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Wegen Corona: Löbauer Gymi schließt Mensa

Die Schule hat die Mittagessenversorgung vorerst gestoppt. Der Grund: zu wenig Platz in der Mensa. Nun wird eine Alternative gesucht. Eltern sind empört.

Torsten Berndt musste eine schwere Entscheidung treffen: Keine Mittagessen-Ausgabe ab sofort, weil der Platz in der Mensa nicht reicht.
Torsten Berndt musste eine schwere Entscheidung treffen: Keine Mittagessen-Ausgabe ab sofort, weil der Platz in der Mensa nicht reicht. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Andrea Bürger redet sich in Rage. Kein Wunder, denn der Neugersdorferin geht es um das Mittagessen für ihre zwei Söhne und die Tochter, die allesamt das Geschwister-Scholl-Gymnasium in Löbau besuchen. "Als meine Tochter am Montagnachmittag nach Hause kam, hieß es, dass es ab sofort kein Mittagessen mehr geben wird", sagt sie. Ihre Anrufe beim Essenversorger Sodexo und bei der Schule bestätigten die Angabe der Siebtklässlerin. Die Mutter macht das wütend: "Wie soll das gehen - sollen die Kinder den ganzen November mittags immer nur Schnitten essen - bei meist sechs bis acht Unterrichtsstunden täglich?", fragt sie sich. Gerade die größeren Jungs hätten guten Appetit und brauchen etwas zu essen.

Schulleiter Torsten Berndt kennt all diese Argumente - und versteht sie bestens, aber: "Wir können die Hygienebestimmungen in unserer Mensa nicht einhalten", sagt er. Die Abstände seien das Problem, in dem Raum stehen Achtertische dicht beieinander - zu dicht. Und einen anderen Raum gebe es nicht. Deshalb habe man beim Essenanbieter die Lieferung und Ausgabe zunächst abbestellt und auch den Schulträger - beim Gymnasium ist das der Landkreis - darüber informiert. Auf der Internetseite der Schule bittet Berndt die Eltern inzwischen auch, den Kindern ausreichend Essen mitzugeben.

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Das Geschwister-Scholl-Gymnasium hat wegen der vielen Bus-Schüler keine Zeit, das Mittagessen corona-hygienegerecht zu staffeln.
Das Geschwister-Scholl-Gymnasium hat wegen der vielen Bus-Schüler keine Zeit, das Mittagessen corona-hygienegerecht zu staffeln. © Archiv: Matthias Weber

Andrea Bürger stellt das nicht wirklich zufrieden, denn sie fürchtet, dass sich das Problem auch nach dem November nicht zwingend in Luft auflösen wird. Sie fragt sich deshalb, warum man das Essen gehen nicht staffeln kann, wie vor einigen Monaten bei der fünften Klasse, wo man die Kinder schon etwas eher, kurz vor der Pause, zur Essenausgabe entlassen hat, damit sie sich auch besser eingewöhnen können und nicht im dichtesten Gewimmel stehen. "Kann man nicht ein solches System jetzt auch einführen?", fragt die Mutter.

Doch das gehe eben nicht: Von den knapp 1.000 Gymnasiasten nehmen zwar nur 280 im Schnitt am Schulessen teil, skizziert der Schulleiter. Aber diese Schüler kommen dann eben alle zu den Stoßzeiten. "Und wir können da auch nichts staffeln", erklärt Torsten Berndt. Zum einen nicht, weil ja meist nur einige Schüler der insgesamt 45 Klassen essen gehen - wie soll man das managen? Und wie sollte man die Aufsichtspflicht organisieren? Zum anderen, weil man wegen der vielen Bus-Schüler an die Stundenzeiten gebunden  ist: "80 Prozent unserer Schüler sind auf den Bus nach Hause angewiesen, da können wir nicht einfach etwas verschieben", sagt Torsten Berndt.

Essen in Assietten zum Mitnehmen?

Dennoch arbeitet das Gymnasium an Lösungen. "Wir prüfen, ob es möglich ist, das Essen wenigstens in Assietten auszugeben, sodass die Schüler das Essen wenigstens zu Hause zu sich nehmen können", sagt er. Denn auch im Klassenraum sei das nicht möglich - schon gar nicht bei der Oberstufe, die auch im Klassenzimmer Mundschutz tragen muss. Immerhin soll aber das Snack-Angebot in der Cafeteria der Schule aufrecht erhalten werden, betont Berndt. Da gebe es beispielsweise auch Sandwiches. Das Schulgelände verlassen, um zum Bäcker oder in den Supermarkt zu gehen, dürfen hingegen nur Schüler der Oberstufe. Andrea Bürger fürchtet jedoch, dass dies bald in allen Altersstufen Mode sein wird und die Kinder in den Pausen einkaufen gehen - Verbot hin oder her. Das führe dann zu weiteren Kontakten, die man in Coronazeiten doch eigentlich meiden soll.

Genau darum - um unnötige Infektions-Möglichkeiten zu vermeiden - sei ja auch das Mensa-Essen eingestellt worden, betont Schulleiter Berndt. "Es ist eine andere Situation als im Frühsommer nach den Lockerungen - wir sind jetzt im Regelbetrieb", schildert er. Jetzt seien alle Schüler auf einmal an allen Tagen im Haus, nicht nur jeweils ein Drittel, wie damals, als der Schulbetrieb gerade wieder anlief und die Stundenpläne eingekürzt waren, weil Fächer wie Sport oder Musik nicht unterrichtet wurden. Deshalb seien die Lösungen aus dieser Zeit eben jetzt nicht übertragbar. "Es ist eine unschöne Entscheidung und wir haben sie nicht leicht getroffen, aber wir treffen sie im Sinne der Schüler, damit der Regelunterricht beibehalten werden kann", wirbt der Schulleiter um Verständnis.

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