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Corona: Was Händler und Kunden aufregt

Im Corona-Lockdown gibt es für die einzelnen Branchen verschiedene Vorgaben. Das verwirrt und verunsichert in der Region Döbeln.

Thomas Renner (links) von der RHG Waldheim darf zurzeit nur Gewerbekunden wie Sven Heller von der Firma Schneider Hochbau-Tiefbau-Straßenbau aus Geringswalde bedienen.
Thomas Renner (links) von der RHG Waldheim darf zurzeit nur Gewerbekunden wie Sven Heller von der Firma Schneider Hochbau-Tiefbau-Straßenbau aus Geringswalde bedienen. © Lars Halbauer

Region Döbeln. Die Unzufriedenheit unter den Händlern wächst. Denn Vieles, das die Regierung aufgrund der Corona-Pandemie vorgibt, empfinden sie als ungerecht. Zudem sind die Richtlinien verwirrend, weil für jede Branche unterschiedlich. Was bei dem einen in Ordnung ist, stellt bei dem anderen eine Ordnungswidrigkeit dar.

„Es kann nicht sein, dass die großen Discounter jetzt den großen Umsatz machen, während der kleine Einzelhändler um seine Existenz kämpft“, sagt Klaus Vester vom Vorstand des Handelsverbandes Sachsen. Auch kann er nicht nachvollziehen, dass die Gastronomiebetriebe, die viel Geld in die Umgestaltung ihrer Restaurants gesteckt haben, um allen Vorgaben gerecht zu werden, dann doch wieder schließen mussten.

Stars im Strampler aus Döbeln
Stars im Strampler aus Döbeln

Hier werden Fotos von Neugeborenen gezeigt, die aus Döbeln oder aus der Region kommen. Vielleicht ist auch Ihr Bild bald dabei?

Und jedes Bundesland trifft eigene Entscheidungen. „Demokratisch wäre es, wenn sich alle Bundesländer zu einem Thema verständigen und es dann auch überall gleich umsetzen“, so Vester.

Prekär sei zudem die finanzielle Situation. 11 Milliarden Euro wollte der Staat seit November zur Unterstützung zur Verfügung stellen. Lediglich 10 Millionen Euro seien bisher ausgezahlt. „So bringen sie die Innenstädte um“, meint Vester drastisch.

Kein Verkauf - Auslieferung ausgebremst

Auf seine eigene Firma Vepo Polster in Ostrau blickend, sagt er: „Wir überstehen die Krise, wenn sie nicht zu lange dauert.“ Öffnen darf auch er nicht, obwohl Abstand halten kein Problem wäre. 2.000 Quadratmeter misst die Verkaufsfläche. Auf der sehen sich im Durchschnitt fünf bis zehn Kunden täglich Polstermöbel an. „Das wäre händelbar.“

Die Verkäufer musste Klaus Vester in Kurzarbeit schicken. Die Auslieferung schon länger bestellter Ware erfolgt aber weiter. Allerdings funktioniert auch das nicht problemlos. Denn der Geschäftsmann, der darauf achtet, weitestgehend deutsche Produkte zu verkaufen, hat während der Pandemie eine Entdeckung gemacht: Viele Einzelteile der Polstermöbel werden im Ausland gefertigt. Da auch dort Corona die Produktion ausbremst, verzögert sich hier die Lieferung. Trotz allem hat Klaus Vester den Optimismus nicht verloren. „Bei mir ist das Glas immer halbvoll und nie halbleer“, zieht er den bildlichen Vergleich.

Angebot vor der Ladentür

Blumen-Schubert in Leisnig gehört zu den wenigen Floristikfirmen in der Region, die öffnen dürfen. Denn das ist nur Betrieben gestattet, die selbst produzieren und vermarkten. Die Gärtnerei, die zu Blumen-Schubert gehört, macht es also möglich. „In Absprache mit dem Ordnungsamt bieten wir Primeln, Alpenveilchen, Azaleen und Chrysanthemen vor dem Geschäft an der Chemnitzer Straße an“, sagt Inhaberin Katrin Schuricht. „Wir dürfen niemanden reinlassen.“

Katrin Schuricht vom Blumenhaus Schubert in Leisnig darf vor ihrem Geschäft verkaufen.
Katrin Schuricht vom Blumenhaus Schubert in Leisnig darf vor ihrem Geschäft verkaufen. © Dietmar Thomas

Die Kunden nehmen dies trotzdem gut an. Denn auch in der jetzigen Zeit wollen sie einen blumigen Gruß zum Geburtstag überreichen oder auf ein Grab legen. Katrin Schuricht ist dankbar, dass sie öffnen darf, lässt aber die Geschäfte am Leisniger Markt und in Döbeln trotzdem geschlossen. Zwei Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. In Grimma bietet die Firma neben Pflanzen auch Gemüse an.

Der Januar sei ohnehin ein umsatzarmer Monat. Da habe der Lockdown im April und Mai 2020 mehr weh getan. Etwa 20 Prozent des Umsatzes habe Blumen-Schubert damals eingebüßt. Denn in diesen Monaten herrscht sonst Hochkonjunktur, weil Pflanzzeit ist. Die beginnt in einigen Wochen erneut und Katrin Schuricht hofft, dass sie dann wieder alle Geschäfte öffnen kann.

