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Osterzgebirge: Schöner Winter, keine Gäste

Familie Kraut setzt auf schöne Bilder, um Gäste nach Oberbärenburg zu locken. Das nützt ihr aber im Lockdown nichts.

Nicole Kraut vor ihrer verschneiten Villa in Oberbärenburg. Den Schnee muss sie nur für sich selbst wegschippen.
Nicole Kraut vor ihrer verschneiten Villa in Oberbärenburg. Den Schnee muss sie nur für sich selbst wegschippen. © Karl-Ludwig Oberthür

Während kalter Regen in Dresden die letzten schmutzigen Schneeinseln auflöst, fallen in Oberbärenburg die Schneeflocken leise und dicht wie in den Winterliedern. Genau die anheimelnde Stimmung, nach der im Flachland alle solche Sehnsucht haben: Tief verschneite Waldwege, Fichten mit dickem weißen Überzug, Holzzäune, die nur noch mit den Spitzen aus den Schneewehen ragen.

Schöne Landschaftsbilder von Oberbärenburg schicken Nicole und Danilo Kraut via Instagram seit fünf Jahren in die Welt. Seit ihr Haus auf der Ahornallee 6 im Jahr 2015 fertig saniert und eingerichtet war - mit der eigenen Wohnung im Erdgeschoss und zwei großzügigen Ferienwohnungen in der ersten und zweiten Etage.

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Die Schönheit der Gegend auf Instagram zeigen

"Wir haben von Anfang an aufs Internet gesetzt, um sie zu vermieten", sagt Danilo Kraut. Nicht nur über die gängigen Vermietungsplattformen, sondern auch über Kanäle wie Instagram. Dort geht es nicht ums Vermieten selbst, sondern um schöne Landschafts- und Detailbilder, die Interesse an der Gegend wecken sollen. "Wir haben 20 Jahr in München gelebt", erzählt Nicole: "Ich weiß ganz gut, dass wir uns mit dieser Landschaft und dieser Natur wahrlich nicht verstecken müssen."

Rückkehrer aus Hartmannsdorf-Reichenau

Das Paar wuchs in Hartmannsdorf-Reichenau auf: "In unsere Heimat zurückkehren wollten wir immer", sagt Danilo Kraut. Seit 2010 suchten sie nach einem geeigneten Haus: "Möglichst am Waldrand. Als wir dann dieses hier gesehen hatten, stimmte alles."

Das Haus hatte sich ein Dresdner Seifenhersteller um 1912 als Sommerresidenz bauen lassen, "mit entsprechend dünnen Wänden." Später diente es als Café und Pension. Als sie es 2013 kauften, waren in den oberen Etagen acht Doppelbettzimmer untergebracht: "Von einem Flur in der Mitte gingen die jeweils ab und waren sehr klein. Wir wollten aber Familien ansprechen", sagt Nicole Kraut.

Von dem ursprünglichen Grundriss haben die Krauts nichts übrig gelassen. Neben der eigenen Wohnung im Erdgeschoss entstanden zwei großzügige, modern und doch behaglich eingerichtete Ferienwohnungen, die sich über ein eigenes Treppenhaus betreten lassen.

In einem Winter mit Schnee könnten sie sich normalerweise vor Buchungsanfragen kaum retten. Die Einnahmen brauchen sie auch: "Die Finanzierung des Hauses haben wir mit den beiden Ferienwohnungen kalkuliert", sagt Danilo Kraut.

Verschneiter Wald bei Oberbärenburg.
Verschneiter Wald bei Oberbärenburg. © Danilo Kraut
Die Villa Ahornallee auf www.instagram.com/ahornallee.
Die Villa Ahornallee auf www.instagram.com/ahornallee. © Danilo Kraut
Blick zur Tellkoppe.
Blick zur Tellkoppe. © Danilo Kraut

Hadern mit der Corona-Verordnung

Doch Vermietung geht nicht - in der Corona-Pandemie sind touristische Übernachtungen untersagt. Das ist auch der Punkt, an dem Nicole und Danilo Kraut mit der sächsischen Corona-Schutzverordnung hadern: "Bei uns würde selbst die Schlüsselübergabe kontaktlos funktionieren", sagt Danilo Kraut. Die beiden Wohnungen im ersten und zweiten Stock betritt niemand außer den Mietern, "hinterher desinfizieren wie jede Kontaktfläche." Es gibt auch keine gemeinsam genutzten Räume.

Doch mit der Verlängerung des Lockdowns ist die Vermietung für touristische Zwecke nun zunächst bis zum 14. Februar weiter verboten. Die wunderbaren Winterbilder sind verlockend, dürfen aber derzeit keine Urlauber anlocken. Die Bobfahrer, die bereits für die nahende WM nebenan auf der Bahn trainieren, könnten sich als Leistungssportler allerdings bei ihnen einmieten: "Doch die suchen sich lieber etwas mit Gastronomie", sagt Danilo Kraut.

Kein Anspruch auf Novemberhilfen

Dabei können die Krauts nicht einmal auf die November- und Dezemberhilfen hoffen: "Der Knackpunkt bei uns ist, dass wir die Ferienwohnungsvermietung als Nebenerwerb betreiben", sagt Nicole Kraut. Nur wer Gastronomie oder Hotellerie im Haupterwerb betreibt, kann die Unterstützung beantragen.

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Ihre Kreditraten müssen sie dennoch monatlich zurückzahlen. "Die starken Buchungswochen im Winter sind deshalb besonders wichtig für uns", sagt Nicole Kraut. "Und so wie uns geht es hier vielen Leuten, die in den letzten Jahren in ihre Ferienwohnungen oder Zimmer investiert haben."

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