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Fahrzeugelektrik ist wieder voll unter Strom

Nach einer Corona-Flaute läuft das Geschäft bei Pirnas Automobilzulieferer wieder bestens. Das ist eine gute Basis für den neuen Geschäftsführer.

FEP-Geschäftsführer Evelyn Duarte Martinez (l.) und Guido Glinski an der Maschine für die Hochvolt-Stecker: Produkte für die Elektromobilität sind derzeit sehr gefragt.
FEP-Geschäftsführer Evelyn Duarte Martinez (l.) und Guido Glinski an der Maschine für die Hochvolt-Stecker: Produkte für die Elektromobilität sind derzeit sehr gefragt. © Steffen Unger

Stillstand kennt die Fahrzeugelektrik Pirna (FEP) für gewöhnlich nicht. Bei Pirnas größtem Industrie-Arbeitgeber – 450 Mitarbeiter, Produktion über eine Milliarde Teile im Jahr, reichlich 100 Millionen Euro Jahresumsatz – laufen die Maschinen üblicherweise ununterbrochen, sieben Tage, 24 Stunden.

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Doch dann kam im Frühjahr 2020 die Corona-Pandemie mit Wucht, beinahe die gesamte Weltwirtschaft fuhr herunter. Damit lag auch die Automobilbranche weitgehend brach. Für die FEP, die weltweit große Fahrzeughersteller mit Kunststoffspritzgussteilen beliefert, gab es auf einmal kaum noch etwas zuzuliefern.

Harte Einschnitte gingen damit einher, im März 2020 schickte das Unternehmen einen Großteil der Mitarbeiter in Kurzarbeit. Das half zunächst, die Belegschaft zu halten und die Liquidität zu sichern. An langfristige Prognosen, ob und wie es weitergeht, wagte sich lange niemand. Das Werk fuhr auf Sicht, plante zunächst von Monat zu Monat, zu ungewiss war die Situation.

Wieder 100 Millionen Euro Umsatz angepeilt

Inzwischen aber steht fest: den vorsichtigen Pessimismus hätte es nicht gebraucht. In nur wenigen Monaten wandelte sich der pandemiebedingte Produktionsrückgang in einen neuen Aufschwung.

Die Kurzarbeit ist schon seit Dezember Geschichte. Seit dieser Zeit gibt es auch wieder einen großen Produktionsanlauf. Die Auftragslage bewegt sich jetzt schon weit über das zweite Quartal 2021 hinaus auf jenem Niveau wie vor der Corona-Krise.

Im zurückliegenden Jahr verzeichnete die FEP einen Umsatzeinbruch von 20 Prozent, für dieses Jahr peilt das Unternehmen wieder die üblichen 100 Millionen Euro an. "Wenn nichts Außergewöhnliches passiert", sagt Geschäftsführerin Evelyn Duarte Martinez, "dann schaffen wir das auch".

Neuer Chef aus Westfalen mit neuen Visionen

Das ist keine schlechte Ausgangslage für den neuen Mann an ihrer Seite, dienstlich, versteht sich. Guido Glinski ist jetzt neuer Geschäftsführer der FEP. Der gebürtige Westfale, verheiratet, drei Kinder, löste zum 1. Februar den vormaligen Vorsitzenden der Geschäftsführung, Peter Weber, ab.

Glinski, ausgebildeter Kaufmann und studierter Kunststoffingenieur, hat das Geschäft von der Pike auf gelernt. "Mein ganzes Berufsleben hat sich bisher in der Automobilbranche abgespielt", sagt er. Einen Großteil davon verbrachte er in Mexiko, für einen fränkischen Zulieferer baute er in Nordamerika einen Betrieb auf. 2011 kehrte er zurück nach Deutschland, um im Raum Bautzen einen Autoteilezuliefer-Betrieb zu leiten.

Für seinen neuen Job bringt Glinski viele Visionen mit, er sieht aber das Pirnaer Unternehmen angesichts der großen Produktpalette schon jetzt gut gerüstet für die Zukunft.

