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SOE: Fahrradersatzteile werden knapp

Hätte, hätte gerne eine Fahrradkette - der Fahrradmarkt erlebt wegen Corona Rekordumsätze, doch der Nachschub aus Fernost stockt.

Mechanikermeister Sandro Neubert vom Zweiradservice Gey in Ruppendorf. „Wir können zwar noch einiges anbieten, aber wer eine bestimmte Farbe oder Ausstattung wünscht, der hat es immer schwerer.“
Mechanikermeister Sandro Neubert vom Zweiradservice Gey in Ruppendorf. „Wir können zwar noch einiges anbieten, aber wer eine bestimmte Farbe oder Ausstattung wünscht, der hat es immer schwerer.“ © Egbert Kamprath

Fahrradersatzteile, im Internet normalerweise mit wenigen Klicks fast über Nacht beschafft oder durch einen schnellen Besuch beim Fachhändler, sind zur Zeit Mangelware. Von den Händlern gibt es Antworten wie „Haben wir nicht...!“, „Das dauert aber...!“ oder „Wir wissen nicht, wann wieder was reinkommt...!“ Zu Zeiten der Mangelwirtschaft war das so üblich. Dass so etwas aber in der heutigen Zeit noch einmal wiederkehren würde, hätte sich kaum jemand vorstellen können.

Corona sorgt für Fahrrad-Boom

So geht es auch Zweiradmechanikermeister Sandro Neubert beim Zweirad- und Motorgeräteservice Gey in Ruppendorf. „Das Geschäft mit den Fahrrädern, speziell mit den E-Bikes, entwickelt sich schon seit Jahren kontinuierlich nach oben. Im letzten Jahr kamen die Beschränkungen durch Corona dazu. Statt in den Urlaub zu fahren, blieben die Leute im eigenen Land, das sie dann radelnd erkunden. Oder sie haben mehr Zeit als ihnen lieb ist, weil in der Firma Kurzarbeit oder Homeoffice angesagt ist. Da Turnhallen und Fußballplätze gesperrt sind, ist Radfahren eine von wenigen verbliebenen Alternativen für sportliche Betätigung“, sagt der Servicetechniker dazu.

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Probleme mit Nachschub aus China, Korea und Taiwan

Eigentlich wäre die explodierende Nachfrage ein Grund zur Freude, doch ausgerechnet diese erzeugt bei den Händlern und damit auch bei den Kunden immer mehr Sorgenfalten. Hersteller und Lieferanten kommen beim Nachschub nicht mehr hinterher. Die Fahrradgeschäfte sind auf den ersten Blick zwar noch gut bestückt, doch die Reihen der angebotenen Bikes lichten sich trotz geltender Verkaufsbeschränkungen zunehmend. Die gewohnte breite Auswahl weicht einem Sortiment an Einzelstücken. „Wir können zwar noch einiges anbieten, ganz so dramatisch ist es nicht, aber wer eine bestimmte Farbe oder Ausstattung wünscht, der hat es immer schwerer“, sagt Sandro Neubert dazu. „Zum Glück haben wir diese Entwicklung zumindest in Ansätzen geahnt und schon frühzeitig deutlich mehr Ersatzteile bestellt. Kurzfristig würde man diese jetzt nicht mehr bekommen.“ So können die meisten Kunden nach wie vor mit reparierten Rädern die Werkstatt wieder verlassen.

In der globalisierten Welt kommen viele Komponenten aus Übersee, doch der Nachschub aus China, Korea oder Taiwan stockt. Container sind knapp und teuer geworden. So hat sich der Transportpreis schon mehrfach verdoppelt. Lagen die Verschiffungskosten für ein Rad bislang bei 6 Euro, so sind es jetzt 30 Euro. Dazu kommen unerwartete Probleme, wie der kürzlich im Suezkanal aufgelaufene Riesenfrachter. Auch er hatte Fahrradnachschub geladen, genauso wie die blockierten Schiffe, die hinter ihm einen langen Zwangsstopp einlegen mussten.

