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Jahresrückblick: Es war nicht alles schlecht

Lesen Sie, wie unsere Kolumnisten auf das zu Ende gehende Jahr blicken – und was sie davon mit ins neue Jahr nehmen.

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Es war ein verrücktes Jahr, dieses 2020.
Es war ein verrücktes Jahr, dieses 2020. © Arno Burgi/dpa

Was fällt Ihnen zuerst ein, wenn Sie an die letzten zwölf Monate zurückdenken? Die Arbeit im Homeoffice? Der ausgefallene Urlaub? Die leer geräumten Regale? Die Trennung von Familienmitgliedern? Oder gar der Verlust eines Menschen, den Sie gut kannten und mochten? Es war ein verrücktes Jahr, dieses 2020. Ein heimtückisches Virus hat unser Leben durcheinander gebracht, Pläne über den Haufen geworfen und persönliche Enttäuschungen beschert.

Aber war wirklich alles schlecht? Nein, sagen unsere Kolumnisten, die regelmäßig für die Sächsische Zeitung schreiben. Lesen Sie, wie ihr Rückblick auf dieses Jahr aussieht – und was sie davon mit ins neue Jahr nehmen.

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Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Vertrauen Sie auf sich!

Dr. Ilona Bürgel, Diplompsychologin
Dr. Ilona Bürgel, Diplompsychologin © Matthias Rietschel

Ich gehöre zu denen, die plötzlich keine Arbeit mehr hatten. Ich habe mich damit schwergetan. Es fehlte nicht nur Einkommen, sondern auch die Freude aus der Arbeit. Ich fühlte mich enttäuscht und ohnmächtig. Geholfen hat mir zu sehen, wie gut es das Leben trotzdem mit mir meint. Dass meine Familie gesund ist, mein Land mir finanziell hilft und ich ein schönes Lebensumfeld habe. Ich habe immer wieder die Perspektive gewechselt – vom Kummer zur Dankbarkeit. Vor allem habe ich mich gefragt, was ich selbst beeinflussen kann. Das war, wie gut ich mich um mich kümmere. Daraus entstanden ist ein E-Buch: ICH GUT. ALLES GUT.

Denn nur so gut, wie wir mit uns umgehen, können wir mit anderen und mit jeder Lebenssituation umgehen. Wir sorgen mit einem optimistischen oder sorgenvollen Denken für einen entsprechenden Alltag. Wir haben schon so viel in unserem Leben hinbekommen, sind aus Krisen gestärkt hervorgegangen. Jeder hat Veränderungen aller Art gemeistert. Wir sind viel widerstandsfähiger, als wir manchmal glauben. Suchen wir nach guten Erfahrungen, erzählen wir sie weiter und gehen mit einem Lächeln ins neue Jahr.

Das Leben ist Liebe

Christian Thiel, Single- und Paarberater
Christian Thiel, Single- und Paarberater © Christian Juppe

Am Fahrbahnrand stehen zwei zwölfjährige Mädchen und beobachten die Radfahrer. Als sie mich sehen, ruft das größere: „Das Leben ist Liebe – und Positivität!“ Es war der Frühsommer der Pandemie. Die Lockerungen nach dem Lockdown verführten zu Gefühlsausbrüchen. Wie einfach es doch mit der Liebe ist! Sie ist die entscheidende Größe im menschlichen Leben. Zwölfjährige Mädchen ahnen das bereits.

Wie einfach es doch ist, die Liebe in ihrem Kern zu beschreiben. Sie besteht aus Positivität. Füreinander da sein, anerkennende Worte, helfende Taten, eine Umarmung, weil sie gerade gebraucht wird, und ein tröstendes Wort, weil es noch viel nötiger ist. Das ist Liebe.

Liebe als Positivität zu sehen, das ist eine ausgesprochen moderne und wissenschaftlich valide Sicht. Ganz sicher sind da eine Menge Gefühle mit im Spiel, wenn wir uns binden. Doch aus sich heraus haben Gefühle keinen Bestand. „I don’t trust my inner feelings, inner feelings come and go“, beschreibt der Lyriker und Sänger Leonard Cohen das Phänomen. Was er ahnt, hat die Wissenschaft bestätigt: Gefühle bedürfen der regelmäßigen Bestätigung – durch Positivität.

Charakter gezeigt

Prof. Lorenz Hofbauer, Internist
Prof. Lorenz Hofbauer, Internist © Robert Michael

Es heißt, in der Krise zeige sich der wahre Charakter. Das möchte ich bestätigen. Mich hat beeindruckt, wie viele Menschen über sich hinausgewachsen sind: beispielsweise in der Kranken- und Altenpflege und im Einzelhandel. Und wie Eltern den belastenden Spagat aus Arbeit und Kinderbetreuung gemeistert haben. Aber: In der Ausnahmesituation produzierten sich auch Profilneurotiker, Narzissten und Krisengewinner. Und geistige Falschabbieger und Quertreiber versuchen noch immer, den Erfolg der vernünftigen Mehrheit zu gefährden.

