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"Für Maskenverweigerer fehlt mir das Verständnis"

Die amtierende Landrätin Janet Putz sieht den Landkreis Meißen vor sehr schwierigen Corona-Monaten. Am 30. November übergibt sie ihr Amt.

„Es wird eine gemeinsame Kraftanstrengung, die es zu meistern gilt“: Janet Putz, amtierende Meißner Landrätin, übergibt ihr schwieriges Amt in wenigen Tagen.
„Es wird eine gemeinsame Kraftanstrengung, die es zu meistern gilt“: Janet Putz, amtierende Meißner Landrätin, übergibt ihr schwieriges Amt in wenigen Tagen. © Claudia Hübschmann

Frau Putz, Ende November endet ihre Übergangszeit als amtierende Landrätin. Wie lief es für Sie?

Es war eine Zeit mit großen Herausforderungen, insbesondere durch die seit Oktober stark steigenden Corona-Fallzahlen. Aus meiner Sicht haben wir diese Herausforderungen bislang gut gemeistert. Das ist der Verdienst aller Mitarbeiter sowie der Partner des Landratsamtes. Das Landratsamt Meißen ist eine gut funktionierende Verwaltung. Jeder weiß, was seine Aufgabe ist und erfüllt diese. Keine Frage, dass diese Zeit mich, wie auch viele Weitere, sehr gefordert hat.

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Wir gegen Corona!
Wir gegen Corona!

Gemeinsam mit den Landkreisen und kreisfreien Städten hat die Staatsregierung weitere Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie beschlossen.

Warum ist die Anzahl der Infizierten im Landkreis Meißen so stark angestiegen?

Der Landkreis Meißen ist keine Insel. Bis zum Beginn des Lockdowns vor zwei Wochen lebten die Menschen nahezu ihren Alltag, mit all den Reisen, Aktivitäten und Besuchen, die dazugehören und die die Ausbreitung des Virus begünstigen. Der Anstieg der Corona-Fallzahlen ging in anderen Landkreisen sogar zeitiger los. Wir waren einer der letzten Landkreise, die den Inzidenzwert 50 überschritten haben. Es war eine Frage der Zeit, dass die Zahlen auch bei uns steigen würden.

Wie ist der Kreis auf einen weiteren Anstieg der Infiziertenzahl vorbereitet?

Durch regelmäßige Abstimmungen mit den Elblandkliniken sind wir aus meiner Sicht sehr gut vorbereitet und können uns immer wieder schnell auf veränderte Situationen einstellen. So hat uns auch die steigende Zahl stationärer Infizierter keineswegs unvorbereitet getroffen.

Sorge bereitet uns derzeit nicht die Zahl der Betten oder die Ausstattung mit Schutzausrüstung, sondern das medizinische Fachpersonal. Der Fachkräftemangel war bereits vor der Corona-Pandemie ein wichtiges Thema, trotz einer stetigen Erhöhung des Elblandkliniken-Personals von 2.400 auf 3.000 Mitarbeiter in den zurückliegenden sieben Jahren. Nun arbeiten die Ärzte und Pfleger seit Wochen unter außergewöhnlichen Bedingungen und stark erhöhter Belastung. Zudem ist auch Klinikpersonal trotz größter hygienischer Standards nicht vor einer Infektion gefeit.

Die Infektionsambulanz der Elblandkliniken sowie von Corona-Ausbrüchen betroffene Senioreneinrichtungen werden seit Anfang November von Soldaten der Bundeswehr personell unterstützt.


Corona Tagesbericht vom 18.11.2020 Tabelle: Gesundheitsamt Meißen
Corona Tagesbericht vom 18.11.2020 Tabelle: Gesundheitsamt Meißen © Gesundheitsamt Meißen

Wie sehen Sie das Gesundheitsamt personell aufgestellt?

Das Gesundheitsamt wurde in den vergangenen Wochen sukzessive personell aufgestockt, mit Kollegen aus anderen Bereichen des Landratsamtes, mit Mitarbeitern der Landesdirektion und Freiwilligen des THW. Wir erhalten Unterstützung durch die Bundeswehr und von Studierenden der Fachhochschule der Sächsischen Verwaltung Meißen. Für diese Hilfe sind wir sehr dankbar.

Die Kontaktnachverfolgung ist aufwendig, aber wir sind da sehr akribisch und schaffen es weiterhin, die Kontaktpersonen zu ermitteln. Alle Aufgaben im Zusammenhang mit Corona, so auch die Hotline-Betreuung sowie die Prüfung der Hygienekonzepte, haben allen Mitarbeitern in den vergangenen Wochen viel abverlangt, da wurde unglaublich viel geleistet. Den Mitarbeitern zolle ich großen Respekt. Es stehen noch sehr anspruchsvolle Monate vor uns.

Wie entwickelt sich durch Corona die Finanzsituation des Kreises?

Wir sind in der Erarbeitung des Kreishaushaltes für die Jahre 2021/2022. Das bereitet uns große Sorge. Es stehen schwierige Haushaltsjahre vor uns. Der Landkreishaushalt ist zu großen Teilen von sozialen Ausgaben geprägt, die steigen. Gleichermaßen steigen, auch ohne mögliche Auswirkungen der Pandemie, die Zuschüsse für den öffentlichen Personennahverkehr. Wir wollen weiter investieren, für unsere Kreisentwicklung und unsere Wirtschaft. Die Erträge aus dem Finanzausgleich werden nicht genügen, um den Anstieg der laufenden Ausgaben zu kompensieren. Eine Anhebung des Umlagesatzes würde für die kreisangehörigen Städte und Gemeinden nicht zu schultern sein, eine Absenkung nicht für den Landkreis.