So können selbst einheimische Fahrradhersteller nicht liefern, da einzelne Zulieferkomponenten fehlen und wenn es an sich simple Bremsbeläge sind. Was produziert wird, das kommt nicht ins Lager, sondern wird sofort wieder verbaut. Doch der Rückstau geht schon zurück auf Bestellungen aus dem Vorjahr. Mit einem kleinen Augenzwinkern meint Sandro Neubert, dass „Vitamin B“ zunehmend eine Rolle spielen wird. Mit Beziehungen und Tauschhandel rarer Güter kennen sich viele Ostdeutsche noch gut aus. Für den Ruppendorfer Zweiradservice heißt das auch, neue Beschaffungswege zu erschließen. So orderte Sandro Neubert kürzlich ein im Internet entdecktes Ersatzteil aus Spanien.

Fahrradreparaturen langfristig planen

Auch bei Bike Point in Freital wird inzwischen zunehmend mit den Ersatzteilen jongliert. Von Mitarbeiter Christian Melzer ist zu erfahren, dass es immer wieder einen Austausch mit den beiden anderen Geschäftsstandorten in Dresden gibt. Was vor Ort nicht vorrätig ist, liegt bei den Kollegen in der Landeshauptstadt oft noch im Regal, da hier das Kundenspektrum etwas variiert. „Wir haben bislang immer eine Lösung gefunden“, sagt Christian Melzer nicht ohne Stolz.

Er stellt mit Blick auf die Erfahrungen der letzten Zeit fest, dass von den Leuten die Kompetenz der Fachbetriebe am Platz neu schätzen gelernt wird. Wo das Internet an seine Grenzen kommt, finden die Mitarbeiter hier vielleicht noch einen Ausweg. Um unliebsame Überraschungen zu vermeiden, rät der Fachmann aber, Fahrradreparaturen oder Wartungen langfristig zu planen. In der Freitaler Werkstatt betragen gegenwärtig die Wartezeiten zwischen vier und sechs Wochen. Da wird das Durchchecken mal schnell vor dem Urlaub schwierig, vor allem dann, wenn Ersatzteile fehlen.

Termine für Fahrradcheck erst im Juni

So sieht es auch Steve Siebert im Altenberger Fachgeschäft Bike-Zeit. Gut beraten war der, der sein Fahrrad schon im Winter hat warten lassen. Jetzt dauert es zumindest seine Zeit. Gegenwärtig werden Termine für den Juni vergeben. „Zum Glück haben wir vorsorglich Ersatzteile in großzügiger Menge bestellt, das sorgt jetzt für ein gewisses Polster. Materialbestellungen, die wir jetzt abschicken, werden frühestens im August erfüllt“, schildert Steve Siebert die Lage. „Wenn alles gut geht!“, fügt er noch hinzu.

Eng wird es vor allem bei mechanischen Teilen wie Gangschaltungen oder Ketten, aber auch schon bei speziellen Bremsbelägen. Bei Reifen und Schläuchen ist die Lage noch nicht ganz so angespannt. Das Problem ist die enorme Bandbreite, die auf dem Fahrradmarkt mittlerweile herrscht. Jeder Hersteller hat seine eigenen Systeme. So ist Kette nicht einfach Kette. Sie unterscheiden sich in Länge und Stärke, wie auch die Schaltungen bei der Anzahl der Gänge.

„Bei dieser Vielfalt kann man sich nicht beliebige Mengen ins Regal legen“, sagt Steve Siebert. Dass die Preise nur noch eine Richtung kennen, haben die Kunden mittlerweile akzeptiert, auch, dass hochwertige Ware entsprechend kostet. Auf der Suche nach dem Bike der Träume schauen sich die Leute inzwischen im Umkreis von mehrere Hundert Kilometern um. So kaufte unlängst ein Interessent aus Heilbronn in Baden-Württemberg ein hochwertiges Kinderfahrrad der Marke Early Rider für 700 Euro. Er hatte es nirgendwo mehr bekommen und entdeckte das gesuchte Stück schließlich auf der Internetseite der Altenberger, die ihm so helfen konnten.

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