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Bautzen

Dichtung, die Grenzen überschreitet

Am Sonnabend findet in Bautzen das 40. Fest der sorbischen Poesie statt – mit interessanten Gästen.

Der sorbische Schriftsteller und frühere Dramaturg am Deutsch-Sorbischen Volkstheater, Benedikt Dyrlich, wird das 40. Fest der sorbischen Poesie am Sonnabend an der Alten Wasserkunst in Bautzen moderieren. © Carmen Schumann

Bautzen. Alles muss klein beginnen, heißt es in einem Lied des Liedermachers Gerhard Schöne. Auch das „Fest der sorbischen Poesie“ begann klein. Im Rahmen eines Dorffestes trafen sich Anfang Juli 1979 neun sorbische Dichter an der Ostroer Schanze in der Nähe von Kamenz. Später kamen auch deutschsprachige Autoren und Schriftsteller aus dem Ausland hinzu. Mittlerweile steht nun das 40. Literaturfest an. Während die erste Veranstaltung Jakub Bart-Cisinski, einem der bedeutendsten sorbischen Dichter der Vergangenheit, gewidmet war, ehren die Teilnehmer in diesem Jahr den 2017 gestorbenen Dichter Kito Lorenc, der das Fest mit begründet hatte.

Das Jubiläumsfest findet am Sonnabend an der Alten Wasserkunst in Bautzen statt. Mehr als 25 namhafte Autoren haben sich angekündigt, darunter auch Beno Budar, der ebenfalls zu den Taufpaten des Festes gehört und als einziger ununterbrochen bei allen 40 Veranstaltungen dabei war. Organisator und Moderator Benedikt Dyrlich ist sehr froh, dass sein Dichterkollege trotz einer Erkrankung sein Kommen zugesagt hat. Erfreut ist er auch über die Teilnahme von Hans Thill aus der Partnerstadt Heidelberg. Der Dichter, Publizist und Herausgeber hat federführend mit dafür gesorgt, dass die Anthologie „Das Meer Die Insel Das Schiff“, herausgegeben von Kito Lorenc, im Verlag Wunderhorn erscheinen konnte. Das Buch bietet einen deutschsprachigen Überblick über die sorbische Dichtung von den Anfängen bis zur Gegenwart.

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Neben zahlreichen sorbischen Literaten sind auch diesmal wieder Dichter aus den slawischsprachigen Nachbarländern dabei. Auch eine kurdische Dichterin wird sich vorstellen: Chimen Murrad, die aus Syrien nach Braunschweig übersiedelte und dem kurdischen PEN angehört. In diesem Zusammenhang erinnert sich Benedikt Dyrlich daran, dass bereits 1988 ein kurdischer Autor zu Gast beim Poesiefest war, misstrauisch beäugt von den DDR-Oberen.

Prominente zu Gast

Deshalb ist Benedikt Dyrlich, der viele Jahre als Dramaturg am Bautzener Theater tätig war und mittlerweile in Dresden lebt, froh, dass dem Austausch der Dichterkollegen nunmehr keine Grenzen mehr gesetzt sind. Die Poesiefeste hätten gezeigt, dass Bautzen über die Jahrzehnte sich immer als eine kulturell offene Stadt bewiesen hat. Große Namen wie Peter Handke oder Lojze Wieser, die an den Veranstaltungen teilnahmen, sorgten für überregionale Aufmerksamkeit.

Die hiesigen Autoren – darunter auch Benedikt Dyrlichs 27-jähriger Neffe Damian Dyrlich, der als Sorbisch-Lehrer am Sorbischen Gymnasium tätig ist und in die dichterischen Fußstapfen seines Onkels tritt – lesen unentgeltlich. Die Übernahme der Kosten für Anreise und Übernachtung der ausländischen Gäste wird möglich durch die Unterstützung durch den PEN Deutschland und von Sponsoren. Nachdem nach Dyrlichs Aussage die Unterstützung durch den Sorbischen Künstlerbund in den letzten Jahren nachgelassen habe, hofft er, dass nun vom 40. Jubiläumsfest Impulse für dessen Fortführung in neuer Form und mit neuen Idealisten ausgehen.

Die Bautzener Poesienacht findet am Sonnabend ab 18 Uhr an der Alten Wasserkunst in Bautzen statt. Der Eintritt ist frei.