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PLUS Familienkompass 2020 Dippoldiswalde

Dippser murren über Elternbeiträge

Die Dippoldiswalder schätzen, wie ihre Kinder betreut werden. Dennoch sind sie mit der Familienpolitik ihrer Stadt nicht ganz zufrieden.

Die Schmiedeberger Kita Spatzennest Schmiedeberg hat die Oberbürgermeisterin Kerstin Körner gerade erst eingeweiht. Dennoch hadern Eltern mit der Familienpolitik der Stadt.
Die Schmiedeberger Kita Spatzennest Schmiedeberg hat die Oberbürgermeisterin Kerstin Körner gerade erst eingeweiht. Dennoch hadern Eltern mit der Familienpolitik der Stadt. © Egbert Kamprath

Was tun, wenn die Frau plötzlich eine gute Arbeit in Altenberg angeboten bekommt, der Mann daraufhin eine in Dresden findet und für den Umzug aus Bayreuth gerade mal vier Sommerferienwochen zur Verfügung stehen? "Wir sind das ganz pragmatisch angegangen", sagt Robert Winkler: "Dippoldiswalde liegt genau in der Mitte zwischen unseren beiden Arbeitsstellen. Einen Kindergartenplatz haben wir innerhalb von fünf Tagen bekommen." Die große Tochter besucht die Grundschule in Reichstädt: "Wohnung und Betreuung finden - das ging alles schnell und denkbar unkompliziert", sagt Winkler. 

In der großen Familienkompass-Umfrage, die die Sächsische Zeitung zusammen mit der Freien Presse und der Leipziger Volkszeitung im Frühjahr 2020 unter mehr als 14.000 Eltern in ganz Sachsen durchgeführt hat, haben die Dippoldiswalder ihrer Stadt mit den zugehörigen Ortsteilen die Note 2,9 gegeben. Der sachsenweite Durchschnitt liegt bei 2,8. 

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Wohnen, Verkehr, Schule gut bewertet

Fragen zur Qualität von Wohnen, Verkehr, Kindergarten, Schule und Lehre bewerten die Dippoldiswalder sogar besser als der Durchschnitt: Dass sie niedrige Wohnkosten haben, finden 51,4 Prozent  der Dippoldiswalder. Robert Winkler auch: "Natürlich ist es hier preiswerter als in Bayreuth oder in Dresden", sagt er. Weil es so schnell gehen musste, hat die Familie die  erste Wohnung genommen, die von der Größe her passte. Die Vorteile ihrer Umgebung lernen sie gerade nach und nach kennen: "Zum Sportpark sind es nur ein paar Meter", sagt er. Inzwischen besuchen beide Kinder dort einen Turnkurs: "Es war entspannend zu erleben, dass das alles ohne Wartelisten funktionierte", sagt er. Die Dippoldiswalder bewerten die Vereinsvielfalt oder auch die Freizeitmöglichkeiten ihrer Region allerdings leicht unterdurchschnittlich. 

Foto: Familienkompass
Foto: Familienkompass © Familienkompass
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Foto: Familienkompass © Familienkompass
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Foto: Familienkompass © Familienkompass
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Foto: Familienkompass © Familienkompass

77 Prozent der Kinder gehen gern zur Schule, weitere 17 Prozent zumindest nicht ungern, insgesamt vergeben die Umfrageteilnehmer eine 1,97 gegenüber der 2,14 im Landesdurchschnitt. Mit einer 2,2  gegenüber der durchschnittlichen 2,48 zeigen sie an, dass die Kinder weniger unter Mobbing und Gewalt an den Schulen leiden. Das könnte auch damit zusammenhängen, dass der Punkt "Klassen nicht zu voll" mit 2,8 abschneidet - gegenüber der 3,2 für ganz Sachsen. Bestnoten erhält der Punkt "engagierte Erzieher" mit 1,7 gegenüber 1,9. 

Dennoch ist es ausgerechnet der Punkt "Familienpolitik" mit einer 3, der Dippoldiswalde unter die sächsische Durchschnittszufriedenheit von 2,6 zieht. Die Umfragewerte ergeben, dass die Eltern offensichtlich mit zwei Schwierigkeiten zu kämpfen haben: Zum einen bietet weder eine der sechs kommunalen Kitas, noch einer der acht freien Träger eine Betreuungszeit nach 17 Uhr an. 77 Prozent der Eltern bewerten die Betreuungsmöglichkeiten während Schichtarbeitszeiten als schlecht. 

Aufmerken lässt auch die Note 3,9 zum Thema "Bezahlbare Elternbeiträge", das sachsenweit mit 3,2 abschneidet. "Wir fanden die Beiträge nicht ungewöhnlich hoch", sagt Robert Winkler dazu: "Aber wir haben bisher ja auch die Beiträge in Bayreuth bezahlt." Beim Kindergarten mit 150 Euro monatlich für eine neun-Stunden-Betreuung liegen Bayreuth und Dippoldiswalde mit 150 bzw. 149,98 Euro gleichauf. Der Hort in Dippoldiswalde verlangt mit 71,99 Euro sogar weniger als Bayreuther mit 106 Euro monatlich für fünf Stunden pro Tag. 

Elternbeiträge steigen automatisch

Verglichen mit Dresden, bezahlen die Großstädter zumindest für die Krippe mit 216,49 Euro deutlich weniger als die Dippoldiswalder mit 275,97 Euro. Doch bei Kindergarten und Hort mit 155,92 bzw. 72,33 Euro zahlen die Dresdner sogar ein wenig mehr. 

In die Beiträge fließt ein festgelegter prozentualer Anteil der Betriebskosten einer Kita. Die Dippoldiswalder Stadträte haben das bereits im Jahr 2017 beschlossen, sodass sich die steigenden Kosten - darunter fallen die Gehälter der Erzieher und Erzieherinnen und Sachkosten wie Wasser, Heizung, Spiel- und Lernmaterial - automatisch in den Beiträgen niederschlagen. 

Zudem legt das Sächsische Kita-Gesetz seit 2018 fest, dass nur noch fünf statt vorher sechs Krippenkinder und nur noch zwölf statt 13 Kindergarten-Kinder von einer Erzieherin betreut werden dürfen. Auch das lässt natürlich die Kosten pro Kind steigen. Doch diese Investitionen schlagen sich offensichtlich tatsächlich in einer besseren Betreuung  nieder. Denn die Qualität ihrer Kitas bewerten die Dippoldiswalder mit 2,41 gegenüber der 2,5 für ganz Sachsen überdurchschnittlich gut.    

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