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Zweifach geimpft - und doch Corona

Ein Mann aus Kamenz war bereits zweimal geimpft, trotzdem steckte er sich mit dem Coronavirus an. Warum er dennoch jedem zur Impfung rät.

Seit zwei Wochen in Quarantäne: Den Kamenzer Alex Theile hat das Virus trotz zweifacher Impfung erwischt. Das Foto entstand aus sicherer Entfernung über den Gartenzaun.
Seit zwei Wochen in Quarantäne: Den Kamenzer Alex Theile hat das Virus trotz zweifacher Impfung erwischt. Das Foto entstand aus sicherer Entfernung über den Gartenzaun. © René Plaul

Kamenz. Der Kamenzer Alex Theile kommt gerade von der Corona-Nachuntersuchung und kann aufatmen: Der Test ist negativ - ein positives Zeichen. Das Testergebnis hat er auf dem Mobiltelefon gespeichert. Bis zum Sonnabend muss der Jurist und Stadtrat noch in Quarantäne bleiben. Und er ist um einige Erfahrungen reicher. Die möchte er auch gern an andere Menschen weitergeben.

Ziemlich genau drei Wochen nach der zweiten Immunisierung mit Astrazeneca kam für Alex Theile die Hiobsbotschaft: Corona positiv. Die ersten Symptome hatten der Kamenzer schon zwei Tage vor dem Test.

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Theile bringt die Infektion mit dem Start des Unterrichts an den Grundschulen in Zusammenhang. Kurz danach seien fünf Kinder aus der Klasse seines Sohnes positiv getestet worden, darunter sein Ältester – mit der britischen Variante: „Bis dahin waren unsere Tests in der Familie immer negativ und wir haben wirklich peinlich genau auf Hygienestandards geachtet. Die Kinder so lange wie möglich zu Hause behalten, um auf Nummer sicher zu gehen.“

Immunsystem geschwächt

Nicht ohne Grund. Der Kamenzer war persönlich besonders in Sorge, weil er erst vor nicht allzu langer Zeit an „Pfeifferschem Drüsenfieber“ erkrankt war. Dieses Fieber schwäche das Immunsystem und mache anfällig für Infektionen. Er falle damit in die Gruppe der Risikopatienten.

Zuerst sei er nach der Infektion des Kindes negativ getestet worden, beim Nachtest dann aber positiv. Dazwischen habe wohl die Inkubationszeit gelegen, schätzt der Kamenzer ein. Ihn habe ebenfalls die britische Mutation erwischt, wie eine Sequenzierung ergeben habe.

Für Alex Theile legt das die Infektionskette zum Sohn nahe. Die britische Variante gilt nach der Studie einer britischen Forschungsgruppe nicht nur als ansteckender, sondern auch tödlicher und sei dabei den Ur-Typ zu verdrängen. Im Landkreis ist die Variante nach Informationen bisher erst bei etwa neun Prozent der Infizierten aufgetreten. „Ich war echt verzweifelt und habe mich gefragt, wie kann das nach der zweifachen Impfung passieren. Was haben wir falsch gemacht.“ Es sei eine gewisse Hilflosigkeit gewesen.

RKI: Keine 100-prozentige Wirksamkeit

Das Robert-Koch-Institut (RKI) stellt dazu fest, dass es eine 100-prozentige Wirksamkeit der Corona-Impfung nicht gebe. So könne ein Teil der Geimpften keinen ausreichenden Schutz aufbauen. Das Institut schätzt zugleich ein, wer zweimal geimpft sei, erkranke mit einer hohen Wahrscheinlichkeit nicht mehr an Covid-19.

Wie groß das Risiko sei, dass es doch passiert, könne das Institut nur schwer sagen. Es sei gering und der Erkrankte entwickle meist keinen schweren Verlauf. Das bestätigt auch das Landratsamt in Bautzen. So seien im Kreis einige, aber „sehr wenige Einzelfälle solcher Impfdurchbrüche bekannt“ - konkret 14 Fälle bei über 60.000 vollständig Geimpften.

Angst wegen Immunschwäche

Gerade wegen der Immunschwäche habe er allerdings Angst gehabt, so Theile, dass die Krankheit doch einen sehr schweren Verlauf nehmen könnte. Es sei dann auch heftiger gewesen als bei einem üblichen grippalen Infekt. Dazu räumt auch das RKI ein, dass gerade das Immunsystem des Geimpften eine wichtige Rolle spiele. Je schwächer es sei, desto schlechter könne sich die Wirkung des jeweiligen Impfstoffs entfalten, erklären die Experten.

Zum Glück habe den Kamenzer keine ganz schwere Corona-Erkrankung getroffen. Trotzdem schlimm genug, er habe richtig flach gelegen mit Fieber, Atemnot, zeitweise Husten, völliger Erschöpfung, der Puls sei hoch geschossen, dazu starke Kopfschmerzen und Sauerstoffmangel im Blut: „Ich ziehe den Hut vor allen, die das ohne Impfung durchlebt haben.“

Vorsicht bei Kontakten empfohlen

Er könne jetzt gut nachempfinden, wie das dann sein muss und habe eine Vorstellung, wie schlimm es ohne den Piks über ihn hereingebrochen wäre. Deshalb stehe nach überstandener Krankheit für ihn fest: „Ich empfehle allen dringend die Impfung, so bald wie möglich.“ Und er hoffe, dass schnell genügend Impfstoff für alle vorrätig sei.

Auch nach der Infektion sei sein Vertrauen in die Wissenschaft groß: „Dass Astra bei der britischen Variante eine hohe Schutzwirkung bescheinigt wird, das war die Hoffnung.“ Außerdem hätten ihn viele gute Freunde unterstützt und ihm Sorgen vor einem ganz schweren Verlauf mit Intensivstation und Beatmung genommen. Das sei sehr wichtig gewesen. Gerade solche Fälle sind laut RKI auch der Beleg für die Wirksamkeit der Vakzine unter Menschen die ansonsten besonders schwer erkranken oder sogar sterben würden.

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Alex Theile rät seinerseits nach überstandener Krankheit und angesichts „aktueller Lockerungen und dem Wunsch vieler, sich wieder zu umarmen“, zur Vorsicht: „Die Virus-Varianten, wie die indische, sind jetzt das Problem.“ Das RKI bestätigt, die Wirkung der Impfung auf neue Mutationen sei noch nicht vollständig erforscht. Bei aller Freude sei auch Zurückhaltung angebracht.

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