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Aufatmen bei Hoteliers im Landkreis

Hotelbetreiber zwischen Schmilka und Freital freuen sich über das ausgesetzte Beherbergungsverbot. Damit dürfte die Verunsicherung bei Reisenden schwinden.

Wohin soll die Reise gehen? Urlauber waren zuletzt sehr verunsichert.
Wohin soll die Reise gehen? Urlauber waren zuletzt sehr verunsichert. © Daniel Schäfer

Die Verunsicherung war groß. "Am Freitag hatten wir mehrere Gäste am Telefon, die sich bedankt haben, dass sie wieder ohne Hindernisse in die Sächsische Schweiz reisen dürfen", sagt Tino Richter, Geschäftsführer des Tourismusverbands Sächsische Schweiz. Eine Anruferin hatte bereits zweimal ihre Reise nach Sachsen wegen der Regeln des Beherbergungsverbots verschoben.

Zuvor hatte es Anfragen gegeben, die manchmal nur schwer zu beantworten waren. So wollte etwa eine Stuttgarterin wissen, die seit einigen Tagen auf dem Malerweg gewandert war, wie sie beim nächsten Check-in nachweisen solle, dass sie nicht gerade aus einem Corona-Hotspot kommt, sondern aus einem anderen Hotel im Landkreis. Ihre Heimatstadt war während ihrer Reise über die Marke von 50 Corona-Infizierten je 100.000 Einwohnern gestiegen. Tino Richter konnte nur raten, sich an den geplanten Vermieter zu wenden oder sich einen Negativ-Test zu besorgen. Wie der Fall ausging, wisse er aber nicht.

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Neue Rekordzahlen für August

Dass die Hoteliers die Abschaffung des Verbots befürworten, Menschen aus deutschen Risikogebieten ohne Negativ-Test zu beherbergen, ist nicht verwunderlich. Im Lockdown im Frühjahr haben sie schon viel an Umsatz verloren. Auch wenn über Kurzarbeit einige Personal-Ausgaben abgefangen wurden, waren die Einbußen dennoch enorm.

Der Schmilkaer Hotelier Sven-Erik Hitzer erinnerte daran, dass auch im Mai schon Sachsen Vorreiter war und als erstes Bundesland wieder Urlaubsreisen möglich machte. "Das war damals der richtige Schritt und das ist die jetzige Entscheidung auch", sagt er und dankt ausdrücklich Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). 

In der Sächsischen Schweiz läuft das Tourismus-Geschäft derzeit so gut, dass es Beherbergungsbetriebe dank der Steuererleichterung fast schaffen könnten, die Einbußen wieder rauszuholen. Gerade sind die aktuellen Übernachtungs-Zahlen für August veröffentlicht worden. 

Die sogenannte Schnellmeldung der gewerblichen Betriebe hat für jenen Monat ein Plus von mehr als 20 Prozent gegenüber dem August des Rekordjahres 2019 ausgewiesen. Auch das Tourismusgebiet Erzgebirge hatte 5,6 Prozent touristische Übernachtungen mehr registriert. "Dank Sachsens politischer Entscheidung könnten wir es hier noch schaffen, die negativen Effekte von Corona doch noch auszutarieren", sagt Hitzer.

Verunsicherte Montage-Arbeiter

Auch in Freital lief es zuletzt ganz gut bei den Übernachtungszahlen. Marko Siegel, der Inhaber des Hotels Pesterwitzer Siegel, warnt allerdings vor zu großer Euphorie, weil es auch in der Gastronomie der Hotelbetriebe Einbußen gibt. Wegen der Abstandsregeln konnte er beispielsweise weniger Tische aufstellen. "Mir fehlen etwa 40 Prozent der Plätze, deshalb mussten wir Gäste auch schon mal wegschicken, weil wir voll waren", sagt Siegel. Der Umsatz fehlt gegenüber den früheren Jahren.

Siegel macht in Sachen Beherbergungsverbot auf eine weitere Ungereimtheit aufmerksam. Bei ihm übernachten auch Geschäftsreisende oder Arbeiter, die wochenlang auf Montage hier in der Region sind. Siegel fragt: "Müssten die dann abreisen, wenn ihr Heimatort Corona-Hotspot geworden ist? Darf ich sie gar nicht einchecken, obwohl sie unmittelbar von einer anderen Baustelle aus einem Nicht-Risikogebiet kommen?" Das sei weder praktikabel noch für die restliche Wirtschaft verkraftbar, wenn Dienstreisen erschwert würden, weil die Zahl der Risikogebiete weiter steigt.

© SZ Grafik

Tourismus-Hochburgen keine Corona-Hotspots

Hotelier Hitzer stellt außerdem grundsätzlich infrage, dass innerdeutsche Reisen das Infektionsrisiko erhöhten. "Es gibt keinen nachgewiesenen Fall, der auf das Reiseverhalten zurückzuführen ist", sagt er. Auch die frühe Öffnung der Hotels im Mai in Sachsen habe nicht zu besonderen Infektionszahlen im Freistaat geführt.

Das ist zwar nicht wissenschaftlich untersucht, aber der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge scheint geradezu ein Parade-Beispiel dafür zu sein, dass Reisen nicht ausschlaggebend für Infektionszahlen sind. Rechnet man die Zahlen der nachgewiesenen Infektionen und damit die Inzidenz für Risikogebiete hoch, gehören Tourismus-Hochburgen wie Bad Schandau, Rathen, Lohmen, Königstein oder Pirna nicht zu den lokalen Corona-Hotspots, sondern eher Gemeinden, wo der Tourismus wesentlich weniger prägend ist, wie etwa Dippoldiswalde, Müglitztal oder Dorfhain. Auch in Altenberg konzentrierten sich die Infektionen auf die Schule und nicht auf ein Hotel.

Allerdings muss man bei solchen statistischen Betrachtungen auch beachten, dass beispielsweise eine einzige Covid-19-Erkrankung in Rosenthal-Bielatal sofort dafür sorgt, dass die Inzidenz auf 62 also über den kritischen Wert von 50 springt. In Gohrisch und Hermsdorf/Erz. sorgte dafür auch nur eine einzige nachgewiesene Infektion.

Hygiene-Standards sind weiter hoch

"Eine Infektionsgefahr in Hotels, Ferienwohnungen und Pensionen ist nicht belegt", erklärt der Tourismusverband Erzgebirge. Deshalb begrüßte man auch dort die Entscheidung des Ministerpräsidenten. Wegen der hohen Dynamik in der Pandemie herrsche eine gewisse Verunsicherung. Da sei es angesichts der Herbstferien eine wichtige Botschaft, dass Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe sowie Freizeiteinrichtungen bewährte Hygienekonzepte umsetzten. "Sie sind sich ihrer Verantwortung bewusst, sodass Reisende ihren Urlaub im Erzgebirge sorgenfrei und bedenkenlos antreten können", heißt es vom Verband.

Das gilt erst recht, seit der Erzgebirgskreis den Inzidenz-Wert von 50 überschritten hat. Es sei deshalb aber nur vereinzelt zu Umbuchungen gekommen, erklärt der Tourismusverband auf Nachfrage.

Erstaunlich ist, dass sich sogar das sonst eher zurückhaltende Robert-Koch-Institut schnell gegen das Beherbergungsverbot ausgesprochen hat. Allerdings aus ganz anderen Gründen als einer unklaren Infektionsgefahr: Der zusätzliche Testbedarf von Urlaubern aus Risikogebieten, die eine Reise planen, könnte zu Lieferengpässen führen, hieß es.

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