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Der Pionier im DDR-Triathlon

© privat

Andreas Clauß war erfolgreicher Dreikämpfer, als es noch unpopulär war. Heute ist er die Stimme beim Schlosstriathlon.

Von Michaela Widder

Es sind die kleinen Geschichten hinter den großen Siegern. Die faszinieren Andreas Clauß. Wie eine Frau mit einem Fuchsschwanz am Rad als Talisman durch die Wechselzone rannte. Oder wie eine Hobby-Triathletin mit ihren mit Kräutern gefüllten Radtaschen am Start in Moritzburg stand, aber am Ende ihr Gepäck nicht mit auf die Strecke nehmen durfte. Und dann erzählt er seine Lieblingsanekdote von Moritzburg aus dem vergangenen Jahr. „Da kam eine Triathletin direkt vom Flughafen nach Moritzburg. Als sie dann ihren Radkoffer in der Wechselzone öffnete, flogen auch alle ihre Schlüpfer raus.“

Dem Sport ist er treu geblieben – als Moderator bei vielen Veranstaltungen, wie dem Schlosstriathlon in Moritzburg. © Ronald Bonß

Niemand kann so viele bunte Geschichten rund um den Schlosstriathlon erzählen wie Andreas Clauß. Seit vielen Jahren ist er der Moderator, unverkennbar mit seinem weißen Basecap, das er verkehrt herum trägt, und dem weißen Hemd. „Daran erkennen mich die Sportler, manche richten sich kurz vor dem Ziel noch mal auf, in der Hoffnung, erwähnt zu werden“, erzählt er. Bei der 17. Auflage steht er am Wochenende wieder an der Strecke. In seinen Moderationen steckt nicht nur Herzblut, sondern auch viel Wissen.

1990 letzter DDR-Meister

Der Leipziger war Triathlet der ersten Stunde in der DDR, und er war damals der erfolgreichste. Schwimmen, Radfahren, Laufen in Kombination galt hierzulande als eine Modesportart der westlichen Länder. Da dem Triathlon damals noch der olympische Status fehlte, hielt sich das Interesse vom Staat in Grenzen. Eine offizielle Förderung gab es nicht, trotzdem wurde 1984 in Leipzig ein „Ausdauerdreikampf“ organisiert – der erste Triathlonausscheid auf dem Boden der DDR. Zwei Jahre später startet Clauß, ein aussortierter Schwimmer von der Sportschule, in Potsdam. „Ich kam als Erster aus dem Wasser und als 40. ins Ziel. Der Stachel saß tief.“

Ein Jahr später trat er dort wieder an und wurde er A3K-Meister der DDR. Seitdem war Triathlon für ihn „wie eine Sucht“. Bei der Weltmeisterschaft 1990 in Orlando wurde Clauß als 19. Bester des fünfköpfigen gesamtdeutschen Männerteams. „Die anderen habe ich damit etwas schockiert“, erinnert er sich. Im selben Jahr wurde er noch DDR-Meister über die Kurz- und Mitteldistanz und Dritter beim Europacup in der Türkei. Als Triathlet war er hierzulande ein Exot. „Ich hätte bestimmt als erster Ossi davon leben können.“ Sogar ein paar Sponsorenverträge hatte er. Als die erste große Triathlonwelle 2000 von den USA nach Deutschland schwappte, beendete er seine Karriere. Im Osten hatte Clauß fast alle Rennen von „Binz bis nach Immelborn“ gewonnen – und kümmerte sich schon mal selbst um die Siegprämie. „Aus der Formel 1 kannte ich das mit dem Sekt, wollte das unbedingt mal erleben“, erzählt er. „Also bin ich vorm Wettkampf in Stendal in den Konsum, habe eine Flasche Sekt gekauft und sie meinem Kumpel gegeben. Auf dem Siegerpodest bekam ich sie dann.“

Zum Nebenjob als Moderator ist er zufällig gekommen, weil die Veranstalter in Leipzig „wollten, dass ich nicht schon wieder gewinne“. Plötzlich hatte er das Mikrofon in der Hand. In diesem Jahr feiert er sein 20-jähriges Jubiläum, er moderiert auch viele Lauf- und Radveranstaltungen wie den Oberelbe-Marathon oder das Velorace in Dresden. Wenn er nicht als Teamleiter im Freizeitbad in Bad Lausick arbeitet, ist er bei 40 Wettkämpfen als Sprecher.

Als eines der größten Triathlonevents in Mitteldeutschland ist Moritzburg längst ein Pflichttermin im Kalender, aber ein beliebter. Der 55-Jährige hat vor vielen Jahren mal die Sprintdistanz beim Schlosstriathlon gewonnen. Auf die Ironman-Distanz hat er sich aber nie gewagt. „Dafür war ich als ehemaliger Wasserballer einfach zu kräftig. Ich kann mir auch nicht vorstellen, länger als vier Stunden Sport zu machen“, erklärt er, und zieht vor jedem auf der Langstrecke den Hut. Es sind die ersten der rund 1 700 Athleten, die am Sonnabend um sieben Uhr in den Schlossteich springen müssen. „Moritzburg ist eine der schönsten Triathlonveranstaltungen überhaupt“, schwärmt er und zählt auf: „Es sind die familiäre Atmosphäre, das besondere Flair mit dem Barockschloss, die kurzen Wege...“ Außerdem werden an dem Wochenende alle Strecken angeboten – von der langen Distanz über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und dem Marathon bis zum Sprint.

Und selbst für die Letzten im Ziel findet Andreas Clauß immer die passenden Worte, dass sie sich als Sieger fühlen. „Ihre Geschichten sind of viel spannender. Für die Sieger interessieren sich doch immer alle.“