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3G in Dresden: "Jeden Tag Auseinandersetzungen"

Die 3G-Regel macht Gastronomen und Veranstaltern zusätzlichen Aufwand. Wie gehen diese damit um? Und bleiben dadurch sogar Gäste weg? Ein Überblick.

Nicht nur in Restaurants gilt in Dresden die 3G-Regel. Auch in Schwimmbäder, Theater oder Museen kommt man derzeit nur, wenn man geimpft, genesen oder negativ auf das Coronavirus getestet ist.
Nicht nur in Restaurants gilt in Dresden die 3G-Regel. Auch in Schwimmbäder, Theater oder Museen kommt man derzeit nur, wenn man geimpft, genesen oder negativ auf das Coronavirus getestet ist. © Marijan Murat/dpa (Symbolfoto)

Dresden. Geimpft, genesen, negativ getestet: Wer in Dresden derzeit einen Platz in der Innengastronomie möchte, ein Kino, Museum oder Schwimmbad besuchen will, der muss nachweisen, dass er keine Corona-Gefahr darstellt. In vielen Bereichen des öffentlichen Lebens gilt die sogenannte 3G-Regel.

Für die Umsetzung sind die Gastronomen, Betreiber und Veranstalter selbst zuständig. Scheuen diese - trotz drohender Bußgelder - möglicherweise den zusätzlichen Aufwand? Bleiben ungeimpfte Gäste nun bewusst weg? Und welche Verstöße entdeckt das Ordnungsamt? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

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In welchen Bereichen gilt 3G in Dresden?

Da die Sieben-Tage-Inzidenz in Dresden bereits seit Anfang September dauerhaft über 35 liegt, ist in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens laut aktueller sächsischer Corona-Schutz-Verordnung ein Test-, Impf- oder Genesenen-Nachweis erforderlich, kurz: "3G".

Die Regel gilt jeweils in den Innenräumen von Gastronomiebetrieben, Veranstaltungen und Festen sowie Kultur- und Freizeiteinrichtungen. Außerdem ist, sobald man zum Beispiel im Restaurant den eigenen Platz verlässt, ein Mund-Nasen-Schutz nötig. Gäste und Besucher müssen außerdem ihre Kontaktdaten hinterlassen und Gastronomen und Veranstalter einen Abstand von 1,50 Meter gewährleisten.

Dieselben Regeln gelten für körpernahe Dienstleistungen, Sport im Innenbereich, Hallenbäder und Saunen, Beherbergungsbetriebe sowie bei Stadtrundfahrten und in Spielhallen. Im Innenbereich von Diskotheken, Clubs und Bars ohne feste Sitzplätze gilt die ganze Zeit Maskenpflicht.

Die Verordnung ermöglicht es den Einrichtungen außerdem, freiwillig die strengere 2G-Regel anzuwenden. Dann ist der Zutritt nur Geimpften und Genesenen gestattet, dafür fallen Maskenpflicht, Abstandsgebot und Kapazitätsgrenzen weg.

Kinder bis zum sechsten Lebensjahr sowie Schüler, für die schon in den Schulen eine Testpflicht gilt, brauchen übrigens keinen gesonderten Testnachweis. Beispielsweise die Semperoper verlangt einen 3G-Nachweis dennoch auch für Kinder ab sechs.

Wie wird die Einhaltung kontrolliert?

Für die Umsetzung der 3G-Regelung sind die Gastronomen, Veranstalter und Betreiber selbst zuständig. Häufig findet man derzeit auf Restaurant- oder Kneipentischen Zettel oder Schilder mit QR-Codes, über die man mit der Corona-Warn-App "einchecken" und so seine Kontaktdaten hinterlassen kann. Auch das Ausfüllen eines Zettels ist jedoch meist (auf Nachfrage) möglich. Die Staatlichen Kunstsammlungen stellen auf ihrer Website ein Formular bereit, das vor dem Besuch eines der Museen bereits zu Hause ausgedruckt und ausgefüllt mitgebracht werden kann.

Meist schon beim Betreten eines Restaurants, einer Bar, eines Hotels oder Schwimmbads muss außerdem der (digitale) Impf- oder Genesenen-Nachweis bzw. das negative Testergebnis vorgelegt werden.

Wie setzen Gastronomen die 3G-Regel um?

Im veganen Café v-cake auf der Rothenburger Straße gilt die 3G-Regel sogar im Außenbereich. "Da speckern viele rum, dass das gar nicht geht", erzählt Chefin Susanne Behner. Sie begründet das damit, dass ihre Gäste zum Bestellen trotzdem ins Café kommen und dort auch die Toilette benutzen dürfen, außerdem müssen die Tische nach dem Besuch desinfiziert werden.

Der Gastronomin ist es wichtig, nicht nur die anderen Gäste vor einer Ansteckung zu schützen, sondern auch ihre Mitarbeiter. Immer wieder höre sie, dass die Coronaregeln in ihrem kleinen Café in der Neustadt vergleichsweise streng umgesetzt würden. Dass es andere Wirte mitunter ganz anders handhaben, hat die 34-Jährige selbst erlebt und berichtet von einem Restaurantbesuch, bei dem der 3G-Status gar nicht kontrolliert worden sei. "Dieses Feedback von wegen, das ist krass, dass ihr das so strikt macht, hören wir sehr oft", erzählt Behner. "Andere gehen da wohl ein bisschen laxer damit um."

