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Center-Manager: Läden auf für Geimpfte und Getestete

Christian Polkow führt das Bautzener Kornmarkt-Center und macht sich große Sorgen um viele Händler. In einem Brief an den Bundestag wird er sehr deutlich.

Der Manager des Bautzener Kornmarkt-Centers, Christian Polkow, hat schon mehrfach mit Bundestagsabgeordneten über die Situation des Handels gesprochen, hier unter anderem mit Caren Lay von der Linkspartei. Jetzt hat er einen offenen Brief verfasst.
Der Manager des Bautzener Kornmarkt-Centers, Christian Polkow, hat schon mehrfach mit Bundestagsabgeordneten über die Situation des Handels gesprochen, hier unter anderem mit Caren Lay von der Linkspartei. Jetzt hat er einen offenen Brief verfasst. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Mit einem offenen Brief wenden sich ECE-Center-Manager an die Abgeordneten des Bundestages, so auch Christian Polkow vom Bautzener Kornmarkt-Center. Hintergrund ist die bevorstehende Abstimmung zur Änderung des Infektionsschutzgesetzes, die weitreichende Folgen für den Einzelhandel hätte. Sächsische.de sprach mit ihm darüber.

Herr Polkow, was hat Sie veranlasst, einen offenen Brief an die Bundestagsabgeordneten zu schreiben?

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Die geplanten neue Regelungen im Infektionsschutzgesetz stellen eine unverhältnismäßig hohe Last für den Einzelhandel und einige wenige andere Branchen im Vergleich zum Großteil der Wirtschaft dar. Die bundesweite Notbremse hat die erneute Schließung unserer Läden zur Folge. Das gefährdet nicht nur zahlreiche Arbeitsplätze, sondern steht auch im Widerspruch zu wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Verbreitung des Virus.

"Entscheidungen müssen angemessen und fair sein"

Welche meinen Sie?

Das Robert-Koch-Institut stuft das Infektionsrisiko im Handel als niedrig ein. Und auch eine Studie der TU Berlin zeigt: Bei Maskenpflicht im Einzelhandel hat die vollständige Schließung der Geschäfte kaum zusätzliche Wirkung. Dennoch sollen unsere Geschäfte mit den neuen Regelungen geschlossen bleiben. Auch wir wollen die Pandemie stoppen. Die dafür notwendigen Entscheidungen müssen aber angemessen und fair sein.

Das sind sie Ihrer Meinung nach nicht?

Nein. Vieles daran ist unverständlich.

Was konkret?

Dass das Einkaufen in einigen Geschäften sicher und in anderen unsicher sein soll; laut RKI ist das Infektionsrisiko im Handel überall niedrig – in der Drogerie wie im Spielzeuggeschäft. Dass wir unsere Läden - wenn die Notbremse greift - nicht wenigstens für Geimpfte und Getestete öffnen dürfen. Dass der Lockdown im Einzelhandel in Deutschland bereits länger dauert als in allen anderen europäischen Staaten. Dass trotz mehrfacher Corona-Ausbrüche andere Arbeitsstätten geöffnet bleiben, der sichere Einzelhandel aber nicht. Dass es großzügige Entschädigungen für Messen und Flughäfen gibt – aber viele Einzelhändler, Hotels und Gastronomen ihrer Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit beraubt werden.

"Verluste der Händler besser ausgleichen"

Sie schreiben außerdem, dass eine wirksame Kontaktnachverfolgung am Datenschutz scheitert. In vielen Geschäften, die jetzt geöffnet sind, müssen die Kunden doch aber ihre Kontaktdaten hinterlassen...

Aktuell sind die meisten Geschäfte in Sachsen im Rahmen von Click & Meet verpflichtet, Daten ihrer Kunden zu erfassen. Hierfür gibt es keinen einheitlichen Prozess, weshalb es in aller Regel per Hand erfolgt und damit komplizierter und langsamer im Falle einer Nachverfolgung eines Infektionsfalls verläuft als bei möglichen digitalen Lösungen. Ideal wäre eine einheitliche digitale Lösung, wie es sie teilweise sehr gut funktionierend im Ausland gibt. Die aktuell in Deutschland genutzten Apps haben gute Ansätze, aber häufig ist zu hören, dass datenschutzrelevante Themen eine effizientere Nutzung verhindern. Das ist in Anbetracht der Ernsthaftigkeit der Situation mehr als bedauerlich, und wir hoffen auf weitere Verbesserungen bei der Corona-Warn-App oder der Luca-App.

Was fordern Sie von den Bundestagsabgeordneten?

Ich fordere nicht, sondern bitte die Abgeordneten darum, dass sie mit ihren Entscheidungen für wirkungsvolle, faire und nachvollziehbare Regelungen sorgen. Konkret möchte ich, dass wir unsere Läden für Geimpfte und Getestete weiterhin öffnen können und dass die Verluste der Händler besser ausgeglichen werden und die Hilfen verlässlicher fließen. Vielen kleinen Händlern fehlt bei den Überbrückungshilfen der Unternehmerlohn, die Zahlung von einem Großteil der Fixkosten reicht nicht zum eigenen Überleben.

"Viele Mitarbeiter bangen um ihre Jobs"

Wie ist denn aktuell die Lage im Kornmarkt-Center?

Von 62 Shops sind 37 geöffnet: 26 davon nach dem Prinzip Click & Meet und für Kunden mit negativem Corona-Test sowie elf, die Waren für den täglichen Bedarf anbieten, wovon neun ganz regulär offen sind, natürlich unter Berücksichtigung von Hygienekonzepten und Quadratmeterregeln. Die zwei Gastronomen bieten Speisen nur zur Abholung an. Nach den aktuellen Verordnungen gelten auch Frisör Klier und das Nagelstudio Xplore Nails - zumindest Fußpflege - zu den regulär geöffneten Shops, hier brauchen die Kunden aber ebenfalls einen negativen Corona-Test. Eine aktuelle Übersicht bieten wir auf der Internetseite des Kornmarkt-Centers.

Wir nehmen Kunden die Angebote an?

Nach den Erfahrungen der letzten beiden Wochen müssen wir deutlich feststellen, dass die Pflicht zur Dokumentation eines negativen Corona-Tests eine weitere hohe Hürde für die Kunden darstellt. Die Rückmeldungen aus vielen Shops zeigen teilweise sehr geringen Kundenzulauf und oft Unverständnis der Kunden dafür, dass zum Beispiel in Lebensmittelgeschäften oder der Buchhandlung aktuell keine Test- und Dokumentationspflicht besteht, im kleinen Schmuck- oder Modegeschäft hingegen schon.

Wir sind zu 100 Prozent überzeugt davon, dass mit den bewährten Hygienekonzepten ein sehr sicheres Einkaufen branchenunabhängig auch ohne Corona-Tests für die Kunden möglich ist. Wir werden dies gegenüber der Politik auch weiterhin erklären und deutlich machen, dass dem Einzelhandel mit den derzeit geltenden Regeln nicht geholfen ist. Dabei muss ich deutlich sagen, dass es äußerst frustrierend ist, dass die aktuelle Fakten- und Studienlage sich in den geltenden Corona-Schutz-Verordnungen nicht wiederfindet. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bangen daher leider um ihre Jobs.

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