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Die erste Frauenliste der Oberlausitz

Vor der Kommunalwahl in Kamenz machen neun Frauen von sich reden. Mit weiblichem Gespür will man mittun.

Treten am 26. Mai als Liste „Stadt, Land, Frau“ für den Kamenzer Stadtrat an: Anja Steinborn, Dr. Franziska Schulze-Stocker, Ina Neufeldt, Silvia Tanner, Anne Hasselbach, Sabine Lottes, Simone Kirschke, Sylvia Horn und Angela Sondermann (v.l.). Sie wollen © René Plaul

Kamenz. Sie sind cool, voller Elan und Leidenschaft. Grundverschieden, aber ehrlich zueinander. Stehen mitten im Leben. Bringen einiges an Lebenserfahrungen mit. Außerdem sind sie alle im besten Alter. Und haben einen Plan. Neun gestandene Frauen wollen am 26. Mai zur Stadtratswahl in Kamenz antreten. Die Liste „Stadt, Land, Frau“ strebt erstmals ins Rathaus. Mindestens drei Plätze könnten drin sein, sind sie sich einig. Warum nicht gleich aufs Ganze gehen? Nicht nur am Frauentag darf man nach den Sternen greifen …

Das Alles hat man sich übrigens ganz genau überlegt. Kein Schnellschuss, keine Hirngespinste! Wie es Frauen eigen ist, hat man sich vorher getroffen, das Schlachtfeld abgesteckt, lange geredet und genau das Für und Wider abgewogen. Es gab sogar einen Workshop zum Thema. Danach sind die Neun zwar etwas nachdenklich nach Hause gegangen, heißt es. Aber schon ein paar Stunden später war man sich einig: Das packen wir an! Auf der Liste stehen seitdem Sabine Lottes, Angela Sondermann, Sylvia Horn, Simone Kirschke, Dr. Franziska Schulze-Stocker, Silvia Tanner, Anja Steinborn und Ina Neufeldt. Allen voran geht City-Managerin Anne Hasselbach. Die bunt gemischte Truppe hat dazu einen ganz starken Hintergrund aus noch mehr Kamenzerinnen. Zusätzliche neun Sympathisantinnen halten ihnen beim kommenden Wahlkampf den Rücken frei, sind an Themenfindung und künftigen Lösungswegen beteiligt. Frei nach dem Motto: Gemeinsam sind wir stark.

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Vorschlag kam von einem Mann

Doch wie kommt man eigentlich zu so einem Entschluss? Alle der Frauen haben Familie, die meisten mehrere Kinder, einen Beruf, der sie fordert. Von der Friseurmeisterin bis zur Diplom-Kauffrau, von Lehrerinnen bis zur Polizeibeamtin, von der Stahlbaufirmenchefin bis zur Vereinsvorsitzenden der Arbeitslosenselbsthilfe ist alles vertreten. Und die meisten engagieren sich in der Freizeit bereits für soziale Projekte, Kunst und Kultur in der Stadt. Muss man sich dann noch Kommunalpolitik auf den Tisch ziehen? Fünf Jahre in einem manchmal brodelndem Hexenkessel sitzen nach Feierabend? „Bereits seit einem halben Jahr war es vor allem in der Stadtwerkstatt immer wieder ein Thema. Ursprünglich wollten wir aus dem Gefüge heraus eine Liste erstellen. Aber viele der Macher engagieren sich bereits in anderen Parteien“, so Anne Hasselbach. Der Vorschlag, eine ganz neue Frauen-Liste zu erstellen, kam übrigens von einem Mann. Von Peter Sondermann. Das fand man ehrlich gesagt besonders charmant und mutmachend. „Wir haben freilich auch darüber diskutiert, wie eine reine Frauenliste nach außen wirkt. Man möchte ja nicht den Ruf als Emanzentruppe bekommen “, sagt Martina Burghart-Vollhardt, die am Wahlprogramm mitgefeilt hat.

Darin steht unter anderem, dass die Kamenzer Kommunalpolitik dringend Frauen als Expertinnen braucht. Denn sie betrachten das Lebensumfeld aus den eigenen vielfältigen Erfahrungen heraus. Man möchte den Herausforderungen des gesellschaftlichen Wandels außerdem angstfrei und mit viel Empathie und Leidenschaft begegnen. Manchmal fehlt gerade Letzteres in den männerdominierten Politikerkreisen. „Hier kommt ganz viel Erfahrung zusammen“, weiß Geschäftsfrau Sabine Lottes. „Es gibt jede Menge Frauen in Kamenz, die schon lange sagen, dass die Zeit für Veränderungen gekommen ist!“ Dabei möchte man mit den anderen Stadträten kooperieren. „Wir sind aber auch streitbar“, so Anne Hasselbach. Mit einer parteipolitischen Unabhängigkeit fühlt man sich wohl. Stadt und Land sind im Wandel. Es gibt alle Hände voll zu tun. Ob sozial, ökologisch, strukturell oder in lebendigen Kunst- und Kulturräumen. Man möchte innovative Ideen, Start-ups und Talente fördern. Augenmerk liegt auch auf regionalen Produkten und Handwerk. In den nächsten Tagen geht das Wahlprogramm in den Druck. Wer sich dafür interessiert, wird konkrete Ideen finden, keine Floskeln.

Übrigens: Die Medien springen derzeit auf die besondere Liste an. Sie ist immerhin die erste und einzige in der Oberlausitz. Auch Radiosender berichteten schon.

Unterstützer sind nötig

80 Unterschriften braucht die Liste, ehe sie kandidieren darf. Bislang liegen bereits über 30 vor.

Im Bürgerservice des Kamenzer Rathauses kann man diese leisten. Montag 9-12 Uhr, Dienstag 9-12 Uhr sowie 13-18 Uhr, Donnerstag 9-12 Uhr sowie 13-18 Uhr, Freitag 9-12 Uhr.

Voraussetzungen: Mindestalter 18 Jahre, Bürgerin/Bürger von Kamenz, Ausweis mitnehmen!

Bis spätestens 21. März, 18 Uhr müssen die Unterschriften da sein.

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