Trotzdem hadert auch die Café-Betreiberin damit, sich von jedem Gast nun den 3G-Status inklusive eines Ausweisdokuments vorzeigen lassen zu müssen. "Ich fühle mich da immer etwas wie eine Staatsmacht." Das auszuführen, sei einfach kein gutes Gefühl. "Ich hätte gerne ein anderes System, um ehrlich zu sein. Ich fände es viel besser, wenn die Corona-App noch publiker wäre." Aber noch immer würden viele diese nicht benutzen, obwohl sie den Gastronomen und Veranstaltern gerade bei der Kontrolle des Impfstatus das Leben leichter mache.

Im Genuss-Atelier von Marcus und Nicole Blonkowski am Waldschlößchen wird 3G ebenfalls streng gehandhabt. "Wer keinen Nachweis mithat, kommt auch nicht rein", sagt Marcus Blonkowski. "Wir setzen das konsequent um." Auch wegen der Strafen, die bei Kontrollen drohen.

Wer einen Tisch im Genuss-Atelier gebucht hat, dann aber ohne Nachweis auftaucht, zahlt sogar 50 Euro Stornogebühren - oder muss sich kurzfristig noch testen lassen. "Am Tag selbst rufen wir die Gäste aber noch einmal an und weisen darauf hin", erklärt Blonkowski.

Trotzdem führt die Regel immer wieder zu Konflikten. "Jeden Tag gibt es deshalb Auseinandersetzungen", sagt der Koch. Es gebe viel Verständnis für die Regel, aber genauso Unverständnis. "Und wir können es ja nicht ändern, sondern müssen es so umsetzen, wie der Staat es vorschreibt."

Sorgt 3G für weniger Gäste und Besucher?

Ob die 3G-Regel tatsächlich Ungeimpfte zum Beispiel vom Restaurantbesuch abhält, kann man nur mutmaßen. "Wir sind jeden Tag ausgebucht, da stellt sich die Frage für uns gar nicht", sagt Marcus Blonkowski vom Genuss-Atelier. Die meisten Gäste seien aber geimpft, seltener kämen welche mit Testnachweis. Auch Susanne Behner aus dem Café v-cake kann bestätigen, dass die meisten Gäste geimpft oder genesen sind. Beim jüngsten Sonntagsbrunch sei unter 25 Personen nur eine Frau gewesen, die einen negativen Test vorzeigte - alle anderen waren geimpft.

Aber auch wenn Ungeimpfte nicht gezielt wegbleiben sollten, durch 3G fehlen den Gastronomen trotzdem Einnahmen, denn die Abstandsregeln gelten weiterhin. Für Susanne Behners Café bedeutet das, drei bis vier Tische von zehn nicht vergeben zu können. "Ich kann deshalb verstehen, dass sich manche für 2G entscheiden." Aber aus Erfahrungsberichten wisse sie, dass viele ihrer Stammgäste sich wegen gesundheitlicher Probleme noch nicht impfen lassen dürften.

Auch im Genuss-Atelier setzt man trotz reduzierter Tischanzahl auf 3G statt 2G. Chef Blonkowski: "Wir haben eine sehr hohe Nachfrage und wollen keine Gäste vergraulen." Für 2G haben sich dennoch nach Auskunft des Dresdner Ordnungsamtes bereits 23 Unternehmen, Einrichtungen beziehungsweise Veranstalter in der Stadt entschieden.

Welche Regel-Verstöße hat das Ordnungsamt entdeckt?

Dass die 3G- und sonstigen Corona-Regeln eingehalten werden, kontrolliert das Ordnungsamt täglich und in erster Linie anlassbezogen. Das heißt, das Amt erhält beispielsweise einen Tipp, welcher Gastronom es mit der Nachweiskontrolle nicht so ernst nimmt, und geht dem nach.

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Bei den Kontrollen werden laut Ordnungsamt regelmäßig Mängel festgestellt und die Betroffenen angewiesen, diese abzustellen. Anschließend finden Nachkontrollen statt. "Oftmals handelt es sich bei den Feststellungen um Probleme mit dem Hygienekonzept, zum Beispiel fehlt teilweise die Verschriftlichung des Hygienekonzepts oder es mangelt an der Umsetzung, wenn beispielsweise die Mund-Nasen-Bedeckung nicht dauerhaft (über der Nase) getragen wird", erklärt das Ordnungsamt. Diese Probleme seien "auf Unsicherheiten der Betroffenen in der Erstellung und Umsetzung zurückzuführen".

Wird das Hygienekonzept nicht eingehalten oder werden Kontakte nicht erfasst, kann nach dem Regelsatz jeweils ein Bußgeld von 1.000 Euro für den Betreiber oder Veranstalter fällig werden.

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