Letztlich fokussierte der Verlust lieb gewonnener Ablenkungen den Blick auf uns selbst und die Familie. In vielen Gesprächen habe ich gespürt, dass der familiäre Zusammenhalt stärker war als früher und mehr miteinander geredet wurde. Man besinnt sich aufs Wesentliche. Auch gemeinsam zu akzeptieren, dass man nicht genau weiß, wie es weitergeht und man aus dieser Einsicht heraus das Leben gestalten muss, gibt Kraft und schweißt zusammen. Man trägt die Situation gemeinsam. Der Vorsatz für 2021 kommt von den Rappern Deine Freunde: „Am Ende gehören wir zusammen und spielen für denselben Verein“.

Balsam für die Seele

Carola Nahnsen, Stil- und Imageberaterin
Carola Nahnsen, Stil- und Imageberaterin © Markus Küttmann

Das Jahr 2020 hat die Steilvorlage für Jogginghosen und Co. geliefert. Trotzdem oder gerade deswegen, weil auch bei mir immer wieder die Nerven blank lagen, habe ich mich ganz bewusst für mich schick gemacht. Haben Sie es schon ausprobiert? Ein schönes Outfit ist Balsam für die Seele.

Ich wurde dieses Jahr auch erfinderisch und habe damit begonnen, jeden Sonntag um 19 Uhr live auf Instagram eine kostenlose, offene Styling-Sprechstunde anzubieten. Daraus hat sich dann die Idee der digitalen „21 Tage Kleiderschrank-Challenge“ entwickelt. 21 Tage lang bekommt man jeden Tag eine Videobotschaft, um wieder mit Freude in den Kleiderschrank zu greifen – inklusive einer Schritt- für-Schritt-Anleitung „Das Date mit dem Schrank.“ Dafür bin ich sehr dankbar – ohne Corona wäre dies nicht so schnell passiert.

Mein Ziel ist es, dass jeder seinen Schrank mit einem Lächeln öffnet, da er nur Dinge bereithält, die einem ein tolles Gefühl geben und auch zur jetzigen Figur passen – ohne Kompromisse. Wenn Sie es noch nicht getan haben, verabschieden Sie sich bitte endgültig von den zu engen Ziel- und Hoffnungshosen!

So fern, so nah

Manuela Müller ist Redakteurin im Vogtland. Ihr Sohn ist 12, die Tochter 10 Jahre alt. Haus und Garten teilen die Müllers mit Dackel und Hühnern.
Manuela Müller ist Redakteurin im Vogtland. Ihr Sohn ist 12, die Tochter 10 Jahre alt. Haus und Garten teilen die Müllers mit Dackel und Hühnern. © Sven Ellger

Die letzte Schulstunde dieses Jahres. Meine Tochter sitzt im Wohnzimmer, auf dem Tisch vor ihr stehen unser Laptop und ein Räucherhäuschen. Das Häuschen räuchert, während der Bildschirm ihre Lehrerin und die Kinder aus ihrer Klasse zeigt. Ihre Gesichter sind gepixelt, weil die Datenleitung schlecht ist. Ein Durcheinander aus Stimmen und Lachen. Die Kinder versuchen, digital miteinander Weihnachten zu feiern. Ein Junge spielt Tuba, „Morgen kommt der Weihnachtsmann“. Sie singen, und sie zeigen sich ihre Katzen, ja endlich können sie ihren Mitschülern ihre Katzen zeigen. Dieser Moment rührt mich so stark, dass ich heulen könnte. Er schreit hinaus, wie sehr sich die Kinder nacheinander sehnen und wie sehr sie den Schulalltag vermissen. Das Jahr hat uns einander nähergebracht, indem es uns zwingt, auf körperliche Nähe zu verzichten. Keine Datenleitung dieser Welt kann physische Nähe ersetzen.

Die Weihnachtsfeier: Solche Momente würde ich gerne in Tüten füllen und auspacken in Zeiten, in denen wir wieder einfach so drauflosleben und die wesentlichen Dinge aus dem Blick verlieren.

Endlich wiedersehen

Silvio Nitzsche, Weinsommelier
Silvio Nitzsche, Weinsommelier © Thomas Kretschel

Das Jahr 2020 hat mir gezeigt, wie wichtig wir Menschen füreinander sind. Wie sehr wir uns brauchen. Wie sehr wir uns vermissen, wenn wir uns nicht sehen können oder dürfen und wie man sich in seinen Wertigkeiten runterrechnen kann und damit zumeist nicht Güter, sondern nur in Werten misst. Meine ganz persönliche Weihnachtsgeschichte wurde inmitten unserer kleinen Weinbar geschrieben. Unsere Küchenhilfe, eine herzensgute Seele, erhielt nach sieben Jahren die Erlaubnis, seine Eltern, Geschwister und Freunde in seiner Heimat Kurdistan zu besuchen. Nachdem er ein Drittel seines Lebens seine Herzensmenschen im Irak vermissen musste, durfte er sie in die Arme schließen. Sein größter Wunsch ging damit in Erfüllung. Diese leuchtenden Augen, die Aufregung, dass doch noch etwas schiefgehen könnte, beschreibt seine unglaubliche Vorfreude auf das Wiedersehen. Nach sieben langen Jahren.

