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So war der "Tatort" aus Frankfurt

Wenn Agenten die Beherrschung verlieren: Im Sonntagskrimi wird extrem viel gelogen, was die ganze Geschichte leider nicht sehr glaubwürdig macht.

Gespielte Harmonie: Raymond Fisher (Kai Scheve, l.) und seine Frau Gretchen (Tessa Mittelstaedt) geben den Ermittlern Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) einige Rätsel auf.
Gespielte Harmonie: Raymond Fisher (Kai Scheve, l.) und seine Frau Gretchen (Tessa Mittelstaedt) geben den Ermittlern Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) einige Rätsel auf. © HR/Pressestelle

Tessa Mittelstaedt, die von 2001 bis 2006 am Staatsschauspiel Dresden engagiert war und viele Jahre lang als Assistentin der Kölner „Tatort“-Kommissare einen guten Job machte, gibt diesmal eine ganz Böse. Zugleich ist sie – mal einfach fies, mal abgebrüht, mal hoch emotional – einer der raren Lichtblicke im Personal des Frankfurter „Funkstille“-Krimis.

Als russisch-amerikanische Doppelagentin Gretchen Fisher bringt sie zunächst ihren jugendlichen Liebhaber, der dummerweise ein Freund ihrer Tochter und dadurch post mortem noch für etliche Verwicklungen verantwortlich ist, sowie mithilfe der Moskauer Kollegen den eigenen Mann um die Ecke. Der wollte als Spion hinschmeißen, was in diesem konkreten Fall als brillante Idee zu feiern ist. Kai Scheve spielt den Agenten Raymond Fisher in etwa so überzeugend wie Daniel Craig es als Pittiplatsch wäre.

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Hölzern, uncool, seiner Frau und Partnerin nicht im Mindesten gewachsen, steht er mehr herum, als dass er der Handlung dienlich wäre. Damit ist er jedoch nicht das einzige spannungsbremsende Abziehbild. Der CIA-Mann im US-Konsulat bleibt leicht sinistre Staffage, die beiden Agenten, die auf die Tochter der Fishers angesetzt werden, können angesichts ihrer Unfähigkeit höchstens Azubis sein. Prinzipiell herrscht überall viel zu viel Dilettantismus, als dass die an sich clevere Story über die Fallen eines aufwendig konstruierten Lügengebildes glaubwürdig rüberkäme.

Eine gewiefte Doppelagentin stolpert darüber, dass ihr Lover das Kurzwellenfunkgerät (!) im Partykeller entdeckt und sie daraufhin zu enttarnen droht? Mal ehrlich, kein 19-Jähriger würde dieses Ding doch als Spionage-Werkzeug, sondern höchstens als Museumsobjekt deuten. Oder: Die Russen vergiften den wankelmütigen Agenten Fisher erfolgreich, ohne jede Spur zu hinterlassen, schaffen es aber nicht, die Leiche des Teenagers verschwinden zu lassen? Wer’s glaubt ...

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An sich schade, denn aus der Geschichte, die von einem 2011 in Marburg aufgeflogenen russischen Agentenpaar mit österreichischen Pässen inspiriert ist, hätten die zuverlässig gut ermittelnden Hauptkommissare Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) etwas machen können. Zum Schluss heißt es: „Wir werden das Narrativ ändern.“ Diplomaten und Staatsanwaltschaft wollen vereint alles unter den Teppich kehren. Das immerhin kann man sich gut vorstellen.

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