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Wie zuverlässig sind Schnelltests bei Omikron?

Seit einem Jahr untersucht das Paul-Ehrlich-Institut in Deutschland erhältliche Schnelltests. Nicht alle davon sind zuverlässig.

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Laut Paul-Ehrlich-Institut kann ein Großteil der in Deutschland angebotenen Schnelltests eine Omikron-Infektion nachweisen.
Laut Paul-Ehrlich-Institut kann ein Großteil der in Deutschland angebotenen Schnelltests eine Omikron-Infektion nachweisen. © Symbolfoto: dpa

Von Jan Kixmüller

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hatte jüngst auf Grundlage vorläufiger Daten Zweifel an der Empfindlichkeit von Sars-Cov-2-Antigentests, also Schnelltests, beim Nachweis der Omikron-Variante geäußert. Das deutsche Paul-Ehrlich-Institut kommt nun zu einem anderen Ergebnis. Nach aktueller Datenlage würde zumindest ein Großteil der in Deutschland angebotenen und vom PEI positiv bewerteten Schnelltests eine Omikron-Infektion nachweisen können.

Die meisten der bis Mitte Dezember untersuchten 245 Schnelltests schlagen dem Institut zufolge an. Nachgewiesen wird dabei das N-Protein des Virus, das nur wenig von den vielen Mutationen betroffen ist, die im Omikron-Erbgut vorkommen und vor allem den Bauplan für das S-Protein verändern.

Zwei der insgesamt vier Mutationen im genetischen Bauplan des N-Proteins waren zudem auch bei bisher bekannten Virus-Varianten, etwa Delta, aufgetreten und mindern laut PEI die Zuverlässigkeit der Schnelltests nicht. Für eine endgültige Aussage seien allerdings noch Vergleichsstudien mit Proben von Omikron-Infizierten nötig. Offen ist etwa auch noch die Frage, ob bei Omikron-Infizierten eventuell die Menge der nachweisbaren Virus-Proteine geringer ist als bei mit anderen Virusvarianten Infizierten.

Schnelltest: Hinreichend hohe Viruslast nötig

Eine noch nicht begutachtete Studie aus Genf kommt aktuell zu dem Ergebnis, dass prinzipiell alle untersuchten Antigentests in der Lage sind, die Omikron-Variante zu detektieren, einige der Tests hätten allerdings in dieser Untersuchung bei Omikron etwas schlechter abgeschnitten.

Zu beachten ist, dass bis Mitte Dezember 199 Schnelltests die Prüfung durch das PEI bestanden, 46 fielen durch, weil sie nicht die erforderliche Empfindlichkeit besitzen. Demnach haben 20 Prozent nicht die in einer Vergleichsuntersuchung geforderte Empfindlichkeit.

Schnelltests können eine Infektion nur messen, wenn zum Testzeitpunkt eine hinreichend hohe Viruslast im Rachenraum der betreffenden Person besteht, das gelte auch für die Omikron-Variante, betonte das PEI. Hinzu kommt, dass die Tests als Selbsttest nur dann aussagekräftig sind, wenn die Vorgaben der Anwendung exakt eingehalten werden.

Eine weitere bisher noch nicht begutachtete Studie der Universität von Kapstadt/Südafrika hat Hinweise darauf ergeben, dass der Rachenabstrich bei Schnelltests möglicherweise aufgrund einer höheren Virusausscheidung im Speichel bei Omikron verglichen mit Nasenproben zu besseren Ergebnissen führen könnten.

PCR-Test ist im Zweifelsfall sicherer

Im Zweifelsfall ist aber ein PCR-Test sicherer, etwa um sicherzugehen, wenn man eine Person aus einer Risikogruppe besuchen möchte, sagt die Virologin Daniela Huzly vom Uniklinikum Freiburg. PCR-Tests schlagen auch schon bei sehr geringer Viruslast an und erkennen eine mögliche Infektion dadurch eventuell eher, denn sie weisen selbst noch geringe Mengen von Viruserbgut im Abstrich nach.

Antigenschnelltests weisen Proteine aus der Hülle des Coronavirus nach, PCR-Tests hingegen weisen das Erbgut der Viren nach und gelten als genauer als Antigenschnelltests.

Virologin Huzly rät dazu, sich vor dem Kauf in den Ergebnislisten, die im Internet einsehbar sind, schlauzumachen. „Man sollte schauen, dass man da einen möglichst guten Schnelltest nimmt.“ Man sollte zudem beachten, dass bei einer beginnenden Infektion diese Tests häufig falsch-negativ sein können. „Am Tag danach sind sie dann mitunter positiv.“

Auch wichtig: Bei Geimpften, die sich infizieren, ist die Viruslast ebenfalls hoch. Sie sind also ähnlich infektiös wie ungeimpfte Menschen, die sich anstecken. Allerdings sinkt bei Geimpften in der Regel die Viruslast viel schneller wieder. (mit dpa)