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Den Elefanten auf den Fuß geschaut

Der Circus Afrika steht wegen seiner Dickhäuter in der Kritik. Nun hat das Veterinäramt die Haltung kontrolliert.

© Sebastian Schultz

Von Stefan Lehmann

Riesa. Einen kurzen Moment gibt es, in dem der Zirkusdirektor streng werden muss. „Gandhi“, ruft er in Richtung der indischen Elefantendame. Gerade sah es so aus, als würde der 51-jährige Dickhäuter mit dem Rüssel in Richtung des Veterinärarztes ausholen. Hans-Jörg Klaue kann darüber schmunzeln. „Die ist auch ein kleiner Ganove, was?“ Die Elefantenbeschau ist da sowieso schon beendet. „Schauen wir noch ins Zelt“, sagt Klaue.

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Der Leiter des Veterinäramtes in Meißen ist an diesem Tag auf dem Zirkusgelände unterwegs. Nicht nur, aber vor allem wegen der Elefanten. Tierrechtler kritisieren regelmäßig die Haltung von Wildtieren im Zirkus, häufig gibt es Proteste. In der Vergangenheit hatte das Landratsamt keine größeren Probleme mit dem Zirkus, der früher einmal sein Winterquartier in Groptitz hatte. Das ist nicht selbstverständlich, erklärt Hans-Jörg Klaue. Denn die Dickhäuter benötigen durchaus einiges an Pflege.

Schon der erste Eindruck verrät dem Amtstierarzt einiges über die drei Tiere. „Wären sie alle in eine Ecke geflüchtet oder direkt auf Herrn Weisheit zugestürmt, würde ich mir Sorgen machen.“ Doch beim Betreten des Geheges bleiben die Tiere ruhig. Gandhi duscht sich den Rücken mit Sand, eine der beiden Afrikanerinnen schiebt sich gerade mit dem Rüssel Heu ins Maul. Während der Tierarzt der größten der drei Elefantendamen über den Rüssel und die Stoßzähne streichelt, schaut er sich prüfend die Haut der Tiere an. Die muss ständig gepflegt sein, nicht zuletzt dafür ist die Sanddusche da.

Elefantenkuh auf Diät

Die meiste Zeit nimmt sich Hans-Jörg Klaue für die Elefantenfüße. Auf Hardy Weisheits Kommando heben die Tiere jeweils einen Fuß. „Man sieht häufig, dass die Tiere an den Sohlen Geschwüre entwickeln, weil sie sich zu wenig bewegen.“ In der Hinsicht seien die Füße mancher Zoo-Elefanten sogar noch schlimmer als bei Zirkustieren. Bei Gandhi, Tonga und Moja sieht allerdings alles soweit in Ordnung aus. „Ölen Sie immer mal?“, fragt der Tierarzt Zirkusdirektor Weisheit. Der bejaht. Alles in Ordnung. Nur die Fußpflege wäre bald wieder ran, sagt der Veterinär. Ein Lob gibt es auch noch: Gandhi hat abgenommen. Vor drei, vier Jahren sei sie noch deutlich übergewichtiger gewesen. „In einer Herde ist es gar nicht so einfach, ein einzelnes Tier auf Diät zu setzen. Sie sieht ja auch, was die anderen bekommen.“ Aber es sei nun mal zu ihrem Besten.

Bei seiner Kontrolle folgt der Amtstierarzt einem Leitlinien-Katalog des Landwirtschaftsministeriums. „Die legen Mindestanforderungen fest.“ Der Circus Afrika erfüllt sie. Ob sie ausreichen, darüber wird oft hitzig debattiert. Der Zirkusdirektor kann ein Lied davon singen. Auch in Riesa hat es kurz zuvor Probleme gegeben. Am Montagabend seien mehrere Zaungäste mit dem Zirkuspersonal aneinandergeraten, schreibt die Polizei in ihrem Bericht. „In der Folge schlug und trat ein Mitarbeiter auf den 14-Jährigen ein, sodass sich dieser in ärztliche Behandlung begeben musste.“ Zirkus-Chef Hardy Weisheit sagt, im Grunde sei nicht viel passiert. Eine kleine Gruppe sei aufs Gelände gekommen, habe randaliert und die Zirkusleute als Tierquäler und Schweinepack beschimpft. „Wir haben ihnen dann einen Platzverweis erteilt und die Polizei gerufen.“ Die bestätigt, dass neben der Mutter des 14-Jährigen auch ein anonymer Anruf beim Revier in Riesa eingegangen sei. Als die Gruppe das Gelände nicht verließ, habe ein „Zirkusfreund, der nicht direkt zum Zirkus gehört“, den 14-Jährigen geschubst. Zu den Hintergründen ermittelt nun die Kriminalpolizei.

Veterinäramts-Leiter Hans-Jörg Klaue kennt diese Geschichten zur Genüge. Er spricht von einem Spannungsfeld – und bezieht in einem Punkt klar Stellung. „Ich kann nicht auf Privatpersonen rumhacken, wenn ich die rechtlichen Fragen klären will.“ Sich für ein Verbot von Wildtieren im Zirkus einsetzen, dafür zeigt er Verständnis. „Und neue Elefanten gibt’s sowieso nicht“, betont Hardy Weisheit. Damit hätte auch Hans-Jörg Klaue ein Problem, sagt er. Die Einfuhr ist mittlerweile ohnehin verboten, auch aus Zoos dürfen keine gekauft werden. Der Trend geht laut Hans-Jörg Klaue längerfristig zum Verbot, in vielen Ländern gebe es das schon. „Aber dann muss man auch eine Übergangsfrist schaffen. Die Elefanten in eine Herde integrieren, das geht nicht. Leider wird die Diskussion darüber nicht oder unsachlich geführt.“

Zirkusvorstellungen finden noch am Donnerstag und Freitag, 16 Uhr, am Sonnabend, 15 und 18 Uhr, sowie Sonntag, 11 Uhr, statt.