Aufschwung für die FEP dank Elektromobilität

Es sind vor allem die neueren Teile, die zum Aufschwung beitragen. Neue Autos kommen auf den Markt, vor allem viele Modelle mit Elektroantrieb. "Produkte für die Elektromobilität sind derzeit stark gefragt", sagt Glinski.

Die FEP hat schon seit Jahren darauf hingearbeitet, Teile für diese neue Antriebsform zu entwickeln. So stellt das Unternehmen sogenannte Vorsicherungsboxen her – Kunststoffkästen, in denen später die Sicherungen sitzen, die die Batterie absichern. Auch produziert das Werk orangefarbene Stecker, eine Kombination aus Kunststoff, Metall und Gummidichtung. Sie werden im Hochvolt-Bereich in Elektromotoren verbaut.

Ein Problem gibt es derzeit allerdings noch. Die Corona-Pandemie hat wichtige, vor allem internationale Lieferketten unterbrochen, manche Rohstoffe sind noch immer schwer zu haben. Daher hat jetzt bei der FEP Priorität: alles wieder hochfahren, Lieferketten stabilisieren, Einkaufspreise sichern. "Gelingt uns das, sind wir für die Zukunft gut aufgestellt", sagt Glinski.

Pirnaer Unternehmen sucht neue Mitarbeiter

Der neue Aufschwung wirkt sich auch auf die Belegschaft aus. Derzeit beschäftigt die FEP reichlich 450 Mitarbeiter, Tendenz steigend. Wegen der guten Auftragslage hat sich das Unternehmen zeitweise mit Zeitarbeitern verstärkt. "Wir wollen aber die Zeitarbeitsverträge ablösen und durch feste Neueinstellungen ersetzen", sagt FEP-Personalchef Daniel Rabe.

Gesucht werden derzeit hauptsächlich Mitarbeiter für die Produktion, vor allem Maschinen- und Anlagenbediener. Benötigt werden aber auch Ingenieure für die Entwicklungsabteilung.

Darüber hinaus will die Firma aber auch eigenen Nachwuchs rekrutieren. Derzeit gibt es 27 Azubis im Werk, mit Luft nach oben, in guten Jahren waren es bis zu 40 Lehrlinge. "Allerdings wird es immer schwieriger, geeignete Bewerber zu finden", sagt Rabe. Zudem bietet die FEP auch duale Studiengänge an, vor allem in den Fachrichtungen Informatik und Wirtschaftsinformatik.

FEP will Nordamerika-Geschäft ausbauen

Für den neuen Aufschwung sorgt aber auch noch etwas anderes. Die FEP gehört zur US-amerikanischen Amphenol Corporation – einer der weltweit größten Hersteller von Steckverbindungen – und hat damit einen starken Konzern im Hintergrund.

Zudem läuft das Auslandgeschäft gut. Die FEP betreibt zwei Werke in China, an denen die Corona-Krise weitgehend vorbeiging. Die beiden Standorte produzieren schon lange wieder auf Vor-Corona-Niveau.

Eine große Herausforderung in dieser Hinsicht liegt aber noch vor Glinski. Er will das Nordamerika-Geschäft ausbauen. Die FEP betreibt auch ein Werk im mexikanischen Monterrey, nahe der Grenze zu den USA, strategisch günstig gelegen. "Einer unserer Schwerpunkte liegt darauf, dort die Produktion zu erweitern", sagt Glinski.

Weil die Corona-Krise gezeigt habe, wie fragil und anfällig globale Lieferketten sein können, lassen jetzt viele Auftraggeber ihre zugekauften Teile lokal herstellen, nahe ihrer eigenen Produktionsstätten. Auf diesem Weg, sagt der neue FEP-Geschäftsführer, müsse man den Kunden folgen. Von Mexiko aus eröffnen sich damit für die FEP enorme Wachstumschancen auf dem gesamten nordamerikanischen Automobilmarkt. "Letztendlich hilft uns das Wachstum im Ausland auch dabei", sagt Glinski, "Arbeitsplätze in Pirna zu sichern."

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