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Soldaten helfen in Kliniken in Radeberg und Arnsdorf

Um das überlastete Klinikpersonal zu unterstützen, sind Soldaten angerückt. Die Arbeit auf der Covid-Station sei mit nichts zu vergleichen, sagt einer von ihnen.

Von Thomas Drendel
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Oberfeldwebel Philipp W. und die Oberstabsgefreiten Florian A. (v.l.), Thomas Z. und Patrick S. helfen derzeit im Radeberger Krankenhaus.
Oberfeldwebel Philipp W. und die Oberstabsgefreiten Florian A. (v.l.), Thomas Z. und Patrick S. helfen derzeit im Radeberger Krankenhaus. © Klinik/Steffen Unger

Radeberg/Arnsdorf. Die Covid-Stationen sind voll, der Betreuungsaufwand ist hoch, gleichzeitig fallen Ärzte und Pfleger aus, da sie selber krank sind oder ihre Kinder betreuen müssen. Das Landeskrankenhaus in Arnsdorf und die Asklepios ASB-Klinik Radeberg haben deshalb schon vor einiger Zeit um Unterstützung durch die Bundeswehr gebeten. Seit einigen Tagen sind in beiden Häusern Soldaten im Einsatz.

Essen zu den Patienten bringen, Räume desinfizieren, Betten beziehen und Labor- und Botengänge übernehmen - das sind die Arbeiten, die die vier Bundeswehrangehörigen im Radeberger Krankenhaus derzeit erledigen. Nach Einschätzung von Oberfeldwebel Philipp W. entlasten vor allem die anscheinend nebensächlichen Arbeiten das Klinikpersonal. "Es hilft ihnen, Zeit zu gewinnen. Jede Minute, die sie für die Behandlung und Pflege aufbringen können, ist kostbar", sagt der Soldat aus der Stammeinheit der Unteroffiziersschule in Delitzsch.

Zu Beginn ihres Einsatzes wurden er und drei Oberstabsgefreite der Panzergrenadierbrigade 37 aus Frankenberg in Sachsen von den Mitarbeitern geschult. Drei der Soldaten haben zwar bereits einmal eine ähnliche Amtshilfe in einem Seniorenheim geleistet, doch eine Covid-Station sei damit nicht zu vergleichen. "Die Patienten müssen ständig überwacht, Blutwerte gemessen und ausgewertet werden und vieles mehr. Viele Patienten brauchen Hilfe beim Essen und Waschen. Sie sind so hilflos. Trotzdem versucht das Personal alles, damit sie sich noch menschlich fühlen, was ein Kraftakt ohnegleichen ist", sagt der Oberfeldwebel.

Soldat vom Klinikpersonal beeindruckt

"Früher habe ich manchmal über die idealistische Einstellung dieser Berufsgruppe geschmunzelt. Heute und mit der Erfahrung hier im Krankenhaus bin ich froh und dankbar, dass es diese Menschen noch gibt." Oberstabsgefreiter Florian A., der durch sein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Seniorenheim bereits etwas Erfahrung hat, sagt: "Viele Pflegekräfte bringen eine Leidenschaft mit, welche die normale Arbeit übersteigt. Das beeindruckt mich."

Die Atmosphäre zwischen Klinikpersonal und neuen Kollegen stimmt offenbar. "Von Anfang an habe ich mich dem Team zugehörig gefühlt und bin den Krankenschwestern und Pflegern dafür sehr dankbar", sagt Oberstabsgefreiter Patrick S., der wie zwei andere Kameraden bereits einmal eine ähnliche Amtshilfe in einem Seniorenheim geleistet hat. Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus haben die vier Soldaten nicht. Hygiene und Sicherheit sind oberstes Gebot im Klinikalltag, sagen sie. Unter anderem werden alle, die in der Klinik arbeiten unabhängig vom Impfstatus jeden Tag getestet.

Natürlich macht so ein Einsatz in der Klinik und insbesondere auf der Covid-Station nachdenklich: "Unter den Corona-Patienten befinden sich nicht nur alte Menschen, sondern auch solche mittleren Alters. Das hat mich am meisten schockiert."

Nach Angaben von Klinik-Geschäftsführerin Diana Richter werden im Radeberger Krankenhaus momentan 24 Covid-Patienten behandelt, vier davon auf der Intensivstation. "Wir sind sehr dankbar für die Hilfe der Bundeswehr. Alle unsere Mitarbeiter arbeiten an ihren Grenzen, die physischen und psychischen Belastungen sind enorm", sagt sie.

"Viele psychisch Kranke, die mit Sars-CoV2 infiziert sind"

Genauso angespannt ist die Situation im Landeskrankenhaus in Arnsdorf. Nach Angaben von Pflegedirektorin Christiane Keil werden in der Einrichtung inzwischen zwei Infektionsstationen betrieben. "Wir haben sehr viele psychisch kranke Menschen, die sich mit dem Corona-Virus angesteckt haben", sagt sie. Der Betreuungsaufwand sei sehr hoch, bei gleichzeitig hohem Personalausfall. Mitarbeiter sind auch hier entweder selbst erkrankt oder betreuen ihre Kinder. "Wir sind deshalb sehr froh, dass uns jetzt fünf Bundeswehrangehörige unterstützen", sagt sie. Seit Mittwoch sind sie im Einsatz.

Auch hier übernehmen sie Hol- und Bringedienste, werden bei der Desinfektion der Einrichtung eingesetzt oder übernehmen die Begleitung von Patienten bei einem Spaziergang. Eingesetzt sind die Soldaten tagsüber, auch an Wochenenden und Feiertagen. Die Soldaten arbeiten bis Mitte Januar in Arnsdorf.

"Sie sind uns eine große Hilfe. Ihre Motivation ist hoch. Ich kann mich nur bei ihnen bedanken", sagt die Pflegedirektorin. Wegen der angespannten Lage helfen auch Freiwillige im Krankenhaus. "Wir haben von der Landesregierung eine Liste mit Interessenten bekommen. Sie hatten sich über das vor wenigen Tagen freigeschaltete Portal des Freistaates gemeldet. Wir prüfen jetzt, wer wo eingesetzt werden kann." Außerdem sei eine ehemalige Mitarbeiterin, die sich bereits im Ruhestand befindet, jetzt vorübergehend wieder im Dienst. "Viele Kollegen verzichten momentan auch auf ihren Urlaub, um die Betreuung der Patienten zu sichern", sagt sie.