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Corona: Stöcker will Antigen im Kreis Görlitz testen

Der Lübecker Professor erhofft sich von der Impfung Tausender den Nachweis, dass sein Antigen wirkt. Gegen Konkurrent Biontech erhebt er schwere Vorwürfe.

Prof. Winfried Stöcker aus Lübeck verteidigt sein Antigen gegen das Coronavirus.
Prof. Winfried Stöcker aus Lübeck verteidigt sein Antigen gegen das Coronavirus. © Stern TV

Görlitz. Der Lübecker Arzt Winfried Stöcker nutzt jede Möglichkeit, um für sein Antigen gegen das Coronavirus zu werben. Am Dienstagabend trat er bei einer Videokonferenz des Wirtschaftsrates der CDU in Sachsen auf, an der rund 40 Interessierte teilnahmen.

Stöcker: Antigen ist viel besser als mRNA-Impfungen

Auch hier bezeichnete er sein Antigen als das "ideale Verfahren, um einer Covid-19-Erkrankung zu begegnen". Zumal es den Vorteil biete, dass man nicht erst wie bei der Impfung mit Seren von Biontech-Pfizer, AstraZeneca, Moderna oder Johnson & Johnson den Organismus damit belaste, Antigene selbst herzustellen und dabei auch Erkrankungen in Kauf nimmt.

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Sein Antigen, das von Mitarbeitern der Firma Euroimmun in Lübeck hergestellt werde, mache dagegen die Menschen immun, ohne dass sie krank werden.

Stöcker hatte seine ersten Selbstversuche im vergangenen Jahr durchgeführt. Seitdem habe er Antikörper gegen das Coronavirus. Im September wandte er sich an das Paul-Ehrlich-Institut mit der Absicht, dass sein Verfahren zugelassen wird. Statt Unterstützung aber erhielt Stöcker eine Anzeige. Seitdem laufen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Lübeck. Eine Entscheidung über die rechtliche Würdigung liegt noch nicht vor.

Stöcker, der vom FDP-Vizevorsitzenden Wolfgang Kubicki vertreten wird, ist der Auffassung, dass ein Arzt seinem Patienten ein Antigen, wie er es entwickelt hat, ohne behördliche Genehmigung verabreichen kann. Er darf es nur nicht weiter vertreiben. Eine Zulassung als Impfstoff aber benötige er nicht. Stöcker spricht neuerdings aber bei seiner Impfung nicht mehr von einem Heilverfahren. Zuletzt machte eine Ärztin aus dem Landkreis Görlitz Schlagzeilen, weil sie Stöckers Antigen verimpfte. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft auch gegen sie.

Stöckers Kritik an der vermeintlichen Pharmalobby

Erneut äußerte Stöcker den Verdacht, dass andere Impfhersteller keine Wettbewerber dulden wollen und deswegen "versuchen, uns anzufeinden". Vor allem die Firma Biontech in Mainz rückt dabei in den Fokus von Stöcker. "Im Gegensatz zu den Leuten aus Mainz" brauche Stöcker sich keine Partner aus der Pharmaindustrie zu suchen, um eine Immunisierung mit Hilfe des Antigens auf den Markt zu bringen. Er kündigte an, im Ausland seinen Impfstoff nun zu verbreiten. Verschiedene Länder seien auf ihn zugekommen.

Auch wandte sich Stöcker gegen die Forderungen, vor einer Zulassung eines Impfstoffs umfangreiche Studien mit Tausenden von Probanden durchzuführen, um festzustellen, ob ein Impfstoff schädliche Auswirkungen auf Menschen haben könne. Stöcker erinnerte an die Pandemie, an das gefährliche Covid-19-Virus, an dem viele Menschen sterben. "In einer solchen Situation, solche Studien zu fordern, ist die größte Dummheit." Ziel sei nur, dadurch die Messlatte so hoch zu legen, damit niemand anders herankommt. Die großen Anbieter der Impfstoffe gegen das Coronavirus hätten schließlich ein Interesse daran, "dass wenige Wettbewerber nur zugelassen werden".

Medizinische Experten schätzen Stöckers Ansatz als naheliegend und potenziell erfolgsversprechend ein, weil er auch bei anderen Erkrankungen wie der Hepatitis funktioniere. Aber sie bestehen darauf, dass das Antigen genauso das Zulassungsverfahren für Impfstoffe durchlaufe wie alle anderen auch. Das aber lehnt Stöcker ab. Auf seiner Internetseite schreibt er: "Schon nach den ersten fünf auf Anhieb erfolgreichen Immunisierungen – wie vorausgesagt – brauche ICH keine Studie mehr, da ich die Sache als wirklicher Experte von Anfang an durchschaut habe und der Impferfolg feststeht."

Gerade Biontech mit seinen Patenten auf das mRNA-Serum und der Absicht, in den kommenden Monaten Milliarden an Aktien auszugeben, habe ein großes Interesse daran, dass dieser wunderbare Brunnen nicht trockengelegt wird. Wenn sich aber zeigen würde, dass sein Antigen wirksamer sei, dann könnte die Firma "ihre Patente in den Müll werfen. Das ist die Ursache, warum mein Antigen so bekämpft wird", sagte Stöcker.

Kein Versicherungsschutz für Probanden

Um die Wirksamkeit seines Antigens nachzuweisen, schlug Stöcker vor dem Wirtschaftsrat einen Feldversuch im Landkreis Görlitz vor - wo er wisse, das viele Menschen aufgeschlossen seiner Impfung gegenüberstehen. Hier könne man eine größere Zahl von Personen impfen und anschließend sehen, ob sie gegen das Coronavirus geschützt seien und die Inzidenzrate sinke. Das wäre der Beweis, "wie gut das Antigen ist".

Um diesen Beweis zu führen, müsste dieser Vorstoß Stöckers schnell auf fruchtbaren Boden fallen. Denn mittlerweile sind über 100.000 der 252.000 Einwohner im Kreis genesen oder mindestens einmal mit einem zugelassenen Impfstoff geimpft - die Inzidenz geht auch deswegen bereits kontinuierlich im Kreis zurück, besonders bei den besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen, die als Erste geimpft wurden. Dass die Behörden auf Stöckers Vorschlag eingehen, ist aber angesichts der Lage kaum vorstellbar.

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Zumal Stöcker den Probanden auch keinen Versicherungsschutz geben kann. "Wenn etwas schiefgeht, ist jeder selbst betroffen. Es gibt keine Möglichkeit, bei mir etwas zu holen", sagte Stöcker. Doch die Gefahr sei gering, weil beim Impfen mit dem Antigen bislang bei niemandem ernsthafte Zwischenfälle aufgetreten seien. "Ich will den Menschen schützen vor der Krankheit. Versicherungsschutz ist mir völlig egal".

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