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Die Erfolgsverwöhnten

Die Faschingsgruppe um Conny Ottlinger hat beim Umzug in Radeburg schon oft gewonnen. Was sie wohl diesmal aushecken?

Kristin, Tina, Franzi, Manu, Jana, Otti, Klotti, Friederike und Janette (v.l.) sind die Schneiderinnen. Insgesamt sind es 25 Leute. © Kristin Richter

Rödern/Radeburg. An ihre großen Flammen oder den Ratskeller vom Vorjahr kann sich der eine oder andere vielleicht noch erinnern – die Faschingsgruppe Ottlinger aus Rödern ist bekannt für ihre ausgefallenen, extravaganten Bilder beim Radeburger Faschingsumzug. Schon oft waren sie auf dem Siegertreppchen bei der Jurywertung. Denn bei Ottlinger und Co ist immer (fast) alles überraschend und handgemacht.

„Tatort Rabu“ heißt diesmal das Motto der Faschingssaison. Die SZ durfte den Fleißigen schon mal vorab über die Schulter schauen. In einer Scheune in Radeburg entsteht der Wagen der Umzugsgruppe. Was sich die hier werkelnden Männer für den 3. März ausgedacht haben, darf freilich noch nicht verraten werden. Nur so viel: Es geht um illegales Glücksspiel. 

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Die Gruppe hat sich gegen Bankräuber entschieden, das machen vielleicht andere, denken sie. Die Mannen um Manuel Schmidt haben vielmehr ihren Wagen komplett neu aufgebaut. „Denn er musste eine Saison mal draußen stehen, das ist dem Material nicht gut bekommen“, sagt Manuel Schmidt. 

70 Euro hat die Gruppe im Vorhinein von jedem der 25 Teilnehmer eingesammelt – die Kinder natürlich ausgenommen – um alles Nötige zu besorgen. Jetzt sind die Männer, die von Beruf Koch, Autoverkäufer oder Büromaschinenmechaniker sind, dabei, die Aufbauten festzuschrauben, die Boxen zu verkleiden und auch die Technik zu verstecken. 

„Der erste Blick von vorn muss stimmen“, weiß Dirk Arlt. „Der Wagen muss schon von Weitem auffallen.“ Also wird die Frontansicht des Umzugsbildes wieder besonders aufwendig als Hingucker gestaltet. Neben dem Gesamteindruck sollte auch die Bewegung der laufenden Teilnehmer stimmen. Und natürlich die handwerkliche Umsetzung einer pfiffigen Idee.

Robert Hähne, Manuel Schmidt, Stefan Theile, Dirk Arlt (v.l.) bauen den Hänger auf. © Kristin Richter

„Wir haben natürlich den Ansporn, unter die ersten Fünf zu kommen“, gibt Manuel Schmidt lächelnd zu. Doch verbissen sehen es die Wagenbauer nicht und greifen zu ihrem Werkzeug. Sie würden sich auch mit der Konkurrenz freuen, wenn sie die Nase vorn hat, heißt es. Die Gruppe könnte sogar wie alle Umzugsgruppen ein Mitglied der Jury stellen. Derjenige darf den eigenen Wagen dann aber nicht bewerten.

Ein Jahr musste die Ottlinger Gruppe mal beim Radeburger Faschingsumzug aussetzen, weil sie keine Scheune hatten zum Bauen. „Das war hart, uns fehlte wirklich etwas“, meinen die Männer. Die Frauen dagegen lachen: „Da konnten wir zugucken und hatten keinen Stress“. 

Das meinen die Damen, die in einem Röderner Partykeller schneidern, natürlich nicht ernst. Wenn sie sich Stoff aus Holland schicken lassen, an ausgefallenen Kostümen tüfteln und dann alles auch zuschneiden und nähen, sind die Faschingsfrauen in ihrem Element. Was den Männern die Bierflaschen am Wagen sind, sind den Frauen die Sektgläser. 

„Man tut sich das jedes Jahr wieder an, weil´s so schön ist und wir alle Spaß haben“, sagt Gruppenchefin Conny Ottlinger. Auch das, was hier an den Nähmaschinen schon geschafft wurde, wird vor der Fotografin noch versteckt. Erst am Umzugstag selbst wird das Bild der Öffentlichkeit präsentiert. Es könnte sich ja noch wer etwas abgucken ...

Viel Arbeit stecken die Rödern/Radeburger in die Kostüme. Seit Wochen arbeiten sie jeden Donnerstag und Freitag daran. Und Erfahrung haben sie seit rund 20 Jahren. „Wir machen immer alles neu, bis auf unser Körperbrett“, sagt Conny Ottlinger. Das ist die Vorrichtung, die jeder in der Laufgruppe trägt, um den berühmten aufwendigen Schmuck zu zeigen, der sie zu Erfolgsverwöhnten gemacht hat. Eine Teilnehmerin hat sich sogar eine Nähmaschine schenken lassen, um mitzumachen.

Faschingsumzug in Radeburg: 3. März, ab 14 Uhr.