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Die letzte Spritze im Impfzentrum Kamenz

Großer Andrang zu Beginn, viele schwierige Gespräche zum Schluss: Am Mittwoch wurde das zentrale Impfzentrum für den Landkreis Bautzen geschlossen.

In den letzten Tagen vor Schließung des Kamenzer Impfzentrums war der Andrang eher moderat
In den letzten Tagen vor Schließung des Kamenzer Impfzentrums war der Andrang eher moderat © Matthias Schumann

Kamenz. Genau 17.40 Uhr am Mittwoch hat Mike Berger den letzten Termin für das Kamenzer Corona-Impfzentrum im Computer geplant. Der DRK-Mitarbeiter ist stellvertretender Leiter des Impfzentrums für den Kreis Bautzen. Es ist die letzte Spritze, die in der Sporthalle am Flugplatz zum Schutz gegen das Corona-Virus verabreicht wird, acht Monate war das Impfzentrum in Betrieb - von Mitte Januar bis Mitte September.

Zu den Impf-Kandidaten der letzten Stunden gehörte Reiner Hasselbach aus Pulsnitz. Der 73-Jährige wäre auch schon eher gekommen. Aber ihn erwischte das Virus, noch bevor seine Altersgruppe mit dem Impfen dran war. Deshalb kann er sich die schützende Spritze erst jetzt abholen. Zwischen einer Infektion und der Impfung sollten nach Empfehlungen der Ständigen Impfkommission mindestens sechs Monate liegen.

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Dass er sich impfen lässt, war für Reiner Hasselbach aber kein Frage. Zehn Tage sei er mit Corona im Krankenhaus gewesen. Er wünsche das keinem. Durch Sport sei er wieder zu Kräften gekommen, verrät er noch.

Impfungen sind ab Donnerstag nicht mehr möglich, dennoch bleibt das Impfzentrum noch einige Tage in Betrieb. Bis Ende des Monats wird Mike Berger von dort aus die mobilen Impfteams koordinieren. Anschließend geht das Areal an den Landkreis Bautzen zurückgeht, so dass dort wieder Schul- und Vereinssport stattfinden kann.

Das Impfzentrum für Landkreis Bautzen am Kamenzer Flugplatz wurde am Mittwoch geschlossen. Reiner Hasselbach aus Pulsnitz nutzte die Gelegenheit noch für die schützenden zweiten Spritze.
Das Impfzentrum für Landkreis Bautzen am Kamenzer Flugplatz wurde am Mittwoch geschlossen. Reiner Hasselbach aus Pulsnitz nutzte die Gelegenheit noch für die schützenden zweiten Spritze. © Matthias Schumann

Die mobilen Impfteams machen in den kommenden Tagen zum Beispiel im Bautzener Kornmarkt-Center Station. Im Fokus stehen zudem die Schulen. Seit Montag läuft die Impfaktion in der Altersgruppe ab Zwölf. Der Start war in Kamenz direkt im Impfzentrum mit Mädchen und Jungen aus Schulen der Stadt. Weitere Schüler-Aktionen laufen unter anderem in dieser Woche in Bautzen und Bischofswerda. Bislang sei das Angebot eher verhalten angenommen worden, sagt Mike Berger. So ließen sich in Kamenz nur 65 junge Leute impfen. Für ihn keine Überraschung. Es entspreche der Stimmung in der Bevölkerung, wo es eben auch eine gewisse Skepsis gebe.

Auch Impfarzt Dr. Lorz beobachtet, dass sich der Ton im Impfzentrum über die Monate verschärft hat. Die Diskussionen beim Aufklärungsgespräch würden immer schärfer. Viele Leute würden sich gezwungen fühlen: „Sie glauben ihr Problem ist die Impfung, aber das große Problem ist das Virus. Um die Ausbreitung zu verhindern, machen wir das.“ Zum individuellen Schutz und der anderen. Er erkläre die Gefahr zu erkranken anhand aktueller bestätigter Zahlen. Das Risiko liege für Ungeimpfte um das Achtfache höher. So kann er nur feststellen: „Die Impfung lohnt sich selbstverständlich.“

Fast 120.000 Impfdosen seit Mitte Januar

150 bis 160 Leute pro Tag kamen in den vergangenen Wochen ins Zentrum, zu Hochzeiten im Frühjahr waren es 500 bis 600 Menschen am Tag. Am Ende wird eine Gesamtzahl von ungefähr 120.000 Impfungen stehen, schätzt das DRK am Mittwochnachmittag ein. Tags zuvor waren es 91.224 im Impfzentrum, mobil 28.703. Aus seiner Sicht gute Zahlen, schließlich gehöre Kamenz zu den kleinen Impfzentren in Sachsen, so Berger. „Die Zentren hatten eine wichtige Aufgabe, ohne sie wäre der Ansturm nicht zu stemmen gewesen“, so Berger. Was jetzt noch kommen, könne von den niedergelassenen Ärzten bewältigt werden.

Zumindest bis zum Jahresende soll es aber noch Unterstützung durch die mobilen Impfteams geben. Derzeit werde intensiv an einem Nachfolgeprojekt gearbeitet. Mit welchen Aufgaben genau, und welche Hilfsorganisationen zum Einsatz kommen, sei noch in der Diskussion.

Mike Berger und Michaela Suchy mussten wie viele andere Mitstreiter viel Beratungsarbeit leisten. Bis zu 30 medizinische Fachleute, DRK-Mitarbeiter, Sicherheitsleute und Bundeswehrsoldaten waren in Stoßzeiten pro Schicht beschäftigt.
Mike Berger und Michaela Suchy mussten wie viele andere Mitstreiter viel Beratungsarbeit leisten. Bis zu 30 medizinische Fachleute, DRK-Mitarbeiter, Sicherheitsleute und Bundeswehrsoldaten waren in Stoßzeiten pro Schicht beschäftigt. © Matthias Schumann

Michaela Suchy kam als Quereinsteigerin ins DRK-Impfteam und gehe nun voraussichtlich wieder in die Selbstständigkeit als Unternehmensberaterin zurück. Sie spricht von einer spannenden Erfahrung, die sie nicht missen möchte: „Gerade Anfangs hatten wir viele dankbare ältere Leute, die so froh waren, den Schutz zu bekommen.“

Es sei aber auch viel Fingerspitzengefühl nötig gewesen, um Wartende zu beruhigen. Manchmal ein dickes Fell, um Ärger auszuhalten: wenn der Impfstoff knapp oder nicht der versprochene vorrätig war. Oder wenn Unmut in der Warteschlange aufkam.

Im Kamenzer Wartebereich ist die Stimmung am letzten Impftag unterschiedlich. Eine Frau ist von der Impfung zwar nicht überzeugt, sie wolle aber ihre Freiheiten ohne großen Aufwand genießen. Anders ein junger Mann. Er habe die Krankheit mit allen Symptomen und 40 Grad Fieber selbst durchgemacht. Nun wolle er sich mit der Immunisierung für die Zukunft schützen.

Das Impfzentrum in Kamenz am Flugplatz leert sich. Am Mittwoch endete die Impfaktion hier. Die Kabinen können nun abgebaut werden. Dann übernimmt der Landkreis die Sporthalle wieder.
Das Impfzentrum in Kamenz am Flugplatz leert sich. Am Mittwoch endete die Impfaktion hier. Die Kabinen können nun abgebaut werden. Dann übernimmt der Landkreis die Sporthalle wieder. © Matthias Schumann

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