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Die Texaner von Rödern

Kanadische Texas Longhorn Rinder gibt es in Sachsen ganz selten. Sie sind eine Attraktion im Ort. Doch das ist nicht alles.

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© Klaus-Dieter Brühl

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Rödern. Frank Weser steht direkt neben dem massigen Bullen und streichelt ihn. „Q 5“, so dessen Name, ist indes ehrfurchteinflößend – genau wie seine Artgenossen. Ihre Hörner können insgesamt bis zu zwei Meter lang werden. „Sie sind warm, in den Hörnern ist Blut drin – und Gefühle“, weiß Frank Weser. Trotzdem gibt es hin und wieder Rangkämpfe. Doch eigentlich sind seine Texas Longhorn Rinder gutmütig. Und wertvoll.

Frank Weser, Halter der Tiere.
Frank Weser, Halter der Tiere. © Klaus-Dieter Brühl

Mit dem Flugzeug angekommen

Der 46-jährige Dresdner Immobilienunternehmer hält sich die elf Tiere in Rödern als Hobby. Aber auch, um sie zu vermarkten. „Ihr Fleisch ist sehr hochwertig, weil fettarm“, sagt Frank Weser. Und weil diese Rindersorte selten ist. Nur einen weiteren Züchter gäbe es noch in Sachsen, sagt Weser. Denn diese Tiere aus Kanada zu importieren, war schwierig. „Sie sind mit dem Flugzeug gekommen“, so Frank Weser, und er meint es ernst. „Sie wurden dort schon für den Export gehalten und ein Jahr vorher von anderen Tieren getrennt.“ Über Geschäftspartner aus Bayern kam Frank Weser an die Tiere. Denn der gelernte Forstwirt betreibt außerdem in Niederau einen Agrarservice als Lohnunternehmen.

Die Longhorn Rinder standen in Niederau, bevor Weser im Oktober des Vorjahres von der frei werdenden Wiese in Rödern erfuhr. „Hier haben die Tiere knapp sieben Hektar – das ist wie in der freien Natur“, freut sich der Halter. Das ganze Jahr über ist die kleine Herde hier draußen, sie hat Frischwasser und frisches Gras. Zufüttern muss man nicht. „Die guten Haltungsbedingungen schlagen sich in der Qualität des Fleisches nieder“, weiß Frank Weser, der etwa zwei Mal die Woche von Dresden nach Rödern kommt. Auch er selbst kann hier draußen abschalten und findet Ausgleich zu seinem Beruf.

Demnächst wird es aber wieder turbulent. Vier Kühe sind tragend. Um die Jungtiere sofort zu finden, wird Frank Weser die trächtigen Mütter zu sich nach Niederau holen. Doch das wird schwierig, denn Nasenringe zum Ziehen werden definitiv nicht verwendet. Es kann dauern, bis die Kühe freiwillig in den Transporter steigen. Doch schließlich ist die weitere Zucht von ihnen abhängig. Schon jetzt sind fünf der elf Longhorn Rinder in Deutschland geboren. Ihnen fehlt das markante Brandmahl, das die Kanadier noch bekommen haben.

Sie spielen ein bisschen Rodeo

Die Wildrinder grasen friedlich, bis zwei Bullen sich plötzlich in die Hörner bekommen. „Sie spielen ein bisschen Rodeo“, sagt Weser, der seine Tiere alle kennt. Auch „Sekond muh“, das weiße Rind und „Lost kitten“. Kaum zu glauben, dass Starköche sich so für ihr Fleisch interessieren. Immerhin weit über 100 Euro ist das Kilo wert. Im Dezember soll im unmittelbaren Dresdner Stadtzentrum ein Steak-Club eröffnen. Der Wirt will das Fleisch aus Rödern beziehen. „Meine bayrischen Partner mussten schon Promiköche wie Tim Melzer abtreten lassen, weil sie nicht mehr liefern konnten“, weiß Frank Weser. Die Rarität könnte hierzulande noch eine Weile selten bleiben. Denn in Kanada ist unter den Tieren die Blauzungenkrankheit ausgebrochen. Fünf Jahre, so der Halter, dürfen sie vorerst nicht nach Deutschland exportiert werden.