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Musikschulen dürfen wieder öffnen

Die Petition von Martina Bunk fand fast 14.000 Unterstützer. Der Freistaat Sachsen rudert nun zurück, gestattet allerdings nur Einzelunterricht.

Linus freut sich, dass seine Klavierlehrerin Constanze Glaser beim Unterricht wieder persönlich anwesend sein darf, wenn auch mit Sicherheitsabstand.
Linus freut sich, dass seine Klavierlehrerin Constanze Glaser beim Unterricht wieder persönlich anwesend sein darf, wenn auch mit Sicherheitsabstand. © Thomas Morgenroth

Die Freude und die Erleichterung ist beiden deutlich anzumerken. Der elfjährige Linus strahlt, als er sich an das elektrische Klavier setzt, und Constanze Glaser würde wohl am liebsten laut jubilieren, als sie das Notenheft aufschlägt. Passend zum Ereignis – und natürlich zur Adventszeit – üben sie „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“, eines der beliebtesten und schönsten Kirchenlieder in diesen Tagen.

Am Mittwoch durften Schüler und Lehrerin in einer der beiden Tharandter Außenstellen der Musik-, Tanz- und Kunstschule Bannewitz zum ersten Mal nach fünf Wochen wieder persönlich aufeinandertreffen. Den ganzen November lang lag Constanze Glaser in Form eines Telefons bei Linus auf dem Notenpult. Sie gab ihrem Schüler fernmündlich Hinweise für die Erarbeitung der Stücke. Eine Videoschaltung hatte sie ausprobiert – und wegen der schlechten Tonqualität abgewählt.

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Unterricht per Telefon

So hörte Linus nur die Stimme und das Klavierspiel seiner Lehrerin aus ihrer Wohnung in Freital-Hainsberg, und sie seine Übungen auf dem eigenen Klavier in der Forststadt. Ein Kompromiss, mit dem Constanze Glaser, die insgesamt 21 Schüler in den Fächern Klavier und Flöte unterrichtet, nicht wirklich glücklich war. „Es ist eine Alternative für Notsituationen, kein akzeptabler Dauerzustand“, sagt sie. „Aber es haben alle Schüler mitgemacht.“ Sie dankt den Eltern, für die diese Art der Wissensvermittlung einen zusätzlichen Aufwand bedeutete: „Kleinere Kinder können das nicht alleine bewältigen.“

Der Zwang zur räumlichen Distanz ist nun vorerst aufgehoben: Seit 1. Dezember dürfen die Musikschulen in Sachsen wieder öffnen, wenn auch nur zum Einzelunterricht. Gruppenunterricht oder Vorspiele und Aufführungen mit Publikum bleiben weiterhin untersagt. Immerhin aber ist Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) ein Stück zurückgerudert – nicht zuletzt angesichts massiven Gegenwindes, das sie in Form einer Petition der Freiberger Musiklehrerin Martina Bunk bekam.

Fernunterricht bleibt eine Option

Fast 14.000 Unterschriften hat sie für ihre „Forderung nach unverzüglicher Wiedereröffnung der Musikschulen“ gesammelt, darunter mehr als 12.000 in Sachsen, eine ist von Constanze Glaser. Damit war das Quorum erreicht, also die Anzahl, bei denen die Plattform Openpetition eine Stellungnahme der Parlamentarier einfordert. Die Abgeordneten der CDU und der Linken, die geantwortet haben, enthielten sich der Stimme, Grüne und AfD hingegen würden einen entsprechenden Antrag im Parlament unterstützen, von der SPD gab es keine einzige Stellungnahme.

Ob die Petition nun ausschlaggebend für das Umdenken der Staatsregierung war, weiß Martina Bunk nicht. Für sie zählt das Ergebnis. „Es ist schön für Lehrer und Schüler“, sagt sie. „Es wäre bedauerlich, wenn der Fernunterricht um sich griffe.“ Aber er bleibt eine Option, wie eine Nachfrage der Sächsischen Zeitung bei den Musikschulen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ergab.

Für Linus und Constanze Glaser ist der persönliche Kontakt, wenn auch derzeit mit Hygieneregeln und Distanz, wesentlich für den Lernerfolg. Da öffnen sich „Türen und Tore“ gleich noch mal so weit.

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