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Trinkwasser für Erzgebirgsdörfer

Jetzt werden Leitungen verlegt, die Wasser in 500 Häuser bringen sollen. Die Brunnen haben damit endlich ausgedient. Eine für Städter unglaubliche Geschichte.

Eberhard Horn vor seinem Brunnen in Johnsbach, der in den Sommermonaten zu wenig Wasser führt.
Eberhard Horn vor seinem Brunnen in Johnsbach, der in den Sommermonaten zu wenig Wasser führt. © Egbert Kamprath

Eberhard Horn fühlt sich wohl in Johnsbach. Doch seit einigen Jahren muss er hier mit Einschränkungen leben. Und das liegt am Wasser. Horn gehört zu den wenigen Sachsen, die ihr Trinkwasser ausschließlich aus Brunnen beziehen. In den trockenen Sommern der vergangenen Jahre wurde das zum Problem. Im Unterschied zu seinen Nachbarn sind seine zwar nie völlig versiegt. Aber um über die Runden zu kommen, musste er sehr sparsam mit Wasser umgehen. In den Sommermonaten 2018 und 2019 konnte er seine Ferienwohnung nicht vermieten. In diesem Jahr schon. Damit die Gäste immer ausreichend Wasser haben, schränkten sich die Horns ein. Er wusch sich mit der Schüssel im Garten, seine Frau duschte sich nur einmal in der Woche.

Eberhard Horn weiß, dass das für Städter unglaubliche Geschichten sind. Deshalb ist er froh, dass das bald ein Ende hat. Der Trinkwasserversorger Weißeritzgruppe hat am Freitag begonnen, Trinkwasserleitungen in Johnsbach zu verlegen. Weil schon der Baustart etwas Besonderes ist, luden die Stadt Glashütte, der Ortschaftsrat und der Wasserversorger zu einem kleinen Festakt ins Oberdorf ein. 

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Frank Kukuczka, Geschäftsführer des Trinkwasserversorgers, dankte Glashüttes seinen Mitarbeitern, Bürgermeister Markus Dreßler (CDU) und Ortsvorsteher Steffen Barthel, die in den vergangenen zwei Jahren in unzähligen Gesprächen und mit großem Einsatz dafür geworben haben, dass es nun im dritten Anlauf gelungen ist, "eine moderne und zukunftssicherere Wasserversorgung aufzubauen". Kukuczka dankte auch dem Freistaat. Denn ohne dessen finanzieller Hilfe wäre das nicht möglich gewesen. Immerhin übernimmt die Staatsregierung 65 Prozent der Herstellungskosten. 

Glashütter Bürgermeister dankt Freital

Dreßler äußerte sich vorab zu diesem "historischen Vorhaben". Er erinnerte daran, dass auch geprüft wurde, welchen Beitrag der Wasserversorger leisten könne. "Mit Blick auf den bereits aktuell vergleichbar hohen Trinkwasserpreis wurde schnell deutlich, dass der Anschluss neuer Brunnendörfer nicht zu einer höheren Belastung der Kunden der Weißeritzgruppe führen darf." 

Damit war die Grenze der Beteiligung des Verbandes gesetzt. Er sei besonders den Kommunen dankbar, die selbst keine Brunnendörfer haben, das Engagement der Weißeritztgruppe aber ermöglicht haben. "Zu nennen ist hier vor allem die Stadt Freital", so Dreßler. Auch die hiesige Landtagsabgeordnete Andreas Dombois (CDU) habe viel geholfen.

Uwe Ahrendt, der Dreßler in Johnsbach vertrat, konnte aus eigenem Erleben bestätigen, wie kompliziert das Leben ohne zuverlässige Trinkwasserversorgung ist. "Mein Schwiegervater wohnt hier", sagt er. Mehrmals habe er sich mit ihm -  rein privat - am Kaffeetisch zu diesem Thema ausgetauscht. Die größte  Hürde waren die Kosten, die auf die Grundstückseigentümer beim Bau eines Trinkwassernetzes zukommen werden. Denn sie müssen nicht nur den Hausanschluss zahlen, sondern auch den Bau des Ortsnetzes mitfinanzieren.

Ahrendt erinnerte daran, dass es letztlich Bürgermeister Dreßler war, der angesichts der hohen Investitionskosten anregte, jeden Grundstücksbesitzer mit einem städtischen Zuschuss in Höhe von 1.500 Euro zu unterstützen. Damit sollte der Bauzuschuss, den jeder Grundstückseigentümer in Johnsbach zu leisten hat, von 4.500 auf 3.000 Euro sinken. Letztlich stimmte der Stadtrat für dieses Verfahren. Das führte sowohl in Johnsbach als auch in Dittersdorf - wo die Trinkwasserlage vergleichbar ist - zu einer hohen Zustimmungsrate, und für die Stadt zu Mehrkosten. Mit rund 300.000 Euro wird sie den Bau der Trinkwasserleitungen in beiden Dörfern unterstützen.

Bürgermeister-Stellvertreter Uwe Ahrendt nahm mit dem Bagger den ersten symbolischen Spatenstich vor. Ebenfalls mit dabei die Ortsvorsteher von Dittersdorf und Johnsbach, Frank Zimmerhäckel und Steffen Barthel, sowie Geschäftsführer Frank Kukuczka
Bürgermeister-Stellvertreter Uwe Ahrendt nahm mit dem Bagger den ersten symbolischen Spatenstich vor. Ebenfalls mit dabei die Ortsvorsteher von Dittersdorf und Johnsbach, Frank Zimmerhäckel und Steffen Barthel, sowie Geschäftsführer Frank Kukuczka © Egbert Kamprath

In Johnsbach hatten sich 65 von 70 Grundstückseigentümer für den Bau des Leitungsnetzes ausgesprochen. Dazu wird der Versorger rund 1,3 Millionen Euro in die Hand nehmen und rund 1.800 Meter Leitungen hauptsächlich im sogenannten Bohrspülverfahren verlegen. "Der Dorfbach muss insgesamt achtmal gekreuzt werden", sagte Kukuczka.  Ende des dritten Quartals 2021 soll das Wasser fließen. Lutz Frenzel, der Leiter der Dippser Niederlassung des beauftragten Bauunternehmens Strabag versicherte der Festgemeinschaft, dass seine Mitarbeiter alles dafür tun werden, das dieser Termin gehalten wird.

Mit dem symbolischen Spatenstich, den Ahrendt mit dem Bagger vollziehen konnte, hat der Wasserversorger zugleich auch ein groß angelegtes  Investitionsprogramm gestartet. Denn nicht nur in Johnsbach soll künftig aus der Leitung Trinkwasser der Weißeritzgruppe fließen. Auch 500 Grundstücke in Dittersdorf, Friedersdorf, Röthenbach und Teile von Pretzschensdorf und Herzogswalde sollen an das öffentliche Netz angeschlossen werden. Im gesamten Verbandsgebiet gibt es gegenwärtig noch 1.200 Grundstücke, die ihr Wasser aus Brunnen beziehen, so Kukuczka. 

Für Dittersdorf nannte Kukuczka bereits Termine. Hier sollen die Arbeiten, die vom Umfang dreimal größer sind als in Johnsbach, Ende Oktober beginnen und ebenfalls Ende des dritten Quartals 2021 abgeschlossen sein. Auch diesen Auftrag hat sich die Dippser Niederlassung  Strabag - hier allerdings zusammen mit Bistra-Bau - in einer Ausschreibung sichern können.

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