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Die letzten Helden der Arbeit

Wenige Wochen vor dem Mauerfall im November 1989 wurde die DDR-Auszeichnung noch einmal verliehen.

Der Orden „Held der Arbeit“ wurde 1950 erstmals verliehen.
Der Orden „Held der Arbeit“ wurde 1950 erstmals verliehen. © imago stock

Von Jutta Schütz, Berlin

Ein vergoldeter Stern mit fünf Zacken und einem Durchmesser von 36 Millimetern, dazu eine Urkunde und eine Prämie: Wer das in der DDR bekam, war ein „Held der Arbeit“. Der Orden wurde vor 31 Jahren, am 5. Oktober 1989, letztmals an fleißige Werktätige verliehen – für „beispielgebende Initiativen und andere hervorragende Verdienste bei der Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft“.

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Die „Helden“ wurden von Staats- und Parteichef Erich Honecker im Palast der Republik in Ost-Berlin persönlich gewürdigt. Es solle aber eine gespannte Atmosphäre geherrscht haben, sagt der Historiker Stefan Wolle vom DDR-Museum in der Hauptstadt. Draußen im Land brodelte es längst, Tausende gingen auf die Straßen und demonstrierten. Fünf Wochen später fiel die Mauer.

„Es gab eine regelrechte Ordensschwemme“, berichtet der ostdeutsche Historiker. In dem 1983 in Leipzig erschienenen Taschenlexikon „Orden und Medaillen der DDR“ sind 127 staatliche Auszeichnungen aufgelistet.

Die Medaille mit Lorbeerkranz wurde erstmals am 13. Oktober 1950 in Ost-Berlin verliehen. Festgelegt wurde die Ehrung im „Gesetz zur Förderung und Pflege der Arbeitskräfte, zur Steigerung der Arbeitsproduktivität und zur weiteren Verbesserung der materiellen und kulturellen Lage der Arbeiter und Angestellten“.

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Zum jährlichen Ritual gehörte auch, die neuen Ordensträger im SED-Zentralorgan Neues Deutschland zu veröffentlichen. So standen am 6. Oktober 1989 in einer langen Namensliste unter anderem der Meister eines Walzwerks, die Chefärztin einer Spezialklinik, Leiter von Brigaden im Wohnungsbau, ein Schlosser, eine Meisterin in einer Schnapsfabrik, aber auch der Minister für Handel und Versorgung.

Bei den Auszeichnungen sei darauf geachtet worden, dass alle Bereiche vertreten sind – auch wenn aus manchen Arbeitern längst Funktionäre geworden waren. Die Vorschläge seien von der SED-Führung geprüft worden, sagt Wolle. (dpa)

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