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Das besondere Jahr der besten Kombiniererin

Weltmeisterin, Deutsche Meisterin, Weltcup – Jenny Nowak aus Cunewalde hatte 2020 ihr bestes Karrierejahr. Dafür geht die Wintersportlerin gern länger zur Schule.

Nach dem Skispringen und dem Fünf-Kilometer-Langlauf hat Jenny Nowak es geschafft: Sie ist Junioren-Weltmeisterin in der Nordischen Kombination.
Nach dem Skispringen und dem Fünf-Kilometer-Langlauf hat Jenny Nowak es geschafft: Sie ist Junioren-Weltmeisterin in der Nordischen Kombination. © Archivfoto: dpa/Hendrik Schmidt

Cunewalde/Klingenthal. Dieses Jahr war außergewöhnlich. Für Jenny Nowak aus Cunewalde hat dies aber weniger mit Corona zu tun. 2020 war sportlich gesehen das erfolgreichste Jahr der Nordischen Kombiniererin: Sie holte im Januar bei den Olympischen Jugend-Spielen in Prémanon Bronze, im März bei der Junioren-WM in Oberwiesenthal Gold und wurde im Oktober erste deutsche Meisterin in der Kombination ­überhaupt. „Ja, ich muss zugegeben. Dieses Jahr war schon ein sehr besonderes für mich“, sagt die 18-Jährige.

Jenny Nowak ist dabei eine Pionierin in ihrem Sport. Denn bislang war die Nordische Kombination auf höchstem Wettkampfniveau nur den Männern vorbehalten. Zwar dürfen Frauen an internationalen Langlauf-Wettbewerben teilnehmen, auch dürfen sie von der Schanze springen. Doch beide Sportarten in einem Wettbewerb - also die Nordische Kombination - durften sie bis zu diesem Winter nicht betreiben. Es gab keine Weltmeisterschaft, keinen Weltcup. Bei Olympia dürfen sie frühestens 2026 starten.

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Daran hat sich nun einiges geändert. Im Februar 2021 starten sie erstmals bei der Ski-WM, und auch die erste Weltcup-Saison läuft seit Dezember. Jenny Nowak gehört dort zum erweiterten Spitzenkreis. Im Continentalcup, bisher die höchste Klasse bei den Kombinierer-Frauen, belegte sie als beste Deutsche Rang elf. „Meine Trainer sagen immer, dass ich zu den Saisonhöhepunkten meine beste Leistung zeige“, erzählt sie.

Olympiasieger Eric Frenzel lobt die junge Sportlerin

Das war auch im März 2020 so. Bei ihrem Heim-Weltmeistertitel in Oberwiesenthal schockte die damals 17-Jährige die Konkurrenz mit einem Sprung auf 98 Meter. Das war beim Langlaufstart ein umgerechneter Vorsprung von 26 Sekunden auf die erste Verfolgerin. Jenny Nowak ließ beim Fünf-Kilometer-Lauf in der Loipe nichts anbrennen und rannte die Konkurrenz in Grund und Boden. Im Ziel hatte sie mehr als 45 Sekunden Vorsprung. „Bei der Heim-WM zu gewinnen war natürlich sehr emotional für mich“, erinnert sich die Cunewalderin.

Noch bewegender wurde es dann bei der Siegerehrung. Vorbild Eric Frenzel überreichte ihr die Sieger-Blumenstrauß und hatte noch ein dickes Lob übrig. „Ich bin begeistert. Bei einer Heim-Junioren-WM, bei der sie auch noch WM-Botschafterin ist, dem Druck standzuhalten und zu gewinnen. Das zeugt von großer Klasse“, sagte der dreifache Olympiasieger damals.

Bei den Junioren-Weltmeisterschaften in Oberwiesenthal Anfang März traf Jenny Nowak ihr großes Vorbild, Dreifach-Olympiasieger Eric Frenzel. Er ist der erfolgreichste deutsche Wintersportler aller Zeiten.
Bei den Junioren-Weltmeisterschaften in Oberwiesenthal Anfang März traf Jenny Nowak ihr großes Vorbild, Dreifach-Olympiasieger Eric Frenzel. Er ist der erfolgreichste deutsche Wintersportler aller Zeiten. © Archivfoto: dpa/Hendrik Schmidt

Mit insgesamt sieben WM-Titeln und fünf Gesamtweltcupsiegen ist der 32-Jährige der erfolgreichste deutsche Skisportler aller Zeiten. „Seitdem ich klein bin, ist er mein Idol, mein Vorbild. Er kommt wie ich aus Sachsen und dazu ist er so erfolgreich“, schwärmt sie von Deutschlands besten Kombinierer, mit dem sie auch schon gemeinsam trainieren durfte. „Wir sind öfter auch mit der Männer-Nationalmannschaft auf Lehrgängen. Natürlich hole ich mir da Tipps von ihm.“

