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Handwerkskunst made in Reichstädt

In der Spinnstube der Familie Drutschmann wird am Sonntag gezeigt, dass man aus Schafwolle viel mehr als Socken herstellen kann.

Manja und Karin (re.) Drutschmann laden am Sonntag zum Staunen an den Tischwebstuhl, der in ihrer Spinnstube in Reichstädt steht.
Manja und Karin (re.) Drutschmann laden am Sonntag zum Staunen an den Tischwebstuhl, der in ihrer Spinnstube in Reichstädt steht. © Egbert Kamprath

Traditionelles Handwerk ist am Sonntag in Reichstädt zu erleben. In der Spinnstube der Schäferei Drutschmann werden zwei Frauen zeigen, wie nach herkömmlicher Art gewebt und gesponnen wird. Karin Drutschmann, die die Spinnstube vor mehr als zwanzig Jahren mit ihrem Mann errichtet hat, wird den Besuchern Rede und Antwort stehen. Tochter Manja wird den benachbarten Hofladen offen halten. Auch für Kinder gibt es Angebote. Sie werden sich im Filzen ausprobieren können.

Das alles geschieht im Rahmen des Tages des traditionellen Handwerks, der an diesem Sonntag zum 21. Mal im Erzgebirge stattfindet und an dem die Schäferei von Beginn an  teilnimmt. "Für uns ist das eine gute Möglichkeit, auf uns aufmerksam zu machen", sagt die Seniorchefin. Genau genommen übernimmt das der Tourismusverband Erzgebirge, der die Veranstaltung organisiert und über die Grenzen des Erzgebirges hinaus bewirbt.

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In den letzten Jahren kamen an diesem Tag zwischen 100 und 150 Besucher in die Reichstädter Spinnstube. "Wir werden sehen, wie viele es diesmal werden", sagt die Landwirtin mit Diplom-Abschluss. Es könnte sein, dass wegen der Corona-Pandemie weniger Besucher kommen. Karin Drutschmann ist aber zuversichtlich. Denn nicht nur regionale Produkte liegen im Trend, sondern auch Handarbeit wie das Weben und Spinnen. Und in ihrer Spinnstube kann sich jeder anschauen, wie das gemacht wird. Der Clou: Hier wird Wolle aus eigener Produktion verarbeitet.

Diese stammt von den Schafen des Familienbetriebs. Drutschmanns halten ausschließlich Fleischrassen, keine Milchschafe. Wer letztere halten möchte, braucht einen Stall, der unweit von größeren Weiden steht, um die Schafe auch melken zu können. Diese Gegebenheiten haben die Drutschmanns nicht. Deshalb stehen bei ihnen Schafe der Rassen Merino, Suffolk und Skudden auf den Wiesen. Letztere sind die kleinste deutsche Rasse. "Wir hatten schon mal 600 Schafe", erzählt die 66-Jährige.

Doch leider mussten sich die Drutschmanns von vielen trennen, weil ihre Firma aufgefordert wurde, einen Teil der Wiesen, die sie gepachtet haben und die sie bewirtschaften, mit Maschinen zu mähen. "Wir haben uns an die Auflagen gehalten", sagt Karin Drutschmann. Deshalb mussten sie die Zahl der Tiere dezimieren. Gegenwärtig halten sich die Drutschmanns 200 Schafe.

Kleine Herde unweit des Hofes

Diese weiden aber nur zum Teil in Reichstädt. "Manche Besucher bedauern das", sagt die Seniorchefin. Denn sie kommen zunächst in die Spinnstube. Später wollen sie die Schafe sehen. Am Sonntag wird das möglich sein. Eine kleine Herde wird unweit des Hofes stehen. Enkel Julius wird die Besucher dorthin führen. In Reichstädt sind die Schafe aber eher selten. Die Miniherden der Drutschmanns grasen auf kleineren Flächen, die sich an den Hanglagen des Osterzgebirges befinden. Diese gibt es zum Beispiel am Geisingberg bei Altenberg, in Geising und in Lauenstein. Die großen Agrarbetriebe können diese  Wiesen mit ihren Geräten nicht bearbeiten. Das ist die Chance der Reichstädter. 

Weil die Flächen klein sind, müssen die Schafherden aber immer wieder die Wiese wechseln. Das übernimmt Karin Drutschmanns Tochter Manja, die gelernte Schäferin ist. Wenn die Miniherden, die aus 13  bis 40 Tieren bestehen, die Wiese abgegrast haben, werden sie mit einem Transporter zur nächsten Wiese gebracht.

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Die Gewinnung von Wolle ist aber nur ein Standbein des Familienbetriebes, der seit 1998 auch als Ökobetrieb geführt wird. Dieser vermarktet Schaffleisch, und das über den Hofladen. Dort werden weitere Schafprodukte wie Wolle und Seife verkauft. Darüber hinaus bietet das Kleinunternehmen noch verschiedene Kurse für alle Altersklassen zu verschiedenen Themen an, das reicht vom Hütefilzen über den Schnupperkurs Spinnen bis hin zum Erlernen alter Knüpfkünste wie Makramee. Es  gibt also einiges, worüber man sich in der Spinnstube unterhalten kann. 

Tag des traditionellen Handwerks, 18.10., 10 bis 17 Uhr, Schäferei und Spinnstube Drutschmann, Am Dorfbach 10 in Dippoldiswalde/Ortsteil Reichstädt, 03504 613973

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