Wie wir das stemmen, möchten wir gemeinsam mit unseren Kreisräten intensiv beraten und ebenso mit unseren kreisangehörigen Städten und Gemeinden. Es wird eine gemeinsame Kraftanstrengung, die es zu meistern gilt und die wir gemeinsam meistern werden.

Gibt es aktuell Aufgaben, die liegenbleiben müssen?

Wir erbringen nach wie vor alle Dienstleistungen für die Einwohner des Landkreises. Natürlich müssen wir Prioritäten setzen. Einerseits sind ja auch Mitarbeiter aus vielen Fachbereichen nun im Gesundheitsamt eingesetzt. Andererseits macht das Virus auch vor den Mitarbeitern des Landratsamtes nicht halt. Daher bitten wir um Verständnis, wenn es doch einmal einige Tage länger dauern sollte, bis eine Anfrage bearbeitet ist.

Haben Sie auch Verständnis für die Corona-Proteste und Maskenverweigerer?

Für Maskenverweigerer und Corona-Leugner fehlt mir das Verständnis. Es ist verglichen mit vielen anderen Maßnahmen eine Kleinigkeit, eine Maske zu tragen. Und es sollte für uns alle zum Schutz von uns selbst und unseren Mitmenschen eine Selbstverständlichkeit sein. Das ist für mich auch eine Frage von verantwortungsbewusstem Handeln.

Anders sieht es aus bei vom Lockdown betroffenen Unternehmen und Selbstständigen. Sie bangen zum Teil um ihre Existenz und viele der Angestellten haben ebenfalls Zukunftsängste. Dass an dieser Stelle nicht alle derzeit gültigen Maßnahmen begrüßt werden, ist nachvollziehbar.

Ich finde es aber klasse, wie viele Gastronomen in unserem Landkreis mit Kreativität trotzdem Angebote zum Liefern und Abholen unterbreiten. Hier möchte ich alle Einwohner auffordern, die lokalen Gastronomen zu unterstützen und aktuelle Bestell- und Abholangebote zu nutzen. Der Einkauf vor Ort hilft den Ladeninhabern, durch diese Zeit zu kommen.

Wie viele und welche Kontrollen zur Maskenpflicht und Quarantäne wurden durchgeführt, wie viele Verstöße geahndet?

Die Ordnungsämter der Städte und Gemeinden im Landkreis überwachen regelmäßig – auch im Rahmen des alltäglichen Kontrollgeschehens – die Einhaltung der Maskenpflicht.

Um die Einhaltung der aktuell bestehenden Regelungen der Sächsischen Corona-Schutz-Verordnung zu kontrollieren, hat das Landratsamt Meißen in Zusammenarbeit mit den Städten und Gemeinden sowie der Polizeidirektion Dresden am 12. und 13. November 2020 Kontrollmaßnahmen geplant und organisiert. Insgesamt fanden an diesen beiden Tagen 32 Kontrollen im Landkreis statt.

Teams der Bereitschaftspolizei führten mit Vertretern der kommunalen Ordnungsämter gemeinsam die Kontrollen durch. Dabei standen insbesondere die Einhaltung der Pflicht zum Tragen des Mund-Nase-Schutzes sowie die Einhaltung der Quarantäne im Vordergrund. Im Ergebnis konnten keine großen Verfehlungen festgestellt werden. Die Kontroll-Teams gaben Hinweise zum korrekten Tragen der Mund-Nase-Bedeckung und sensibilisierten die Bevölkerung zur Einhaltung der Vorgaben.

Wann und wie übergeben Sie Ihr Amt an den gewählten Landrat Ralf Hänsel? Und was machen Sie danach?

Voraussichtlich am 30. November 2020 wird Ralf Hänsel sein Amt als Landrat antreten. Durch die derzeitige Corona-Situation und die Mitarbeit von ihm im Krisenstab wirken wir an dieser Stelle bereits gut zusammen. Dies wird auch bei der Übergabe und Abstimmung zu vielen weiteren Themen der Fall sein. Es ist ein fließender Übergang, da viele aktuelle Themen in seine Amtszeit hineinreichen. Da gehört es sich einfach, sich bereits jetzt schon abzustimmen und einige Punkte zu besprechen. Wenn Ralf Hänsel im Amt ist, kann ich mich als Erste Beigeordnete und Dezernentin für Soziales wieder stärker in meinen eigentlichen Aufgabenbereich einbringen. Auch darauf freue ich mich.

Haben Sie einen Appell an die Landkreis-Bewohner?

Die Voraussetzung zur Lockerung der aktuell geltenden Beschränkungen ist es, die Infektionszahlen zu senken und auf einem niedrigeren Niveau stabil zu halten. Mit der Hoffnung auf ein besinnliches Weihnachtsfest können wir dies nur gemeinsam erreichen.

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Ich kann daher nur an alle Einwohner appellieren, die bekannten Regeln in den Alltag zu integrieren – Sie schützen sich damit selbst und andere: Bitte halten Sie Abstand, beachten Sie die Hygieneregeln und tragen Sie dort, wo es gefordert wird, die Mund-Nase-Bedeckung korrekt. Auch wenn es mitunter schwerfällt, sollten wir Treffen mit Freunden und Verwandten gegenwärtig nur in dem gebotenen Umfang realisieren. Wichtiger ist es doch, sich in absehbarer Zeit wieder gesund in die Arme schließen zu können, wenn es die Infektionslage wieder zulässt.

Das Gespräch führte Ulf Mallek.

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