Wie Eric Frenzel lebt auch Jenny Nowak für ihren Sport. „Mich fasziniert die Kombination von zwei verschiedenen Sportarten, also Skispringen und Langlauf“, sagt die Sportlerin, die für den Skiclub Sohland startet. „Es ist nicht einfach, den perfekten Ausgleich zwischen den beiden Disziplinen zu finden. Das macht die Nordische Kombination so besonders.“

Lernen zu Hause ist ein Vorteil

Als Sechsjährige sei sie das erste Mal von einer Zwölf-Meter-Schanze gesprungen. Eine Kollegin der Mutter brachte sie zum Skiclub Sohland. „Ich wollte eigentlich erst nur Langlauf machen. Doch man fragte mich, ob ich nicht auch einmal springen möchte“, erzählt sie. „Der erste Schanzensprung war wie Achterbahnfahren.“ 2015 wechselte das Talent zum Bundesstützpunkt nach Klingenthal, geht dort auf die Sportschule. „Ich war damals 13 Jahre alt. Es war eine gute Entscheidung. In den letzten Jahren habe ich mich immer mehr auf die Nordische Kombination spezialisiert.“

Aber nicht nur im Sport ist sie erfolgreich, sondern auch auf der Schulbank. 2017 bekam sie die Auszeichnung als „Eliteschülerin des Jahres“. Derzeit besucht sie die 12. Klasse. Ihr Abitur wird sie aber erst in der 13. Klasse machen. „Ich strecke meine Schulzeit. So habe ich keinen Druck und kann mich auch um meinen Sport kümmern“, sagt sie. Lieblingsfächer sind Englisch und selbstverständlich Sport. „Mathe ist jetzt nicht so mein Ding“, antwortet sie auf die Frage, welche Fächer sie nicht mag. „Ich hoffe, meine Mathelehrerin liest diesen Artikel nicht“, fügt sie mit einem Lachen noch hinzu.

Die 18-Jährige Jenny Nowak gehört zu den besten ihrer Sportart. Im Oktober wurde sie die erste Deutsche Meisterin in der Kombination überhaupt – ein Erfolg für die Geschichtsbücher.
Die 18-Jährige Jenny Nowak gehört zu den besten ihrer Sportart. Im Oktober wurde sie die erste Deutsche Meisterin in der Kombination überhaupt – ein Erfolg für die Geschichtsbücher. © dpa/Hendrik Schmidt

Dass sie aufgrund der Corona-Regeln jetzt wieder zu Hause lernen muss, sei für sie kein Problem. Im Gegenteil: „Es kommt mir jetzt entgegen. Im Winter bin ich andauernd zu internationalen Wettkämpfen unterwegs und habe wenig Zeit für die Schule. Letztendlich muss ich sie mir dann aber nehmen, sonst verpasse ich zu viel Stoff“, sagt sie. „Da jetzt sowieso alle Aufgaben online sind, kann ich vieles ohne Probleme nacharbeiten.“ Ohnehin hätten sie die Trainer schon zwei Wochen vor Weltcupbeginn aus der Schule genommen, damit die Gefahr einer Corona-Infektion gesenkt wird.

18. Geburtstag, Führerschein, erstes Auto

Auch das Exklusiv-Interview mit Sächsische.de kann deswegen nur am Telefon stattfinden. „Ich versuche möglichst viele Kontakte zu vermeiden“, sagt Jenny Nowak. Denn für internationale Wettkämpfe muss sie einen negativen Corona-Test vorweisen. „Wir werden regelmäßig getestet und achten auch im Training darauf, möglichst wenig Kontakt zu den Teamkolleginnen zu haben.“

Die junge Sportlerin wirkt im Umgang mit den Medien sehr souverän. Zwar habe sie regelmäßig Medienschulungen, aber sie sei erst im vergangenen Jahr so sicher geworden. Das ist kein Wunder. Nach ihrem Sieg bei der Junioren-Weltmeisterschaft standen die Medienanstalten Schlange – ARD, ZDF, MDR und natürlich auch Sächsische.de. „Manchmal ist mir das schon unangenehm so viele Medienanfragen zu bekommen, aber letztendlich kann ich meine Sportart präsenter machen.“ Besonders die Anfrage des ZDF habe sie gefreut. „Das war natürlich eine Ehre in der Sportreportage vorzukommen“, sagt sie.

Aber nicht nur sportlich war das Jahr 2020 ein Highlight für Jenny Nowak. Im August feierte sie ihren 18. Geburtstag und im Oktober machte sie ihren Führerschein. „Ich war dabei aufgeregter als vor einem Wettkampf. Aber letztendlich hat alles beim ersten Mal gut geklappt.“ Mittlerweile habe sie auch ihr erstes eigenes Auto. „Es war halt ein wirklich besonderes Jahr für mich“, sagt sie wieder.

Die Serie "Mutmacher 2020“

2020 ist mehr als Corona. Auch in diesem Jahr haben Menschen ihr Glück gefunden, Neuland betreten und sich von Rückschlägen nicht unterkriegen lassen. Von ihnen und ihren Ideen berichten wir in unserer Serie: Mutmacher 2020: Sechs optimistische Geschichten zum Jahresende.

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