Schon beim Schreiben stehen mir wieder die Tränen in den Augen. Gerade in diesem Jahr ist das ein wenig nachvollziehbarer, in welchem wir vernunftstragend einige Wochen oder Monate auf uns nahe stehende Menschen verzichten mussten.

Spielen bis zum Umfallen

Eva-Maria Hommel, Autorin
Eva-Maria Hommel, Autorin © Matthias Rietschel

Jede Mutter denkt, sie hätte die besten Kinder der Welt. Aber bei mir stimmt es! Nicht etwa, dass die drei immer aufräumen. Aber sie können etwas, was in diesem Jahr mit seinen Einschränkungen besonders wichtig war: spielen.

Ein Rückblick: Der Mittlere bastelt Posaunen und Trompeten aus Büroklammern. Mit diesem Blasorchester sind auch die Nachbarn einverstanden. Aus Lego entstehen eine türkische Nutella-Maschine und eine Warum-Kirche. Die Große baut ein Krankenhaus, das sich in einen Spielplatz verwandelt.

Wer weiß, ob wir ohne Corona das alles erlebt hätten. Dann hätte auch der Parkplatz am Schwimmbad nicht leer gestanden – und wo hätten meine Kinder dann ihr Lagerfeuer aufgeschichtet? Die Flammen waren natürlich nur ausgedacht.

Für die „häusliche Lernzeit“ im neuen Jahr hat meine Tochter schon ihren Stundenplan geschrieben: Montag Kissenschlacht, Dienstag spielen, Mittwoch malen, Donnerstag backen, Freitag basteln. Also: Lernen macht Spaß. Bestimmt auch im Jahr 2021.

Luxusort Garten

Stefan Michalk, Hobbygärtner
Stefan Michalk, Hobbygärtner © Steffen Unger

Beim Blick zurück auf das vergangene Jahr fällt mir auf, dass ich noch nie so oft in meinem Garten gewesen bin wie in 2020. War doch der eigene Schrebergarten viele Wochen einer der wenigen Rückzugsorte, an denen man sich problemlos aufhalten konnte, um nicht in der Wohnung bleiben zu müssen.

Das war schon fast luxuriös! Ich habe den Garten rege genutzt und meine Aktivitäten in die Parzelle 94 verlagert. Ich kam auf andere Gedanken und konnte mich ausführlich dem Gärtnern widmen. Zeit für Liegengebliebenes war auf einmal da. Neue Ideen sind entstanden. Zu den Gartennachbarn war dabei immer mehr als genügend Abstand, auch beim Schwätzchen über den Gartenzaun. Ganz nebenbei ist leckeres Gemüse gewachsen!

Jeder, der einen eigenen Garten besitzt, war in diesem Jahr klar im Vorteil. Es zeichnet sich endlich ab, das sich die Lage in 2021 normalisiert. Die Welt wird eine andere sein, doch im Garten werden wieder die Blumen blühen. Versprochen. Kommen Sie gut ins neue Jahr!

Enger zusammenrücken

Prof. Veit Rößner, Kinderpsychiater
Prof. Veit Rößner, Kinderpsychiater © Matthias Rietschel

Kaum Dienstreisen, weniger Abstimmungsrunden und dennoch mehr Zusammenarbeit? 2020 hat viele meiner Mitarbeiter und mich enger zusammenrücken und sich auf das Wesentliche konzentrieren lassen. Dies hat auch dazu geführt, dass wir die Versorgung für unsere kleinen und größeren Patienten trotz der schwierigen Bedingungen aufrechterhalten konnten.

Dies war umso wichtiger, als andere „Versorger“ von Kindern und Jugendlichen sich stärker und länger aus den Kontakten mit Kindern und Jugendlichen zurückgezogen haben. Mit etwas Traurigkeit habe ich vermehrt zu hören bekommen: „Dafür ist durch Corona jetzt erst recht kein Geld da …“

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Trotzdem bin ich überzeugt, dass im Jahr 2021 für die dringend notwendigen Verbesserungen der Versorgung unserer Patienten das vielleicht weniger verfügbare Geld entsprechend priorisiert wird. Zusammen mit unseren Ansprech- und Kooperationspartner (Danke auch an dieser Stelle!) werden wir hier auf jeden Fall etwas erreichen!

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