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Feuerzauber-Aus mit Humor

Das Groß-Event am Freitag in Neugersdorf fällt coronabedingt aus. Die Absage kommt mit einer witzigen Idee. Die Händler laden trotzdem zum Bummeln ein.

Der Nieskyer Cartoonist "Kümmel" will auch in Corona-Zeiten nicht den Humor verlieren. Jetzt hat er die Wappentiere von Ebersbach-Neugersdorf der aktuellen Lage angepasst.
Der Nieskyer Cartoonist "Kümmel" will auch in Corona-Zeiten nicht den Humor verlieren. Jetzt hat er die Wappentiere von Ebersbach-Neugersdorf der aktuellen Lage angepasst. © André Schulze

Nein, zum Lachen ist das alles wirklich nicht mehr. Die Pandemie hat das Land im Griff, täglich werden neue Infektionszahlen gemeldet. Jegliche Veranstaltungen sind abgesagt, Weihnachtsmärkte auch, Treffen soll man sich nur noch mit engen Familienmitgliedern und möglichst wenig aus dem Haus gehen. "Aber, wenn wir jetzt auch noch das Lachen verlernen - das geht gar nicht. Lachen ist ja auch gut für die Gesundheit." Das sagt "Kümmel", Künstler aus Niesky. Mit Komik kennt der Mann sich aus, er ist Cartoon-Zeichner. 

Und als solcher hat er jetzt auch die Absage des Feuerzaubers in Neugersdorf aufgegriffen und die dazugehörigen Maskottchen auf humorvolle Weise der aktuellen Situation angepasst. Kranich und Eber - die Wappentiere von Neugersdorf und Ebersbach - tragen jetzt Mundschutz. Die Zusammenarbeit mit dem Gewerbeverein Oberland, der den Feuerzauber normalerweise organisiert, kam im vorigen Jahr zustande, erzählt "Kümmel". Der Cartoon-Künstler zeichnet oft auch live auf Veranstaltungen. Auch in Neugersdorf war er schon zu Gast, da wurde der Gewerbeverein auf ihn aufmerksam. "Man hat mich angesprochen, ob ich ein Motiv von den Maskottchen entwerfen könnte." Dann kam Corona dazwischen - und kurzum modifizierte der Zeichner das Motiv. "Niemand will sich über die Situation lustig machen", betont Kümmel. "Aber den Humor dürfen wir nicht verlieren." 

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Das Logo mit den "maskierten" Wappentieren nutzte der Gewerbeverein nun für die Absage der Großveranstaltung auf seiner Facebook-Seite. "Corona ist nicht das Ende, wir beginnen einfach von vorn", steht da als Motto unter dem witzigen Bild mit Kranich und Eber. Die Idee: Wir besinnen uns zurück auf den Feuerzauber, wie er in den ersten Jahren stattgefunden hat - eben als gemütlicher, langer Einkaufsabend.

Feuerzauber wir im ersten Jahr

Wie alle Großveranstaltungen abgesagt: der Feuerzauber in Neugersdorf - hier ein Foto aus dem Vorjahr.
Wie alle Großveranstaltungen abgesagt: der Feuerzauber in Neugersdorf - hier ein Foto aus dem Vorjahr. © Archivfoto: Rafael Sampedro

Die Feuerzauber-Absage kam schon vor etlichen Wochen. Denn schon da war klar: Ohne große Einschränkungen und strenge Auflagen wird es den nicht gehen. Großveranstaltungen sind generell bis Jahresende verboten. Und als Großveranstaltung kann man den Neugersdorfer Feuerzauber getrost bezeichnen. Tausende flanieren jedes Jahr an einem Freitagabend Mitte November über die extra für die Veranstaltung abgesperrte Hauptstraße. Solche Bilder wird es in diesem Jahr nicht geben

"Dann wird es eben so wie im ersten Jahr", sagt Anke Kothe. "Wir werden schön dekorieren und Kerzen vor die Tür stellen." Frau Kothe führt den Haushaltswarenladen an der Hauptstraße in Neugersdorf. Ihre Mutter Monika Schmidt, von der sie auch den Laden übernommen hat, hatte den Feuerzauber einst aus der Taufe gehoben. Sie hatte auf Reisen in anderen Städten solche Einkaufsabende im Feuerschein erlebt und brachte die Idee mit nach Hause. Viele Händlerkollegen machten mit und so startete 2007 ein erster Versuch von "Neugersdorf im Feuerzauber". Sie öffneten ihre Läden bis in den Abend, stellten Kerzen raus und luden zum Bummeln vor dem großen Adventsstress ein. Daraus wurde später ein Riesen-Event, ein Straßenfest mit Buden, Karussells und Kulturprogramm, das sich durch die ganze Stadt zog.

Der Nieskyer Cartoon-Künstler "Kümmel" hat die Maskottchen Kranich und Eber der aktuellen Lage angepasst.
Der Nieskyer Cartoon-Künstler "Kümmel" hat die Maskottchen Kranich und Eber der aktuellen Lage angepasst. © Kümmel-Cartoon

Komplett auf den abendlichen Einkaufsbummel verzichten, das wollten die Neugersdorfer Händler nun wegen der Pandemie aber nicht. "Der Gewerbeverein hat Plakate drucken lassen, ich habe alle Geschäftsinhaber angeschrieben, ob sie bei einem Einkaufsabend mitmachen", erzählt Anke Kothe. Fast alle an und um die Hauptstraße hätten zugesagt, so Frau Kothe. Das ist problemlos möglich. "Das muss nicht extra angemeldet werden. Jedes Geschäft darf werktags bis 22 Uhr öffnen. Da bedarf es keiner Genehmigung", so Ebersbach-Neugersdorfs Bürgermeisterin Verena Hergenröder (parteilos). Die Stadt ist in diesem Jahr auch nicht mit Straßensperrungen oder sonstigen Ordnungsmaßnahmen beteiligt.

Hoffen auf Neugierige - trotz AHA-Regeln

Wie problemlos das in der Praxis am Freitag klappen wird, wartet Anke Kothe entspannt ab. Sie spürt, dass wegen Maskenpflicht und Abstandsregeln Vielen die Lust zum Einkaufen fehlt. "Nur mal so gucken kommt niemand." Wer in den Laden käme, der suche gezielt etwas. Sie geht aber davon aus, dass doch einige Neugierige am Freitag vorbeischauen werden. "Es ist ja auch sonst nichts weiter los." Allerdings: Zu groß dürfe der Andrang auch nicht werden. "Dann haben wir als Inhaber gleich wieder ein Problem und müssen darauf achten, dass nicht zu viele Leute im Laden sind." Bei vielen Geschäftsinhaber mache sich auch Unsicherheit breit. "Man weiß gar nicht so recht, was man darf und was nicht." 

Jedenfalls hofft die Neugersdorfer Händlerin, dass ein paar mehr Leute in die Läden kommen, als am vergangenen Sonnabend in Zittau. Auch die Zittauer Händler hatten an ihrem traditionellen Bummelsamstag vor dem Advent festgehalten. Der verlängerte Einkaufsnachmittag fand am vergangenen Sonnabend statt. Unter den geltenden AHA-Regeln - Abstand, Hygiene, Alltagsmaske - stieß die Aktion nicht auf so große Begeisterung wie sonst. Nur wenige Kunden kamen in die Zittauer Innenstadt. Auch Anke Kothe hat Zittau besucht, um mal zu schauen, was los ist. "Es war schon sehr wenig los."  

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