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Nebenjob: Amtsärztin weist Kritik zurück

Die Arbeit des Bautzener Gesundheitsamtes wird in der Pandemie oft kritisiert. Zugleich soll die Leiterin einen Zweitjob haben - hängt beides zusammen?

Bautzens Amtsärztin Jana Gärtner ist an manchen Wochenenden als Notärztin im Einsatz. Die Nebentätigkeit übe sie mit Herzblut und Leidenschaft aus, sagt sie. Ist aber von beidem noch ausreichend zur Pandemiebekämpfung vorhanden?
Bautzens Amtsärztin Jana Gärtner ist an manchen Wochenenden als Notärztin im Einsatz. Die Nebentätigkeit übe sie mit Herzblut und Leidenschaft aus, sagt sie. Ist aber von beidem noch ausreichend zur Pandemiebekämpfung vorhanden? © Archivfotos: Steffen Unger, LausitzNews.de/Toni Le

Bautzen. Seit über einem Jahr ist das Gesundheitsamt im Ausnahmezustand: Corona-Tests, Quarantäne-Bescheide und die Suche nach Kontaktpersonen fordern die Mitarbeiter auch an Wochenenden und Feiertagen. Zwischenzeitlich war das kleine Amt, in dem in normalen Zeiten rund 60 Personen arbeiten, auf bis zu 280 Mitarbeiter angewachsen. Da lässt die Nachricht aufhorchen, dass die Leiterin, Bautzens Amtsärztin Dr. Jana Gärtner, angeblich einem Nebenjob nachgeht. Und das mitten in der Hochphase der Pandemie-Bekämpfung. Aber stimmt der Vorwurf überhaupt? Sächsische.de ist der Frage nachgegangen.

Zunächst: Ja, es stimmt. Jana Gärtner übt in ihrer Freizeit eine Nebentätigkeit aus. Seit sie im Jahr 2010 ihren Notarztschein erworben hat, leistet die Medizinerin als Notärztin an mehreren Wochenenden im Jahr 24-Stunden-Schichten. Als amtliche Ärztin im Landratsamt ist sie erst seit 2016 beschäftigt, zeigte ihren Nebenjob ihrem Arbeitgeber damals an. Die Behörde prüfte daraufhin, ob die Notarztdienste mit der Tätigkeit als Amtsleiterin vereinbar seien.

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Die klare Antwort von Gärtners Vorgesetztem, Vize-Landrat Udo Witschas (CDU): "Ja. Die dienstlichen Pflichten von Jana Gärtner und das Interesse des Landratsamtes bleiben in diesem Fall gewahrt." Gärtner durfte weiter als Notärztin in den Einsatz gehen. Im Dezember 2019 wurde sie zur Leiterin des Gesundheitsamtes befördert. Zwölf Dienste als Notärztin hatte sie bis dato im Jahr 2019 absolviert - rund einen pro Monat.

Arbeit im Gesundheitsamt hat Vorrang

Mit Blick auf Gärtners neue Funktion prüfte das Landratsamt die Zulässigkeit der Nebentätigkeit erneut. Das Fazit: "Mit Schreiben vom 8. Januar 2020 wurde Frau Dr. Gärtner mitgeteilt, dass davon ausgegangen wird, dass durch die angezeigte Nebentätigkeit dienstliche Interessen grundsätzlich nicht beeinträchtigt werden", heißt es vom Landratsamt. Einzige Einschränkung: Die Häufigkeit der Dienste wurde eingegrenzt - auf eine maximal zulässige Arbeitszeit von 128 Stunden in vier Monaten.

Kurze Zeit später kam die Pandemie und mit ihr eine erhebliche Bedeutungszunahme des Gesundheitsamtes. Seither wurde nicht selten Kritik an dessen Arbeitsweise geübt. Hätte das Landratsamt Jana Gärtner in diesem Fall weitere Notarzt-Einsätze untersagen müssen? "Die Arbeit im Gesundheitsamt - und damit aktuell der Kampf gegen die Corona-Pandemie - hat natürlich absoluten Vorrang", stellt die Landkreisverwaltung klar.

Notärzte sind rar im Landkreis

Untersagt wurde der Amtsleiterin ihre Nebentätigkeit dennoch auch während der Pandemie nicht - aus mehreren Gründen: Das Notarztsystem basiere, anders als etwa der Kassenärztliche Bereitschaftsdienst, auf Freiwilligkeit, heißt es vom Landratsamt. "Es gibt ein regelrechtes Notarzt-Nomadentum. Im Landkreis Bautzen fahren teilweise Ärzte aus München Dienste, weil wir hier nicht ausreichend Freiwillige haben", führt Udo Witschas die Folgen des Mangels aus. Darüber hinaus helfe die praktische Erfahrung von Jana Gärtner auch beim Alltag im Amt. "Es gibt mir Sicherheit, wenn jemand aus eigenem Erleben heraus berichtet und ich weiß, wovon er spricht", so Witschas weiter.

Und natürlich sei es zu guter Letzt nicht so, dass Jana Gärtner die einzige sei, die die Arbeit des Gesundheitsamtes am Wochenende koordinieren könne. "Es ist immer jemand vom Führungsteam anwesend. Das Abstrichteam, das für die Kontaktnachverfolgung und die PCR-Testungen zuständig ist, ist immer mit hinreichend kompetentem Personal besetzt. Am vergangenen Wochenende waren das um die 40 Mitarbeiter." Das Fazit des Vize-Landrates: "Es bedarf für die Funktionsfähigkeit des Gesundheitsamtes nicht der körperlichen Anwesenheit von Frau Dr. Gärtner."

Die Amtsleiterin selbst erklärt, dass sie ihre Tätigkeit als Notärztin voller Herzblut und Leidenschaft ausübe, aber sie natürlich hinter die Erfordernisse der Pandemiebekämpfung zurückgestellt habe: Im ersten Pandemiejahr 2020 habe sie insgesamt nur drei Notarztdienste übernommen, einen im Februar, kurz vor der ersten Corona-Welle; zwei weitere im Juli und September, als die Lage es wieder erlaubte. 2021 hat sie erst einen Dienst im April absolviert.

Nebentätigkeit hilft bei Amtsausübung

Es helfe ihr, betont auch sie, den Kampf gegen die Corona-Pandemie in der Praxis mitzuerleben. "Dadurch weiß ich, wie es ist, sich dieser Verantwortung zu stellen, alleine da zu stehen und angreifbar zu sein. Ich weiß, wie es sich anfühlt, in Vollausrüstung einen Corona-Patienten zu behandeln." All das, fährt sie fort, trage dazu bei, einen ganz anderen Blick auf die Pandemie zu entwickeln. Einen, den der ihr bei ihrer Arbeit als Amtsärztin helfe, besser zu informieren und aufzuklären. Ihr Leitsatz dabei: "Ein Blick ins Buch und zwei nach draußen."

Eine Einstellung, die man offenbar auch im Landratsamt zu schätzen weiß: In seiner Sitzung am 22. März 2021 stimmte der Bautzener Kreistag der Verbeamtung von Jana Gärtner auf Lebenszeit zu. "Das Gesundheitsamt führt unter der Leitung der Amtsärztin seit über einem Jahr hoheitliche Maßnahmen zum Infektionsschutz in überbordendem Maße durch", betont Udo Witschas. Seine Bilanz: "Ich habe weder qualitativ noch quantitativ an der Leitung des Gesundheitsamtes etwas auszusetzen. Jana Gärtner hat sich die Verbeamtung verdient - die Probezeit entsprach dabei den Vorgaben des Beamtengesetzes."

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