Baumarkt nur für Gewerbekunden geöffnet

Die Baumärkte der RHG haben nur für Kunden geöffnet, die einen Gewerbeschein vorlegen können. „Privatkunden können sich per Telefon oder Mail informieren, ob eine Lieferung möglich ist, wenn sie dringend etwas benötigen“, erklärt Vorstand Torsten Hamann. Beim Lockdown im Frühjahr 2020 war noch die Abholung der zuvor von den Mitarbeitern zusammengestellten Waren am Markt möglich.

Mit der jetzigen Variante, „wurde uns ein großer Teil des Tagesgeschäfts genommen“, so Hamann. Etwa die Hälfte der Mitarbeiter befindet sich in Kurzarbeit und die Kunden müssen sich nach einer alternativen Beschaffung von Schneeschieber, Tausalz, Brennstoffen und Co. umsehen.

Kai Pinnau (vorn) und Tobias Edenhofer liefern Ware der Döbelner Firma Palko aus.
Kai Pinnau (vorn) und Tobias Edenhofer liefern Ware der Döbelner Firma Palko aus. © Dietmar Thomas

Bestellungen laufen ins Leere

Geht die Waschmaschine kaputt oder der Kühlschrank, darf die Firma Palko in Döbeln ein neues Gerät liefern. Aussuchen kann sich das der Kunde aber nur per Internet. Die Beratung dazu erfolgt telefonisch. „Mancher Kunde hat das aber noch nicht verstanden und steht vor der Tür“, sagt Chefin Ina Starke. Im Moment ist ihr Kalender noch ganz gut mit Terminen gefüllt. „Aber, wenn der Lockdown länger dauert, graut mir“, meint sie.

20 bis 30 Prozent weniger Umsatz hat sie im vergangenen Jahr mit der sogenannten weißen Ware gemacht. Bei den Küchen sieht es etwas besser aus. Aufgrund der Mehrwertsteuersenkung hat manche Familie den erst für später geplanten Küchenkauf vorgezogen und sich dabei auch für eine hochwertigere Ausstattung entschieden.

Im Moment verkauft Palko nur, was in ein bis zwei Tagen lieferbar ist. Denn viele Bestellungen laufen ins Leere, vor allem wenn die Ware im Ausland hergestellt wird, wo die Produktion derzeit heruntergefahren ist. „Ich hoffe, dass wir einigermaßen durch den Januar kommen. Denn wir möchten niemanden entlassen und nicht für immer zuschließen“, sagt Ina Starke.

Autohaus: Service ja, Handel nein

„Die kleinen Geschäfte sind arger dran“, meint Gernot Schliebe, Inhaber des VW-Autohauses in Döbeln, und verweist auf dessen zwei Standbeine Verkauf und Service. Die Werkstatt arbeite uneingeschränkt. „Die Kunden dürfen auch zu uns kommen – natürlich unter Beachtung der Vorsichtsmaßnahmen“, so Schliebe.

Der Handel, also der Verkauf von Fahrzeugen, ist geschlossen. Trotzdem erfolgt sowohl im Autohaus als auch bei VW in Dresden und Wolfsburg die Auslieferung bestellter Neufahrzeuge. Jedoch ohne persönliche Beratung. Benötige jemand, zum Beispiel nach einem Unfall, kurzfristig ein neues Fahrzeug, werde auch ihm geholfen.

Derzeit fahre das Autohaus „halbe Kraft“. Die Arbeitszeit sei verkürzt, weil der Bedarf nicht da ist, die Mitarbeiter bauen Urlaub und Überstunden ab. Aber es fehlen auch Mitarbeiterinnen, die eigentlich gebraucht werden. Sie sind für viele organisatorische- und Büroarbeiten im Zusammenhang mit dem Service zuständig.

Den übernimmt das Autohaus auch für systemrelevante Branchen, wie den Rettungsdienst, die Post, Pflegedienste und die Stadtverwaltung. Trotzdem wird der Job der Mitarbeiterinnen nicht als systemrelevant anerkannt und ihnen die Notbetreuung für ihre Kinder verweigert. Somit fallen sie aus, um die Kinder Zuhause zu betreuen.

Keine Ladenöffnung aus Protest

Trotz aller Einschränkungen und den teilweise damit verbundenen Existenzängsten lehnt Grit Neumann die Öffnung der Geschäfte ab dem 11. Januar als Protest gegen die lange Landenschließung ab. Diese Position bezieht sie sowohl als Chefin des Döbelner Stadtwerberings, als auch als Inhaberin eines Friseurgeschäfts.

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Sie habe mehrere Anfragen erhalten, ob sich die Döbelner Händler der Aktion „Wir machen auf“ anschließen sollten. Natürlich sei auch sie dafür, so schnell wie möglich wieder zu öffnen. „Aber mit Sicherheit“, sagt sie. „Es geht umso schneller, je mehr Menschen sich an die Corona-Vorgaben halten.“ Aber die neue Normalität werde anders aussehen. Einen Einzelhandel wie vor fünf Jahren werde es nicht mehr geben.

Auch künftig müssten Hygieneregeln eingehalten werden. „Wir haben eine Verantwortung uns selbst, unseren Mitarbeitern und unseren Kunden gegenüber“, so Grit Neumann.

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