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Schönster Winter und der Lift steht still

Wintersport ist in der Corona-Zeit nicht möglich. Das trifft Betreiber im Osterzgebirge hart. Aufgeben wollen sie nicht.

Unterstützt von Sohn Daniel hätte Herbert Wolfram (links) normalerweise jetzt alle Hände voll an der Rehefelder Sesselbahn zu tun gehabt. Doch bei idealen Wintersportbedingungen stehen beide am eingeschneiten Lift, der wegen der Corona-Krise nicht in B
Unterstützt von Sohn Daniel hätte Herbert Wolfram (links) normalerweise jetzt alle Hände voll an der Rehefelder Sesselbahn zu tun gehabt. Doch bei idealen Wintersportbedingungen stehen beide am eingeschneiten Lift, der wegen der Corona-Krise nicht in B © Egbert Kamprath

Tief verschneit wie seit Jahren nicht mehr präsentiert sich gegenwärtig das Osterzgebirge. Und kaum einer ist da, um mit den Langlaufskiern durch den Winterwald zu rutschen oder an den Liften die Abhänge hinab zu sausen.

Nur wenige Einheimische sind in der weißen Landschaft unterwegs. Die Berge müssen sie dabei aus eigener Kraft erklimmen, denn trotz bester Bedingungen stehen sämtliche Lifte still. Wegen der geltenden Coronabestimmungen sind sie in dieser Saison nicht ein einziges Mal gelaufen. Was für die Wintersportler einfach nur Ärger verursacht, ist für die Betreiber schlichtweg eine Katastrophe.

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Besonders hart trifft es Herbert Wolfram in Rehefeld. Er betreibt hier mit der Sesselbahn und dem Lift am Friedhofsberg die „Winterwelt“. Dazu kommen normalerweise noch Safaris mit dem Motorschlitten. Doch alles ist gecancelt, die Technik steht und die Hänge sind verwaist.

„Nach den vielen schneearmen letzten Jahren hatten wir auf diese Saison gehofft. Durch die Gegebenheiten in Rehefeld kann keine künstliche Beschneiung eingesetzt werden, wir sind auf Naturschnee angewiesen. Davon gibt es ausgerechnet jetzt reichlich und wir haben nichts davon“, schildert Herbert Wolfram die Lage. In der letzten Saison ist die Sesselbahn an vier Tagen gelaufen, bei der Snowtubing-Anlage waren es lediglich zwei Wochen. Deshalb wären die gegenwärtigen Wintersportbedingungen wie ein warmer Regen gewesen.

Wenn einmal weg, dann für immer

Die dringend nötigen Einnahmen hätten Herbert Wolfram die Möglichkeit gegeben, Geld in den Erhalt des Lifts zu investieren. „Wir versuchen, durch gründliche Wartung die Technik so gut und lange wie möglich am Laufen zu halten, aber irgendwann muss doch mal investiert werden“, sagt der Liftwart, der seit 2008 die von der Stadt Altenberg gepachtete Anlage betreibt.

Normalerweise stehen ihm in der Saison 15 Pauschalkräfte zur Verfügung, für die es aber jetzt nichts zu tun gibt. Auch der einzige Festangestellte ist in Kurzarbeit. „Ich hoffe, dass meine Leute zur Stange halten, falls es wieder losgeht“, schildert Herbert Wolfram eine weitere Sorge.

Ihn bewegen nicht nur die weggefallenen Einnahmen. Auch ein stehender Lift verursacht beträchtliche Kosten. Der Rehefelder beziffert sie im Jahr auf mehrere Zehntausend Euro, von Aufwendungen für Telefonanschluss, Versicherung, Abwassergebühren und Notheizung bis zu Pflegearbeiten. Allein der nötige TÜV kostet 3.500 Euro. „Man kann die Anlage auch nicht einfach so ausschalten. Der Lift muss einmal im Monat laufen, sonst steht er sich kaputt.“

Ob es in irgendeiner Form Ausgleichszahlungen für die Zwangsschließung gibt, weiß gegenwärtig keiner. Herbert Wolfram gibt die Hoffnung nicht auf. „Im Frühjahr ist Kassensturz, dann werden wir sehen ob und wie es weitergeht. Wenn ich aufgebe und der Lift schließt, dann bin ich der Meinung, ist es für immer.“ Allein die Vorgaben in Sachen Naturschutz sind so streng, dass es schwierig ist, rentabel zu arbeiten.

Für Rehefeld wäre das ein herber Schlag. Die angebundene Naturrodelbahn ist ein Alleinstellungsmerkmal und wird immer beliebter. 52 Prozent aller Bergfahrer waren zuletzt Rodler. Andere hätten nach den vielen schneearmen Wintern sicher schon lange aufgegeben. Wir sehen uns als Familienbetrieb, der auch eine Verantwortung für die Region hat.“

Eigentlich wollte der mittlerweile 72-Jährige die „Winterwelt“ längst in die Hände von Sohn Daniel übergeben, was das Fortbestehen der Freizeiteinrichtungen sichern sollte.

Doch dieser hat wegen der Corona-Krise gerade seine eigenen Sorgen. Zusammen mit Frau Christin betreibt er in der Neuhermsdorfer Kammbaude sowie in der Altenberger Villa Unger eine Zimmervermietung. Das lief im Sommer sehr gut, doch nun ist wegen der heruntergefahrenen Beherbergungsbranche dieses Standbein komplett weggebrochen, die Einnahmen aufgebraucht. Daniel Wolfram fährt Winterdienst, um die Zeit des Lockdowns irgendwie zu überbrücken. Ihm bleibt die Hoffnung, dass die Deutschen dieses Jahr Urlaub im eigenen Land machen und so das Vermietungsgeschäft im Sommer angekurbelt wird. Doch wann das passiert, steht in den Sternen.

In Schellerhau sieht’s düster aus

Während die Zukunftsaussichten für den ebenfalls geschlossenen Skilift im benachbarten Altenberg nicht ganz so düster sind, schließlich steht dahinter die weltweit agierende Firma Wiegand, die in der warmen Jahreszeit auch die benachbarte Sommerrodelbahn betreibt, sieht es in Schellerhau dagegen gar nicht gut aus.

Christoph Rotter betrieb hier viele Jahre lang einen kleinen Schlepplift. Angesichts der Entwicklung im Herbst baute er die Anlage diesmal gar nicht erst auf. Wie sich gezeigt hat, war es die richtige Entscheidung. Mittlerweile hat er das Gewerbe abgemeldet und ist sich nicht sicher, ob die Familie den Lift je wieder in Betrieb nehmen wird.

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