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Wie ein Dorfverein 60.000 Euro organisiert

Der TSV Seifersdorf ist enorm schlagkräftig. Das halbe Dorf ist dort Mitglied, und wenn es drauf ankommt, mobilisieren sie ein Vielfaches an Unterstützern. Wie das geht.

Jesko Fischer (v.l.), Oberbürgermeisterin Kerstin Körner und Vereinsvorstand Rico Schneider treffen sich auf dem Fußballplatz, um die rechtlichen und juristischen Fragen zur neuen Lichtanlage zu besprechen.
Jesko Fischer (v.l.), Oberbürgermeisterin Kerstin Körner und Vereinsvorstand Rico Schneider treffen sich auf dem Fußballplatz, um die rechtlichen und juristischen Fragen zur neuen Lichtanlage zu besprechen. © Egbert Kamprath

Wenn in einem Dorf mit rund 980 Einwohnern 449 Mitglied im Sportverein sind, dann ist das zwar immer noch kein großer Sportverein, aber es zeigt die Verwurzelung im Ort. Auf diesen Wurzeln ist jetzt ein Erfolg weit über das Dorf hinaus gewachsen, wie es der TSV Frohsinn im Dippoldiswalder Ortsteil Seifersdorf bewiesen hat. Im Wettbewerb für den „Verein des Jahres“, den die Ostsächsische Sparkasse und die Sächsische Zeitung veranstalten, lagen die Seifersdorfer mit einem Anteil an Publikumsstimmen von 5.727 ganz an der Spitze.

Die Fußballer brauchen mehr Licht auf dem Platz

Sächsische.de ließ sich von Vereinsvorstand Rico Schneider und Jesko Fischer, dem Abteilungsleiter Fußball erklären, zu welchem Zweck die Seifersdorfer derart getrommelt haben und wie sie das gemacht haben. Der Grund lässt sich kurz zusammenfassen, der Verein, speziell die Abteilung Fußball, braucht Geld, um mehr Licht auf den Fußballplatz zu bekommen.

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Allein acht Jugendmannschaften trainieren

Der Platz hat zwar eine Beleuchtung. „Die haben die Mitglieder in den 1990er-Jahren in Eigenleistung aufgebaut“, erzählt Fischer. Aber selbst wenn sie noch neu wäre, würde sie nicht mehr den heutigen Anforderungen entsprechen. Sie ist nicht hell genug, der Energieverbrauch zu hoch. Dazu kommt, dass von zwölf Lampen nur noch fünf richtig funktionieren. Teilweise trainieren die Sportler mit Stirnlampen.

Und der Verein ist gewachsen. Waren vor zehn Jahren noch vier Übungsgruppen auf dem Fußballplatz, sind es heute über zehn, allein acht aus der Jugend. Ein Frauenteam ist im Aufbau. Da liegen die Trainingsstunden auch mal abends, wenn es im Herbst schon dunkel ist.

Wo der Verein das Geld einsammelt

Also muss eine neue Beleuchtung her. Dafür sind zwei Hürden zu überwinden. Eine ist die Finanzierung. Die neue Anlage kostet nach einer ersten Schätzung rund 60.000 Euro. Die Hälfte davon erwarten die Seifersdorfer aus der Sportförderung. Die andere Hälfte organisieren sie selbst. Sie haben sich auf der Spendensammelplattform der Sparkasse „99 Funken“ angemeldet und dort bisher 123 Unterstützer gefunden, die bisher 17.360 Euro zugesagt haben. „Es sind aber noch 26 Tage Zeit und wir hoffen noch auf mehr“, sagt Rico Schneider. 3.000 Euro Eigenmittel bringt der Verein auf. Der Ortschaftsrat gibt aus seinen Geldern 2.400 Euro dazu. Und das Preisgeld vom „Verein des Jahres“ hilft auch.

Der Fußballplatz gehört dem Forst

Die 3.000 Euro, die es dafür gibt, fließen aber nicht allein in das Vorhaben auf dem Fußballplatz. „Unser Verein hat ja vier Sparten, die allgemeine Sportgruppe mit 181 Mitgliedern, den Fußball mit 144, Volleyball mit 69 und Reitsport mit 55 Mitgliedern“, sagt Schneider. Und weil die Reiter auch gerade ihr Gebäude erneuern, haben sie ebenfalls Finanzbedarf. Also teilen sich Fußballer und Reiter das Preisgeld.

Die zweite Hürde sind die Eigentumsverhältnisse. Der Fußballplatz ist 1956 gebaut worden „am Waldesrand“. So lautet auch seine offizielle Adresse. Das ehemalige Waldgrundstück gehört dem Sachsenforst. Der Verein hat es gepachtet. Um jetzt aber Fördergelder zu bekommen, muss er entweder Eigentümer sein oder wenigstens einen langfristigen Pachtvertrag besitzen.

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In diesem Punkt hat sich Dippoldiswaldes Oberbürgermeisterin Kerstin Körner (CDU) eingeschaltet. Sie will diese juristischen Fragen in den nächsten Tagen bei einem Gespräch mit Sven Irrgang, dem zuständigen Chef des Forstbezirks Bärenfels, klären. Die Seifersdorfer sind jetzt optimistisch, dass dies alles bald erledigt ist. Dann könnten sie im September ihre neue Beleuchtung einrichten, damit sie im Oktober, wenn die dunkle Jahreszeit beginnt, ohne Stirnlampen trainieren können.

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Dass sie schnell und schlagkräftig sind, haben die Seifersdorfer bei der Abstimmung zum Verein des Jahres bewiesen. 5.727 Stimmen haben sie gesammelt. Das ist das Sechsfache der Einwohnerzahl. Jesko Fischer erklärt das: „Wir haben einen hohen Jugendanteil im Verein, und die jungen Leute sind über ihre Social-Media-Kanäle sehr aktiv gewesen. Das hat weit über Seifersdorf und Dippoldiswalde hinausgewirkt.“

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