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Die Mafa-Wanderer aus Heidenau

Ihren Betrieb gibt es seit 20 Jahren nicht mehr. Trotzdem treffen sich einige jeden Monat und feiern nun ein Jubiläum.

Blättern in Erinnerungen: die Initiatoren der Mafa-Wandergruppe Horst Bergmann, Dietmar Rosch und Jürgen Brune (v.l.). © Foto: Norbert Millauer

Wenn man etwas in der Frühstückspause so dahinsagt, muss man damit rechnen, dass es sich die Kollegen merken. Diese Erfahrung musste Horst Bergmann machen – und ist heute froh. Es war einer der letzten Frühstückspausen von Bergmann in der Maschinenfabrik Heidenau, bevor er ausschied. Schon damals im Oktober 1998 war klar, lange geht es nicht mehr mit dem Betrieb. So sagte Werkzeugmacher Bergmann zu seinen Kollegen: „Wenn die hier zumachen, machen wir eine Wandergruppe auf.“ Bergmann ging, im Dezeber war Schluss mit der Mafa, im Februar erinnerten sich seine Kollegen an Bergmanns Worte, und Dietmar Rosch rief ihn an. „Wann geht es nun endlich los mit der Wandergruppe?“ Die Antwort lieferte er gleich mit: „Ich habe die anderen schon angerufen, am 20. Februar geht es los.“

Jürgen Brune führte die erste Tour nach Rathewalde. Seit Februar 1999 gehen im Schnitt 20 ehemalige Mafaner jeden Monat wandern – das sind jetzt 20 Jahre und 235 Touren. Horst Bergmann und seine Frau sind 222-mal dabei gewesen. Gefehlt haben sie nur bei Urlaub. Mitwandern darf nur, wer in der Mafa gearbeitet hat. Na ja, gelernt, lassen sie auch gelten. Horst Bergmann und seine Frau Ilse haben sich sogar in der Mafa kennengelernt. Wer dazu gehören will, wird als „Überraschungsgast“ in die Runde eingeführt. „Damit es auch menschlich passt„, sagt Bergmann. Mehr als 20 Wanderer sollten es nie sein, hatten sich die drei Gründer vorgenommen.

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Riesenspaß in der Röhre 

Wer Wasser mag und Freude an Geschwindigkeit hat, der sollte unbedingt diese Rutschen testen. Hier ist sogar der direkte Wettstreit mit einem zweiten Röhrenfahrer möglich.  

Inzwischen kommt niemand mehr neu zur Wandergruppe. Im Gegenteil. Bei einem Durchschnittsalter von derzeit über 77 Jahren fehlt immer mal jemand. Vier Wanderer werden dieses Jahr 80. Zum Jubiläumstreffen verabschiedet sich einer der Männer mit einer Runde Sekt. Die anderen ermutigen ihn, er könne ja immer noch zu den Treffen nach den Wanderungen kommen. Da wird gegessen, getrunken, erzählt, sich erinnert. An die „Irrläufer“, die bei einer Wanderung fast verloren gingen, oder die Rippchen in der Gaststätte, die bloß Knochen waren. Zum Jubiläumstreff in der Heidenauer Drogenmühle wurden kleine und größere Tafeln gebastelt und unter dem Beifall der Wanderer vorgestellt und immer wieder auch in der Chronik geblättert. Alle 235 Wanderungen sind akribisch festgehalten, mit Wanderleiter, Route, Teilnehmern. Da stehen dann auch Sätze wie „Die Laune war gut, der Aufstieg steil, dank Werner, der Tag war geil.“

Erinnerungen verbinden

Die Mafa-Wanderer sind zwar etwas besonderes, aber nicht die einzigen Ehemaligen in Heidenau. Auch die Möbelwerker treffen sich einmal im Jahr und begehen 2019 ebenfalls ein Jubiläum: ihr 25. Treffen. Vor fünf Jahren brachte der heutige Werkleiter Maik Hippel die Chronik mit, die sein Vorgänger nie schreiben wollte. Es ist die Erinnerung an die gemeinsame Zeit, die ehemalige Kollegen immer wieder zusammenführt, das ist bei den Mafa-Leuten genau so wie bei den Möbelwerkern. Bei denen ist es immer wie ein großes Klassentreffen. Das nächste der Wanderer ist schon Ende März. Die 236. Wanderung führt nach Ostrau. „Uns hält nichts auf“, sagt Dietmar Rosch. Es ist wie ein Schwur, ein Versprechen. Der Zustand des Mafa-Geländes bedrückt die Ehemaligen. Die Versteigerung verzögert sich seit Monaten. Auch darüber reden sie bei ihren monatlichen Treffen.

„Die Wanderungen sind kürzer und leichter geworden, aber sie sind jedes Mal ein schöner Tag“, sagt Horst Bergmann und freut sich immer wieder, dass seine Kollegen sich an seinen beim Frühstück so dahingesagten Satz erinnerten.

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