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„Ohne Unterstützung wäre nichts mehr gegangen“

Sabine Eichler betreibt seit zehn Jahren das „Café im Hof“ in Löbau. So kämpft sie mit den Corona-Auswirkungen.

Sabine Eichler betreibt das Café im Hof in Löbau.
Sabine Eichler betreibt das Café im Hof in Löbau. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Die 45 Plätze beim „Café im Hof“ bleiben leer. Trotz strahlendem Sonnenschein in den vergangenen Tagen herrscht auch im Außenbereich Stille. Die Gaststättenbranche kämpft - wie hier in Löbau - vielerorts ums nackte Überleben.

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Auch Sabine Eichler wartet sehnsüchtig darauf, endlich wieder Gäste in ihrem Café in der Nähe des Löbauer Rosengartens begrüßen zu können. „Beim ersten Lockdown im Frühjahr 2020 bekam ich die Soforthilfe unproblematisch und schnell“, erzählt die Unternehmerin. Das waren 9.000 Euro gewesen. Beim zweiten Lockdown wurde die Situation brenzlig: Die angekündigten Novemberhilfen für betroffene Unternehmen ließen auf sich warten. Das erlebte auch die Löbauerin. „Ohne Unterstützung durch meinen Partner wäre nichts mehr gegangen“, sagt sie. 75 Prozent der Einnahmen vom November 2019 habe der Zuschuss betragen. Die Kosten liefen weiter. „Erst Ende Dezember kam das Geld“, erinnert sie sich und sagt, dass sie auch dankbar dafür ist.

Noch nicht alle betroffenen Unternehmen haben in Sachsen die Novemberhilfe erhalten. Wie das sächsische Wirtschaftsministerium am Freitag bekannt gab, sind fast 89 Prozent der Anträge auf Novemberhilfe bearbeitet worden. 16.767 Anträge sind dazu eingegangen. Für die Dezemberhilfe waren es bisher 15.688 Anträge, von denen rund 77 Prozent bearbeitet wurden. Das Staatsministerium nennt in der aktuellen Pressemitteilung weitere Zahlen: „Die Unternehmen und Selbstständigen aus Sachsen, die vom Lockdown light im November und Dezember 2020 betroffen waren, haben bis heute Abschläge und vollständige Auszahlungen in Höhe von 276 Millionen Euro erhalten. Davon entfallen rund 139 Millionen Euro auf die Novemberhilfe und rund 137 Millionen Euro auf die Dezemberhilfe.“

Als Selbstständige hat Sabine Eichler unter anderem Nebenkosten, eine Pacht, Beiträge zur Krankenversicherung und mehr zu stemmen. Wobei, wie sie sagt, dass Café und die zugehörige Pension ihren Eltern gehören und sie damit großes Glück habe. Vater Wolfgang betreibt als Rentner die Pension, hat den ehemaligen historischen Stadtbauernhof mit viel Kraft und Liebe saniert. Im Moment sei auch die Pension stillgelegt. Ab und an kämen Handwerker zum Übernachten, erzählt Frau Eichler.

Vor genau zehn Jahren wagte die ausgebildete Ergotherapeutin den Schritt in die Selbstständigkeit. Zuvor arbeitete sie in Bayern in einer sozialtherapeutischen Einrichtung. „Ich hatte einen krisensicheren Job“, sagt sie. Doch das Heimweh war stärker und damit der Wunsch, wieder in Löbau Fuß zu fassen. Vater Wolfgang habe mit seinen „goldenen Händen“ das ehemalige Gehöft an der Teichgasse ausgebaut. Und obwohl sich die damals 28-Jährige in Bayern wohl fühlte, ergriff sie die Chance, zu Hause neu durchzustarten. Die ersten Jahre seien nicht ganz leicht gewesen. Im Laufe der Zeit sprach sich das „Café im Hof“ mit seinen Angeboten immer mehr herum. Vor der Corona-Pandemie freute sich die Betreiberin über die immer weiter wachsende Stammkundschaft.

Die fehlenden Einnahme seien nur die eine Seite der Medaille. "Ich vermisse den Kontakt zu meinen Kunden", sagt Sabine Eichler. Die Unternehmerin stellte sich deshalb wieder in die Küche und begann, ihre beliebten Torten zu backen. Wenigstens sonntags sollen die Leute kommen können. Verweilen ist zwar nicht möglich. Die Corona-Regelungen lassen das nicht zu. Den Kontakt zu ihren Stammgästen will die 38-Jährige jedoch keinesfalls gänzlich abreißen lassen. Also gibt’s seit einer Weile „Torte to Go“ - zum mitnehmen also. Eierlikör- und Stachelbeertorte sind die Renner bei der Kundschaft, wie Sabine Eichler erzählt. Jeweils vier bis fünf Torten stellt sie für den Sonntag her. „Mit den steigenden Temperaturen wird das mehr werden“, blickt die Unternehmerin in die Zukunft. Telefonbestellungen – beispielsweise für Geburtstagstorten – sind auch möglich. Sie backe sowieso gern, das mache ihr große Freude, sagt sie. Nichtsdestotrotz reichen fünf Torten pro Woche keinesfalls zum Überleben. Aufgeben möchte Sabine Eichler dennoch nicht. Sie hofft, dass mit den Impfungen vieles besser wird. Halte der Lockdown jedoch noch lange an, müsse sie überlegen, wie sie finanziell alles weiter stemmen kann.

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