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Bürgerpolizist geht in Ruhestand

Jonny Kummer hat in Dippoldiswalde und Altenberg für Recht und Ordnung gesorgt. Er hörte sich auch kleine und große Sorgen an.

Die Dippser Oberbürgermeisterin Kerstin Körner und Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten (re.) verabschiedeten Jonny Kummer, der über viele Jahre als Bürgerpolizist in beiden Städten tätig war.
Die Dippser Oberbürgermeisterin Kerstin Körner und Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten (re.) verabschiedeten Jonny Kummer, der über viele Jahre als Bürgerpolizist in beiden Städten tätig war. © Karl-Ludwig Oberthür

Im Osterzgebirge dürfte Jonny Kummer wohl einer der bekanntesten Polizisten sein. Seit 40 Jahren ist er hier für Recht und Ordnung unterwegs gewesen. Nun ist der knapp 62-Jährige in den Ruhestand gegangen. Für ihn geht ein abwechslungsreiches Berufsleben zu Ende. Nach der politischen Wende war Kummer, der im Osterzgebirge aufgewachsen ist, als Dienstgruppenführer tätig. In dieser Position leitete er eine Schicht im Polizeirevier. 1998 wurde er als Bürgerpolizist berufen. "Es war auch eine Berufung", gesteht Kummer. Diese Arbeit habe ihm viel Spaß gemacht.

Um als Bürgerpolizist zu arbeiten, musste er nicht nur einen Lehrgang besuchen und Fachwissen vorweisen, sondern auch andere Qualitäten mitbringen. Kummer erfüllte die Anforderungen. "Es gab noch andere Bewerber, ausgewählt wurde ich."

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Und was machte den Unterschied? Kummer ist kontaktfreudig. Und er weiß, wie man Vertrauen aufbaut und mit anderen ins Gespräch kommt. Wichtig ist auch: "Langsam laufen", sagt er mit einem Lächeln. Die Bürger fassen da schneller Mut, einen anzusprechen.

Einstand in Altenberg

Kummer wurde zunächst in Altenberg Bürgerpolizist. 2013 wurde er nach Dipps abgezogen, weil er dort dringender gebraucht wurde. Damit wurde er aber auch für die Uhrenstadt Glashütte und die Gemeinde Klingenberg zuständig. Auch hier kam ihm seine Ortskenntnis zugute. "Ich brauchte nie ein Navi."

Zu seinen Aufgaben gehörte es nicht nur, Streife zu fahren und zu laufen, sondern auch die Kontakt zwischen der Landespolizei, den Rathäusern und den Feuerwehren zu halten. Er hielt auch Vorträge in Kindergärten und vor Senioren. Bei der Einrichtung von Straßenbaustellen war seine Ortskenntnis gefragt. Er nahm Unfälle und Einbrüche auf, wenn die zuständigen Kollegen nicht so schnell vor Ort sein konnten. Hin und wieder war er auch als Einsatzleiter bei Großveranstaltungen tätig. Besonders gut gefallen haben ihm seine Einsätze bei den Sportveranstaltungen an der Altenberger Bobbahn.

Zu Kummers Abschied richtete die Dippoldiswalder Oberbürgermeisterin Kerstin Körner (CDU) einen kleinen Festempfang aus, zu dem sie Wegbegleiter und Kollegen von Kummer eingeladen hatte. Körner lobte Kummers Umgang mit den Dippsern: "Er hatte immer ein offenes Ohr für die Bürgerinnen und Bürger und setzte sich stets für Recht und Ordnung gegenüber jedermann ein." 

Alt Polizist die Ruhe in Person

Für das Ordnungsamt, die Ortsfeuerwehren, das Technische Hilfswerk und das Deutsche Rote Kreuz sei er immer eine Hilfe gewesen. Sie lobte seinen Einsatz bei Großveranstaltungen wie „Malter in Flammen“ sowie bei der Bergung von Kampfmitteln aus dem Zweiten Weltkrieg in der Dippoldiswalder Heide. Für seine Verdienste überreichte sie ihm im Namen des Präsidenten des Deutschen Feuerwehrverbandes die Deutsche Feuerwehr-Ehrenmedaille.

Jonny Kummer (Mitte) verabschiedet sich als Bürgerpolizist in Dippoldiswalde. Sein Nachfolger ist Peter Dippmann (links). Andreas Unterdörfer (rechts) bleibt weiter als Bürgerpolizist tätig.
Jonny Kummer (Mitte) verabschiedet sich als Bürgerpolizist in Dippoldiswalde. Sein Nachfolger ist Peter Dippmann (links). Andreas Unterdörfer (rechts) bleibt weiter als Bürgerpolizist tätig. © Karl-Ludwig Oberthür

Lob gab es auch von Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten (Freie Wähler), der mit Kummer von 1998 bis 2013 zusammenarbeite. "Herr Kummer gehörte eigentlich zur Stadtverwaltung. Er war ein Stück weit Bestandteil unserer Verwaltung und somit nahm  er zum Beispiel auch an Weihnachtsfeiern teil, die normalerweise nur Mitarbeitern vorbehalten sind." Der Bärenfelser sei ein verlässlicher Partner gewesen, mit dem sein Ordnungsamt brillant zusammenarbeitete. "Er ist die Ruhe in Person." 

Die toten Augen von Dippoldiswalde

Kummer habe unaufgeregt erklären können, was man falsch gemacht habe. Er fand den richtigen Ton, wenn er auf Bürger zuging, die illegal nasses Reisig oder Wiesen abbrannten. Jonny Kummer habe nie den "Knüppel " rausgeholt. "Für ihn zählte Aufklärung und Überzeugung". Er selbst habe das erfahren dürfen, als er sich in Dipps an einer Stopp-Straße nicht ganz an die Straßenverkehrsordnung hielt, gesteht Kirsten. In Altenberg sei man traurig gewesen, als Kummer nach Dipps versetzt wurde. "Herr Kummer hat einen Beitrag dafür geleistet, dass diese Welt ein kleines Stück besser wird", so Kirsten.

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Und was macht Jonny Kummer nun mit der vielen freien Zeit? "Urlaub zu Hause", sagt er. Er muss sich um einige Dinge im Haus kümmern. "In den letzten Jahren ist viel liegen geblieben". Und dann gibt es noch ein Hobby, dem er jetzt mehr Zeit widmen möchte: historische Mopeds. Diese kauft er auf, um sie wieder flott zu machen. Und wenn er später noch Lust und Laune haben sollte, möchte er ein Buch schreiben. Den passenden Titel dazu hätte er schon: "Die toten Augen von Dippoldiswalde".

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