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Pflegekräfte sind häufiger krank als andere

Neue Zahlen deuten auf mehr Infektionen mit Corona hin. Auch die Arbeitsbelastung ist während der Pandemie gestiegen.

Das Pflegepersonal arbeitet oft
am Limit.
Das Pflegepersonal arbeitet oft am Limit. © dpa

Dass Beschäftigte in Pflegeberufen wegen Krankheit häufiger als andere Beschäftigte auf Arbeit fehlen, ist keine neue Erkenntnis. Doch nun, während der Coronapandemie, hat sich dieser Trend noch einmal verstärkt. Das zeigt eine Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (Wido).

Während der Krankenstand aller Berufstätigen zwischen Januar 2020 und April 2021 zwischen 4,4 bis 7,8 Prozent betrug, lag die Quote bei Kranken-, Gesundheits- und Altenpflegern in jedem Monat höher und bewegte sich zwischen 6,0 und 9,1 Prozent.

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Dabei fällt auf, dass Pflegekräfte insbesondere in der ersten und zweiten Welle stärker betroffen waren. Allerdings lässt sich laut Wido nur mutmaßen, ob sich die Pflegenden im Arbeitsalltag oder im privaten Umfeld angesteckt hatten. Da der Anteil überproportional hoch sei, könne aber von einer nicht unerheblichen Zahl arbeitsbedingter Infektionen ausgegangen werden. Zahlen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung belegen das. Danach stellen Covid-19-Erkrankungen ein größeres Gesundheitsrisiko im Beruf dar als alle anderen Berufskrankheiten und Arbeitsunfälle zusammen. Besonders häufig erkrankten dabei Pflegende.

Enorme psychische und physische Belastung

Eine weitere Ursache für den hohen Krankenstand sehen die Forscher des Wido in dem schlechten Personalschlüssel in der Pflege. So sei es den Beschäftigten in der Pandemie nicht immer möglich gewesen, die Schutzmaßnahmen einzuhalten. Zudem schlage sich die enorme psychische und physische Belastung im Krankenstand nieder.

„Das medizinische Personal hat in der Coronapandemie die höchste Last schon jetzt getragen“, sagt Erik Bodendieck, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer. Er verweist auf Erkrankungszahlen der Berufsgenossenschaft für Gesundheits- und Wohlfahrtspflege (BGW). Demnach kamen von den 125.371 Fällen, die bis 1. Juli 2021 gemeldet wurden, 44.202 aus dem Bereich der Pflege und 50.251 aus dem Bereich Kliniken.

Der Wido-Analyse liegen die Arbeitsunfähigkeitsdaten von mehr als 14 Millionen AOK-versicherten Arbeitnehmern zugrunde. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt aber auch die Techniker Krankenkasse. Demnach fehlten in Sachsen Pflegekräfte im vergangenen Jahr krankheitsbedingt durchschnittlich 21,8 Tage. Das waren pro Kopf über sechs Tage mehr als andere sächsische Beschäftigte, deren Fehltage im Schnitt bei 15,4 lagen.

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