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Der Mann hinter dem Krematoriums-Post

© Archiv/Claudia Hübschmann

CDU-Stadtrat Jörg Schlechte ist in der Meißner CDU eine feste Größe. Auffällig wird er nicht das erste Mal.

Von Peter Anderson

Meißen. Seine Internet-Karriere begann als Schwejk. Unter diesem Pseudonym agierte der Meißner CDU-Stadtrat und Hotelier Jörg Schlechte anfänglich auf der Internet-Seite „Meißen Forum“, einer Art Vorgänger von Facebook. Der Name war mit Bedacht gewählt. Wie der brave Soldat Schwejk wollte Schlechte mit Humor die Versäumnisse der Obrigkeit aufdecken. Unermüdlich wies er auf Geldverschwendung durch die öffentliche Hand, fehlende Konzepte und schlecht durchdachte Lösungen hin.

Seinen Eulenspiegeleien etwa zum als „Touristenfalle“ verschrienen Pannenaufzug am Meißner Burgberg passten auch zu Schlechtes Mitgliedschaft in der humoristischen Männerverbindung Schlaraffia. Deren Meißner Zweig „Castellum Misena“ schuf er in seiner Gaststätte „Zum Uhu“ auf der Meißner Burgstraße eine eigene, liebevoll eingerichtete Heimat. Später wechselte Schwejk zu Facebook und schreibt seither unter seinem Klarnamen.

Schlechte, der ursprünglich mit der Wende-Partei Demokratischer Aufbruch zur CDU kam, rechnet sich mit Parteifreunden wie dem umstrittenen Ex-Stadtrat Thomas Tallacker dem rechten Flügel der sächsischen CDU zu. In der Meißner Region mit ihren konservativen Landtagsabgeordneten wie Matthias Rößler oder Daniela Kuge befindet er sich damit in bester Gesellschaft. Ähnlich wie der frühere CSU-Chef Franz Josef Strauß möchte Schlechte rechts der Christdemokratie keine Partei zulassen. Alles war irgendwie nach einer linken Ansicht klingt, fällt für ihn unter Kommunismusverdacht und wird – zumindest verbal – hart bekämpft. „Linke haben mir nix zu sagen. Die haben mich bis 1989 genervt“, so Schlechte. Übertrittsempfehlungen – etwa zur AfD – weist er jedoch stets entschieden zurück.

Die Geschehnisse im Flüchtlingsjahr 2015 dürften entschieden dazu beigetragen haben, dass sich Jörg Schlechtes Facebook-Einträge immer weiter radikalisierten. Das was sonst vielleicht nach dem einen oder anderen Bierchen in der Stammkneipe „Das Loch“ geäußert wurde, fand sich nun im Internet wieder. Politische Gegner wurden schnell einmal als „Dreckszecken“ oder „flüchtlingsbesoffene Gutmenschen“ bezeichnet. Zeitungen berichteten teilweise bundesweit über die Ausrutscher.

Dabei wäre es falsch, dem Ur-Meißner pauschalen Fremdenhass oder Rassismus zu unterstellen. In konkreten Fällen hat er sich gerade 2015 immer wieder aktiv und ganz praktisch für Flüchtlinge eingesetzt. Schlechte half auf eigene Initiative mit anderen Stadträten aus, als in einer zentralen Flüchtlingsaufnahme Helfer für die Essenausgabe fehlten. Der CDU-Mann organisierte für die Asylbewerber Sachen aus der Kleiderkammer des DRK. Auch ganz persönlich war er als Pate für Ausländer da.

In Meißen – wo der 56-jährige gut vernetzt ist – ist er für seine uneigennützige Hilfsbereitschaft nicht zuletzt während der großen Elbefluten 2002 und 2013 bekannt. In den 90er Jahren engagierte sich Schlechte mit seinem Verein Osteuropäisches Hilfswerk im oberschlesischen Oppeln, organisierte Schüleraustausche und Hochwassereinsätze an der Oder. Später allerdings geriet er wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten beim Betrieb des Meißner Heimattierparks erstmals größer in die Schlagzeilen der Presse. Die Vorwürfe konnten jedoch letztlich nicht stichhaltig bewiesen werden.