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Osterzgebirge: Hotel setzt auf Burger auf Rädern

Was sich der Gastwirt vom Rennberg als Zwischenlösung im Frühjahrs-Lockdown ausgedacht hat, entwickelt sich immer mehr zum zweiten Standbein.

Im Hamburger-Truck geht es eng zu. Chef Ronny Pätzold (links) und Mitarbeiter Ricky Dietel beladen den Truck für die Tagestour mit Zutaten.
Im Hamburger-Truck geht es eng zu. Chef Ronny Pätzold (links) und Mitarbeiter Ricky Dietel beladen den Truck für die Tagestour mit Zutaten. © Egbert Kamprath

Wer bislang in Dippoldiswalde, Glashütte oder Schmiedeberg Appetit auf einen Burger hatte, der wurde entweder mangels Angebot enttäuscht oder musste weit fahren. Inzwischen haben einige Gastwirte diese Spezialität aus Amerika für sich und ihre Kunden entdeckt und sorgen dafür, dass diese Kombination aus Brötchen, gebratenem Hackfleisch und Salat auch im Osterzgebirge Einzug hält.

Einer, der den Hamburger zu den Kunden bringt, ist Ronny Pätzold, Gastwirt vom Schönfelder Hotel „Am Rennberg“. Seine Imbisswagen, aus denen Burger und Bratwürste verkauft werden, sind inzwischen in der Region ein Begriff. Die Idee, die ursprünglich einmal dahinter stand, wirkt in Corona-Zeiten recht entrückt.

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Denn ursprünglich wollte Ronny Pätzold nach Gesprächen mit der Freiberger Brauerei einen Burgertruck anschaffen, um damit bei Großevents wie Konzerten und Festen für ein Imbissangebot zu sorgen. Gesagt, getan. Ein Paketauto wurde gekauft und zu einer mobilen Küche umgebaut. So dampften auch bei der Altenberger Bob-WM Anfang des Jahres die Pattys auf dem Rost. Doch dann wurde mit Corona alles anders.

Die Restaurants mussten schließen, der Ausschank wurde verboten und die Gastwirte waren mehr oder weniger zum Nichtstun verurteilt. Die zündende Idee kam Ronny Pätzold, als er im Nachbarort den Wagen eines Brathähnchengrills sah, der durch neue Sonderregelungen wieder unterwegs sein durfte. „Das machen wir auch“, sagte sich der Gastwirt und startete mit dem Schönfelder Burgertruck durch.

„Dabei wollten wir uns mit unseren Produkten von den großen Burgerketten unterscheiden und ein Alleinstellungsmerkmal bieten. Das sehen die Kunden schon optisch durch unsere Curry-Schwarzsesam-Brötchen", sagt Pätzold. Dafür hat er eine Sonderbestellung bei einem Lieferanten laufen. "Außerdem sind unsere Burger größer als man es von anderswo kennt." Nach langem Experimentieren habe man sich auf 180-Gramm-Fleischpattys festgelegt. "Das macht schon satt“, weiß Ronny Pätzold.

Der Erfolg ist dennoch hart erkämpft. Das neue Angebot musste erst publik werden. Außerdem wusste keiner, ob Hamburger bei der Landbevölkerung überhaupt gut ankommen. Zunächst waren es vor allem die Edeka-Märkte in Glashütte, Pretzschendorf und Frauenstein, die als erste Partner Standplätze anboten. Dazu kamen dann die Autohäuser Rettberg in Schmiedeberg sowie Liliensiek in Dipps. An jedem Wochentag macht der Truck nun an einer anderen Station halt.

Das Geschäft lief schließlich so gut, dass ein zweiter Foodtruck angeschafft wurde. „Das hat für beide Fahrzeuge immerhin rund 100.000 Euro gekostet und muss sich erst mal wieder einspielen“, sagt Ronny Pätzold zum Aufwand. Das Geschäft brummte im Sommer, da auch die Gaststätte im Hotel „Am Rennberg“ wieder öffnen durfte. Mit großer Resonanz standen hier erstmals auch selbst gemachte Wildburger auf der Karte.

Dass die Geschichte an dieser Stelle nicht endet, liegt nun an der erneuten Schließung der Gaststätten. Jetzt sind die Schönfelder erst richtig froh, dass sie ihre beiden Trucks haben. Denn diese dürfen weiterhin unterwegs sein. Es gibt feste Stationen, die schon seit Längerem jede Woche angefahren werden sowie wechselnde Haltestellen. Nicht überall ist die Resonanz gleich groß. Der Standortplan wird sonntags bei Facebook und auf der Internetseite des Hotels für die nächste Woche veröffentlicht.

„Ich merke oft, wie dankbar die Leute sind, wenn eins unserer Fahrzeuge in ihrem Ort hält. Das bringt Abwechslung in den Ort und die Leute kommen zum Treff, so wie früher in den Dorfkonsum." Und für das Restaurant sei der Außerhausverkauf eine wichtige Einnahmequelle geworden. "Im Rennberg arbeiten neun Leute und ich muss auch in so schwierigen Zeiten sehen, dass es irgendwie weitergeht", sagt Pätzold. "Durch unsere Trucks wird immerhin rund ein Drittel des Umsatzes abgedeckt.“

Mit Rico Liebscher steht ein gelernter Koch in einem der Wagen. Gegen 8 Uhr legt er in der Hotelküche los, schneidet Salat und bestückt das Fahrzeug mit den Vorräten für den Tag. Inzwischen erwartet ihn vor Ort eine eigene Stammkundschaft, die ihm die Treue hält. Viele kommen jede Woche zum Haltepunkt, um sich ihren Burger abzuholen.

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Im Angebot sind Wildburger, Rinder- und Crispy-Chicken-Burger. Auf Anfrage kreiert Rico Liebscher auch vegetarische Kost. Abgerundet wird das Angebot durch Wildbratwürste. Im anderen Truck steht normalerweise Ricky Dietel, der sonst als Kellner im Hotel arbeitet. Stück für Stück ergeben sich dabei auch neue Geschäftsfelder. Die Trucks rollen mittlerweile auch zu Hochzeiten, Geburtstags- oder Firmenfeiern, so sie denn stattfinden dürfen.

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