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Die Schatten der Vergangenheit

Schon früher gab es in Kühnhaide eine Brücke ins Böhmische und war für Pendler ideal. Später verschwand sie. 

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© Steffen Neumann

Als die Brücke in Kühnhaide gebaut wurde, war auch die böhmische Seite noch bewohnt. Keinen Kilometer entfernt lag das Dörfchen Kienhaid, benannt nach dem sächsischen Nachbarort. Auch früher muss es an der Stelle schon eine Brücke gegeben haben. „Wahrscheinlich nutzten sie Pendler aus Böhmen, die in Sachsen arbeiteten, oder Protestanten aus dem überwiegend katholischen Böhmen auf dem Weg zur Kirche in Kühnhaid“, sagt der Historiker Petr Karlicek. Der Grenzübertritt war problemlos, sprachen die Menschen auf beiden Seiten der Grenze Deutsch.

Erst als die Deutschen nach 1945 vertrieben wurden, verwandelte sich die Schwarze Pockau in eine echte Grenze. „Die Tschechoslowakei hatte an solchen Grenzübergängen kein Interesse mehr. Vor allem ab 1948 nach der Machtübernahme der Kommunisten wurde die Grenze scharf bewacht“, weiß Karlicek. An der Grenze zweier sozialistischer Bruderstaaten wurde Stacheldraht installiert. Die Angst vor einer Rückkehr der auch nach Sachsen abgeschobenen Sudetendeutschen war größer als das Vertrauen in den sozialistischen Partner. Grenzorte wie Kienhaid wurden geschleift. „Das kommunistische Regime interessierte sich nur für Brücken, die gebraucht wurden“, sagt Karlicek.

Das änderte sich erst nach 1989. Doch die Schatten der Vergangenheit sind immer noch zu sehen. (stn)