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Corona-Ausbrüche in Pflegeheimen

In Görlitz ist das DRK-Heim auf der Reichertstraße stark betroffen, auch der Martinshof in Rothenburg meldet neue Infizierte.

Als die Welt noch in Ordnung war: DRK-Vorstand und damaliger Heimleiter Rüdiger Neumann 2014 im Flur des neu eröffneten Pflegeheimes im Frauenburg-Karree.
Als die Welt noch in Ordnung war: DRK-Vorstand und damaliger Heimleiter Rüdiger Neumann 2014 im Flur des neu eröffneten Pflegeheimes im Frauenburg-Karree. ©  Archivfoto: Nikolai Schmidt

Plötzlich war es da. Am Sonnabend hat das Coronavirus das DRK-Altenpflegeheim in der Görlitzer Reichertstraße erreicht. Hier im Wohnpark Frauenburg-Karree gibt es Betreutes Wohnen und Pflegeheim. "Das Betreute Wohnen ist meines Wissens nach nicht betroffen", sagt DRK-Vorstand Rüdiger Neumann. Das Pflegeheim mit seinen aktuell 36 Bewohnern aber umso mehr. Eine konkrete Zahl möchte Rüdiger Neumann nicht nennen, aber die Anzahl sei "bedeutend" und steige immer weiter, denn weitere Testungen laufen noch.

Das DRK-Altenpflegeheim an der Görlitzer Reichertstraße.
Das DRK-Altenpflegeheim an der Görlitzer Reichertstraße. © Nikolai Schmidt

Symptomlos infizierte Pflegekräfte dürfen arbeiten

Am Sonnabend war ein Bewohner ins Krankenhaus eingeliefert worden, zuerst ergab einer der neuen Schnelltests ein positives Ergebnis, später auch noch der herkömmliche PCR-Test. Daraufhin wurden im Heim Bewohner und Personal getestet. Beim Personal habe es bislang kein positives Testergebnis gegeben. 

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Harnwegsinfektionen können Wohlbefinden und Lebensqualität erheblich einschränken. Frauen sind davon etwa viermal häufiger betroffen als Männer.

Sollte das noch passieren, würde die übliche Verfahrensweise eintreten: Wer positiv, aber symptomlos ist, darf unter eingeschränkter Quarantäne weiter auf Arbeit kommen, wenn es dort personell eng wird. Allerdings nur mit Genehmigung des Gesundheitsamtes. Und: Positiv getestete Mitarbeiter dürfen auch nur infizierte Bewohner betreuen, teilt der Landkreis mit. Für die übrigen Mitarbeiter gilt auch die geteilte Quarantäne: Sie dürfen zur Arbeit und für den direkten Weg zurück nach Hause ihre Wohnung verlassen. Außerhalb der Wohnung und der Arbeitsstelle dürfen die Mitarbeiter sich aber nicht aufhalten. Wer sich nicht daran hält, kann mit einem Bußgeld oder sogar mit Freiheitsstrafe bestraft werden. 

Im DRK-Altenpflegeheim an der Görlitzer Reichertstraße gilt aktuell ein Besuchsverbot.
Im DRK-Altenpflegeheim an der Görlitzer Reichertstraße gilt aktuell ein Besuchsverbot. © Nikolai Schmidt

So hält es der Landkreis seit Pandemie-Beginn, beispielsweise beim großen Ausbruch im Frühjahr im Nieskyer Emmaus-Pflegeheim. Und so wird es aktuell unter anderem in Neusalza-Spremberg gemacht, wo das Pflegezentrum "Am Spreepark" stark betroffen ist - hier betrifft es Bewohner und Pflegepersonal. Eine genaue Zahl wird nicht öffentlich gemacht, auch nicht, ob jemand im Krankenhaus behandelt werden muss. Und es gibt noch andere Heime, die aktuell gegen Corona kämpfen müssen. Nach Angaben aus dem Landratsamt sind aktuell Heime in Boxberg, Herrnhut, Oppach, Großschweidnitz, Zittau und  Bertsdorf-Hörnitz betroffen. Konkret möchte der Landkreis weder die Namen der Einrichtungen noch die Zahlen der dortigen Infizierten nennen.

