten, die Frage der Schließung würde im Raum stehen. "Und dann reden wir nicht nur über Dezember, sondern bis März."  

Gastronomie hat viele Absagen

Ähnlich dramatisch schätzt Gastronom Olaf Kranz die Situation ein. "Der Striezelmarkt ist ein Riesenbaustein für unsere Branche. Fällt der weg, brechen uns enorme Umsätze weg, denn viele Besucher kehren vor oder nach dem Besuch des Weihnachtsmarktes in Gatsstätten ein", sagt der Geschäftsführer der Palastecke und des Schmidt's in Hellerau. Dabei hätte Dresden angesichts der abgesagten Weihnachtsmärkte in Chemnitz oder Nürnberg gerade jetzt die Chance, mehr Tagestouristen in die Stadt zu bekommen. Diese würde alle Restaurants dringend brauchen. "Wir erleben gerade eine Stornierungswelle von Feiern mit zehn bis 15 Personen, die typischen Büroweihnachtsfeiern, wir brauchen den Striezelmarkt", sagt Kranz. 

Auch vor der Palastecke am Kulturpalast sollen aufgrund des ausgeweiteten Marktes  Fahrgeschäfte stehen, Kranz wollte dort aus einer Hütte heraus verkaufen. Der Aufbau sollte am 3. November beginnen. "Mal sehen, ob es dazu kommt. Wir hangeln uns von Tag zu Tag." Wenn nicht, zählen für ihn  vor allem betriebswirtschaftliche Überlegungen. Dann könne er nicht einfach aufmachen, nur um Präsenz zu zeigen. "Wenn nur rote Zahlen stehen, geht das nicht. Dann muss der Laden zubleiben", sagt Kranz und ist glaubt, dass die Gastronomie bestraft werde. "Wir haben ein Hygienekonzept, geschulte Mitarbeiter und betreiben großen Aufwand. Das ist kontrollierbar. Und trotzdem werden wir weiter reglementiert", sagt er.   

Weniger Einkäufe bei Händlern

In einem normalen Jahr werden mit dem Striezelmarkt 48 Millionen Euro Umsatz erzielt, so eine Studie der IHK Dresden. Einige Branchen, wie Erzgebirgische Volkskunst, sind auf Märkte dieser Art mit dem winterlichen Flair angewiesen, um ihre Produkte verkaufen zu können. "Viele von denen haben Existenzangst, wenn die Weihnachtsmärkte ausfallen", sagt Holger Zastrow, der den Augustusmarkt auf der Hauptstraße betreibt. 

Ähnliche Rückmeldungen von Händlern hat auch Frank Schröder erhalten, er veranstaltet den Markt auf der Prager Straße. "Das sind oft ganz kleine Betriebe, die ausschließlich für das Weihnachtsgeschäft produzieren.  Das funktioniert eben nicht über das Internet, sondern solche Dinge kauft man in der passenden Stimmung auf dem Markt", sagt Schröder. Oberbürgermeister Dirk Hilbert sprach auf einer Pressekonferenz kürzlich sogar von zigtausenden Existenzen, die von einem Ausfall der Weihnachtsmärkte der Region betroffen wären.

Ist die Weihnachtszeit ohnehin schon die umsatzstärkste Zeit für den Einzelhandel, haben auch die Innenstadthändler in den vergangenen Jahren zusätzlich von den Striezelmarkt-Gästen profitiert.  Genau Zahlen kann Citymanagerin Friederike Wachtel nicht nennen, weil die Umsätze auch sehr branchenabhängig waren. "Aber die Angst bei allen Händlern ist groß, dass  der Striezelmarkt nicht kommt und mit ihm Kunden ausbleiben", sagt sie. Auch zwei verkaufsoffene Sonntage im Dezember hängen daran.

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Rund 30.000 Mitarbeiter sind in Dresden in der Gastronomie und in Hotels beschäftigt, dazu kommen weitere Teilzeitkräfte. Sie alle müssten bei erneuten Corona-Einschränkungen eventuell wieder in Kurzarbeit gehen oder würden ihre Jobs vielleicht sogar ganz verlieren. In der Folge ist weniger Geld in den Familien vorhanden. "Dann wird nicht mehr viel übrig sein, um sich Wünsche zu erfüllen", weiß auch Hotelchef Thomas Gaier.  Auch das habe Auswirkungen auf die Kaufkraft in Dresden. Grundsätzlich seien weitere Insolvenzen nicht auszuschließen. 

Weihnachtliche Emotionen nicht mehr gemeinsam erleben

Nicht in Zahlen zu fassen ist der psychologische Aspekt, wenn der Striezelmarkt und die anderen Dresdner Weihnachtsmärkte nicht stattfinden würden. Gerade in einer Zeit, in der es zeitig dunkel wird, seien Begegnungen mit anderen Menschen in schöner Atmosphäre wichtig, sagen Psychotherapeuten. Menschen als soziale Wesen bräuchten Kontakte.  "Die können wir doch im Freien mit einem guten Hygienekonzept am besten gewährleisten", glauben die Veranstalter Zastrow und Schröder.

Das Bedürfnis, gerade in der Adventszeit etwas anderes als das tägliche Einerlei Zuhause zu erleben, sei angesichts der eingeschränkten Reisemöglichkeit besonders groß.  Für Citymanagerin Wachtel ist klar, dass dies nur funktionieren kann, wenn sich alle an die geltenden Abstands- und Hygieneregeln halten. "Ich habe großen Respekt davor, dass Oberbürgermeister Dirk Hilbert bis jetzt alles versucht, dass der Striezelmarkt stattfinden kann." 

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Bis jetzt steht die Stadt dazu, den Stiezelmarkt am 23. November zu eröffnen. "Wir beobachten und bewerten die Entwicklung bei Corona. Deshalb stimmen wir uns in unserem Haus zwischen den verantwortlichen Fachämtern und Geschäftsbereichen noch zum Thema Striezelmarkt ab", sagt Stadtsprecher Karl Schuricht. Ein Zeitplan, bis wann es doch noch eine Absage angesichts steigender Zahlen von Corona-Infizierten geben könnte, existiere nicht. "Wenn wir endgültig entscheiden, informieren wir dazu", sagt Schuricht.

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