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Radeberger Tafel hilft hunderten Bedürftigen

Durch Corona ist der Anteil einer Gruppe besonders gestiegen. Eine Spende von Supermarktkunden kommt zur richtigen Zeit.

76 Spendentüten für die Radeberger Tafel: Mandy Brandt, stellvertretende Leiterin des Edeka-Marktes im Radeberger Stadtzentrum, übergibt Tafel-Leiter Thomas Kühne die Beutel. Sie sind mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln gefüllt.
76 Spendentüten für die Radeberger Tafel: Mandy Brandt, stellvertretende Leiterin des Edeka-Marktes im Radeberger Stadtzentrum, übergibt Tafel-Leiter Thomas Kühne die Beutel. Sie sind mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln gefüllt. © René Meinig

Radeberg. Mandy Brandt zählt noch einmal durch: „Genau 76 Tüten sind zusammengekommen. Eine sehr erfreuliche Zahl“, sagt die stellvertretende Leiterin des Edeka-Marktes an der Pulsnitzer Straße in Radeberg. Gefüllt ist ein Teil mit Körperpflege-Artikeln: Shampoo, Zahnpaste und vieles mehr. In die anderen Beutel wurden haltbare Lebensmittel gepackt: Obstkonserven, Nudeln, Reis, Pudding. „Bezahlt haben das Radeberger oder andere Kunden in unserem Markt. Sie spendeten fünf Euro pro Tüte. Die Aktion dauerte nur zwei Wochen, ich finde, da ist eine ganze Menge zusammengekommen“, sagt sie.

Einer, den das besonders freut, ist Thomas Kühne. Der Leiter der Radeberger Tafel, konnte die Spenden-Beutel jetzt in seinen Transporter laden. „Sie werden in den nächsten Tagen an diejenigen verteilt, die sie dringend brauchen“, sagt er. Der Inhalt einiger Tüten wird aufgeteilt, die anderen werden komplett vergeben. „Große Familien erhalten gesamte Beutel, Einzelpersonen können aus dem Inhalt auswählen. Sonst würde es ja nicht weit reichen.“ Schließlich kommen rund 600 Menschen jede Woche zur Radeberger Tafel. „Dazu zählen neben der Ausgabestelle in Radeberg die Verteilpunkte in Pulsnitz, Großröhrsdorf und Ottendorf-Okrilla“, sagt der Tafelchef.

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Krankheit, Scheidung, Todesfall - Gründe für Bedürftigkeit sind vielfältig

Rund 30 Frauen und Männer helfen bei der Radeberger Tafel derzeit mit. Sie geben die Lebensmittel an den Verteilpunkten aus oder holen die Ware von den Supermärkten ab. 600 bedürftige Frauen und Männer, schon an dieser Zahl ist ersichtlich, dass die Nachfrage enorm ist. „Wir sind voll ausgelastet“, sagt auch Thomas Kühne. Die Kunden der Radeberger Tafel gehören allen Altersgruppen an. „Zu uns kommen junge Leute, Menschen in den mittleren Jahren, aber auch viele Ältere.“

Die Gründe, sich günstige Lebensmittel oder andere Dinge von der Tafel zu holen, sind vielfältig, sagt Thomas Kühne: „Eine plötzliche Arbeitsunfähigkeit durch eine Erkrankung kann der Auslöser sein, eine Scheidung, ein Todesfall oder psychische Probleme. Ältere haben oft eine geringe Rente, sodass sie auf unsere Unterstützung angewiesen sind.“

Eine Gruppe Menschen ist nach seinen Worten in den vergangenen Monaten zusätzlich zu den Ausgabestellen gekommen. „Das sind Kurzarbeiter. Häufig wurden sie von großen Firmen freigestellt. Der Grund ist natürlich die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Da sie in dieser Zeit ein geringeres Einkommen haben, kommen sie zu uns.“

Laut Tafel Deutschland hat die Pandemie überhaupt große Auswirkungen auf die Arbeit in den Städten und Gemeinden. Die Tafeln verzeichnen gegenüber dem vergangenen Jahr 35 Prozent mehr Kunden, die in Kurzarbeit sind (Stand Mai 2021). Ähnlich hoch fällt der Anstieg bei Frauen und Männern aus, die Arbeitslosengeld II beziehen. Hier ist ein Plus von einem Drittel zu verzeichnen. Deutschlandweit kommen auch mehr ältere Menschen zu den Tafeln. Hier beträgt die Zunahme 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ein Rückgang ist bei der Nachfrage durch Asylbewerber zu verzeichnen. Das Minus beträgt 23 Prozent.

Auch die Tafeln selbst bekommen die Auswirkungen von Corona zu spüren. Der Aufwand ist durch die Hygieneregeln deutlich gestiegen, hat eine Umfrage unter den Tafeln in Deutschland ergeben. So musste beispielsweise Schutzausrüstung angeschafft werden. Bei einigen Tafeln waren die finanziellen Ausgaben höher, etliche beklagen einen Mangel an Lebensmitteln. In Radeberg und Umgebung funktioniert der Nachschub mit Lebensmitteln offenbar gut. „Die Zusammenarbeit mit den Märkten funktioniert sehr gut. Der Verein Tafel Deutschland hat ja Verträge mit den großen Anbietern abgeschlossen. Im Rödertal bekommen wir auch Ware von großen Erzeugern wie Heinrichsthaler oder Sachsenmilch in Leppersdorf. Dafür sind wir sehr dankbar“, sagt Thomas Kühne.

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In Radeberg gibt es eine Besonderheit. Neben der Tafel bietet der Radeberger Tisch Hilfe für Bedürftige an. 2012 hatte der Verein zur beruflichen Förderung von Frauen (VbFF) mit Sitz in Chemnitz Insolvenz angemeldet. Er war Träger der Radeberger Tafel. Dringend musste ein Nachfolger her. Der in Radeberg ansässige Verein Mehrgenerationenzentrum erklärte sich bereit, die Tafelarbeit weiterzuführen. Allerdings versagte der Landesverband der Tafeln dem Tisch die Anerkennung. In Radeberg bildete sich eine neue Tafel. Jetzt versorgen beide Organisationen Bedürftige in Radeberg und Umgebung.

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