Auch um die Diakonie St. Martin in Rothenburg hat die Pandemie keinen Bogen gemacht. Doreen Lorenz von der Diakonie bestätigt auf Nachfrage von sächsische.de, dass in der Diakonie St. Martin Einrichtungen der Heilpädagogik und der Altenhilfe von Corona-Infektionen betroffen sind - vorrangig Bewohner sind infiziert. Beide  Einrichtungen stehen unter Quarantäne. Bereits im Frühjahr war die Diakonie mit ihrem  Altenpflegeheim Martin-von-Tours-Haus in Krauschwitz besonders betroffen.

Einzelbetreuung im Zimmer

Im Görlitzer DRK-Pflegeheim sei ein Teil der infizierten Bewohner aktuell im Krankenhaus, ein Teil werde aber im Heim betreut, denn der Gesundheitszustand der Infizierten sei unterschiedlich, so Rüdiger Neumann. Seit dem Ausbruch wurden die Hygienemaßnahmen weiter hoch gefahren. Heißt: Die Bewohner werden in den Zimmern einzeln betreut, gemeinsames Essen oder Tagesprogramm gibt es vorerst nicht. In die Zimmer von Infizierten dürfen die Pflegekräfte nur mit FFP2-Masken und Schutzkittel. Für Besucher wurde das Heim sofort geschlossen, es sei denn, jemand liegt im Sterben. "Wir versuchen, den Ausbruch zu stoppen, was schwierig ist, weil natürlich alles zeitverzögert passiert und sich auch die Abstimmung mit dem Gesundheitsamt zieht." 

Denn hier gilt im Moment: Wegen der begrenzten Testkapazitäten werden zuerst Personen mit Symptomen getestet. Nachtests beziehungsweise Tests zur Aufhebung von Mitarbeiter-Quarantänen werden hintenan gestellt. 

Ein Schild informiert über den Corona-Ausbruch im Görlitzer DRK-Heim im Frauenburg-Karree.
Ein Schild informiert über den Corona-Ausbruch im Görlitzer DRK-Heim im Frauenburg-Karree. © Nikolai Schmidt

Bald soll es die Schnelltests für die Heime geben

Das zweite DRK-Pflegeheim - jenes auf der Lausitzer Straße in Königshufen - ist aktuell nicht von Corona betroffen. Dennoch gelten natürlich auch hier weiterhin die verschärften Sicherheitsvorkehrungen: Nur ein Besucher - und der muss sich vorher anmelden. Doch es gibt auch Lichtblicke: Rüdiger Neumann hofft, dass die Schnelltests die Lage entspannen. Das Testkonzept, mit dem jede Einrichtung erklären muss, wen es wann testen möchte, ist fertig. "Man könnte jeden Bewohner täglich testen, jeden Besucher, der rein möchte. Das Ergebnis gibt es schon nach wenigen Minuten." Wie genau es beim DRK ablaufen soll, steht aber noch nicht fest. 

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Wichtig sei ihm jetzt vor allem, dass der Mensch nicht aus den Augen verloren wird. Nicht der Bewohner, der wieder auf Besuche und kleine Alltagshöhepunkte verzichten muss - aber auch nicht das Pflegepersonal, für das es ebenso schwere Zeiten sind. "Wir werden möglicherweise Bewohner verlieren. Das ist schwer und belastend für alle, vor allem, wenn es in Größenordnungen passiert. So etwas hatten wir zuletzt im sehr heißen Sommer vor vier Jahren." Doch Rüdiger Neumann will Optimismus verbreiten. "Wir haben gute Mitarbeiter, auf die wir stolz sind. Wir schaffen das."

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