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Freizeitsportler in der Zwangspause

Sporthallen und -plätze werden geschlossen, im Amateurbereich gibt es keine Fußballspiele.

Dietmar Rösler muss als Trainer des Fußballvereins TSV Wachau alle seine Motivationskünste aufbringen, um seine Spieler für Cybertraining, Joggingrunden oder heimisches Workout-zu begeistern.
Dietmar Rösler muss als Trainer des Fußballvereins TSV Wachau alle seine Motivationskünste aufbringen, um seine Spieler für Cybertraining, Joggingrunden oder heimisches Workout-zu begeistern. © René Meinig

Radeberg. Die Stimmung beim letzten Training, zu dem fast alle Spieler der ersten Mannschaft gekommen waren, die sei „so gut wie lange nicht mehr gewesen“, sagt Tim Walter. Alle hätten sich „voll reingehangen“, so, als wär es das letzte Mal. Und in der Tat ist ja derzeit völlig offen, wann der Mannschaftskapitän mit seinem Team, dem Kreisoberligisten TSV Wachau, wieder wird trainieren können. Bis Ende November jedenfalls nicht. Denn für diesen Zeitraum gilt der Corona-Teillockdown.

Und wie es danach weitergeht, ist noch völlig offen. So ruht also vom kommenden Montag an der Ball, heißt es für die in Vereinen organisierten Breiten- und Freizeitsportler: no sports. Erlaubt ist dann nur individuelles Training. Beim TSV Wachau schlägt also in den kommenden Wochen wieder die Stunde des großen Motivators. Das ist Trainerlegende Dietmar Rösler. Der 56-Jährige hat bereits im Frühjahr, als der TSV-Sportbetrieb beim ersten Lockdown für mehrere Monate lahmgelegt wurde, alles Mögliche getan, um seine Spieler für Cybertraining, Joggingrunden oder heimisches Workout-zu begeistern. „Wäre toll, wenn wir vielleicht schon im Dezember wieder den Spielbetrieb aufnehmen könnten“, sagt Rösler.

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"Einige hören mit dem Training ganz auf"

Er weiß nur zu gut, wie sich eine solche Zwangspause auf die Fitness seiner Zöglinge auswirkt. „Manche hören mit dem Training ganz auf, andere trainieren nur noch sporadisch.“ Es sei in einer solchen Situation schwierig, die Spieler für den Tag X zu motivieren. Etwas, was Gojko Sinde gut nachempfinden kann. Sinde ist Geschäftsstellenleiter des Westlausitzer Fußball-Verbandes. Seit Tagen steht sein Telefon nicht mehr still. Sinde ist bei den im Verband organisierten 84 Vereinen mit rund 11.500 Fußballern derzeit der gefragteste Mann bei den Vereinsoberen. Alle wollen wissen, ob und wie es nach dem November mit dem Fußball weitergeht. Alles sei derzeit offen, so Sinde, alles hänge von der Entwicklung der Corona-Pandemie ab. Sinde weiß, wie schwer dieser Lockdown für die Klubs zu verkraften ist. Sind die doch mit gut aufgestellten Hygienekonzepten und viel Hoffnung in diese Spielzeit gegangen. Sinde: „Wir befinden uns in einer sehr schwierigen Situation.“

Kreisligist FV Ottendorf-Okrilla ist durch diesen Lockdown ziemlich ausgebremst worden. Das Team von Trainer Marco Haubold hatte bisher einen guten Lauf, steht an der Tabellenspitze. Und nun das. Haubold glaubt nicht daran, dass der Spielbetrieb im Dezember wieder aufgenommen wird. „Halte ich für unwahrscheinlich“, so der Ottendorfer Coach, vielleicht gehe es im nächsten Jahr weiter. Beim Arnsdorfer FV hat man bereits reagiert auf den zum 2. November angekündigten Lockdown. „Der Sportplatz wird dann mit einem Bauzaun abgesperrt“, so Fußballabteilungsleiter Uwe Herklotz. Wie es weitergeht mit dem Spielbetrieb in Arnsdorf? Herklotz zuckt mit den Schultern. „Da kann man nur spekulieren.“

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Beim SV Einheit Radeberg bedauert man ebenfalls, dass die dortigen Freizeitsportler erneut keinen Sport ausüben können. „Wir haben alle Termine abgesagt“, so Geschäftsführer Heinz Geißler, der auch davon spricht, dass ob dieser unsicheren Lage beim ein oder anderen Vereinsmitglied „der Pep raus“ sei. So ein coronabedingtes Sportverbot lasse bei manchem die Lust am Sporteln schwinden. Der rund 80-Mitglieder zählende Verein hat neben einer Altherren-Fußballmannschaft noch eine Frauen-Gymnastikgruppe. Tischtennis und Volleyball kann man dort auch spielen. 

Eine "Katastrophe" für den Vereinssport

Aus Sicht des Landessportbund Sachsen (LSB) ist der geplante Stopp des Breiten- und Freizeitsports für den hiesigen Vereinssport „eine Katastrophe“. Beim LSB weist man darauf hin, dass die Vereine sehr diszipliniert mit Hygienekonzepten gearbeitet haben. Der sächsische Breiten- und Freizeitsport sei nicht als Corona-Hotspot aufgefallen, so LSB-Generalsekretär Christian Dahms, der in diesem Zusammenhang auch darauf hinweist, dass es gerade jetzt im Sinne des gesellschaftlichen Zusammenhalts wichtig sei, Sportangebote aufrechtzuerhalten - besonders für Kinder, Jugendliche und Senioren. Etwas, was Gojko Sinde nur unterstreichen kann. 

Beim Breiten- und Freizeitsport, so der Geschäftsstellenleiter des Westlausitzer Fußball-Verbandes, gehe es ja nicht nur ums Vergnügen. Der Sport habe auch eine gesellschaftliche Funktion, sei wichtig für die Gesundheit, das soziale Miteinander, für die Entwicklung der Heranwachsenden. Und, auch darauf weisen derzeit viele Sportverbände hin, der Sport leistet gerade in Krisen wie dieser Pandemie einen erheblichen Beitrag zum Zusammenhalt. Ein Zusammenhalt, der in dieser trüben Jahreszeit gefährdet ist. Der Wachauer Tim Walter schließt nicht aus, dass in diesen dunklen und trüben Herbsttagen etliche Freizeitsportler ob der fehlenden Bewegung stimmungsmäßig in eine Art „coronalen Novemberblues“ geraten könnten.

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